Eine Geschichte der Kräuterkunde

Zeitreise durch die Kräuterkunde mit historischen Pflanzenkundigen, Heilpflanzen und alten Kräuterbüchern

Von Papyrus Ebers und Theophrast über Klostermedizin und alte Kräuterbücher bis zu Besler, Merian und Blackwell: Hier entsteht eine lebendige Zeitreise durch die Geschichte der Kräuter- und Heilpflanzenkunde in unserem Kulturkreis. Die Beiträge zeigen, wie Menschen Pflanzen über Jahrhunderte verstanden haben – als Heilmittel, Zauber, Gottesgabe, Forschungsobjekt, Kunstwerk und Teil der Natur. 


Alte Kräuterbücher sind für mich keine verstaubten Museumsstücke. Wenn man sie aufschlägt, öffnet sich eine andere Welt: Priesterärzte, griechische Gelehrte, Klostergärten, fahrende Heilkundige, Druckerwerkstätten, barocke Gärten, Pflanzenmalerinnen und Naturforscher. Jede Zeit hatte ihren eigenen Blick auf Pflanzen – und genau dieser wechselnde Blick macht die Geschichte der Kräuterkunde so spannend. 

In dieser Zeitreise arbeite ich mich anhand der Bücher und Pflanzenwerke aus meiner eigenen Sammlung durch verschiedene Epochen der Kräuter- und Heilpflanzenkunde. Dabei geht es nicht nur um Daten, Titel und berühmte Namen. Und auch nicht um Vollständigkeit. Ich möchte meinen Blick zeigen und zeigen wie ich diese "Geschichte" sehe. Nicht als wissenschaftliche Betrachtung sondern als meine persönliche Reise durch die historische Welt der Kräuter. 

Die einzelnen Stationen entstehen nach und nach. Jede Station öffnet ein kleines Fenster in eine bestimmte Zeit, ein wichtiges Werk oder eine besondere Person der Pflanzenkunde. Nicht als trockene Chronik, sondern als lebendige Reise mit alten Büchern, starken Bildern, historischer Einordnung und dem Versuch, frühere Pflanzenwelten aus ihrem eigenen Denken heraus verständlich zu machen. 

So wächst hier mit der Zeit eine erzählte Reise durch die Kräuter- und Heilpflanzenkunde unseres Kulturkreises – von den ältesten Heilrollen bis zu den großen Kräuterbüchern und Pflanzenwerken der Neuzeit. 

Die Stationen im Überblick

Diese Zeitreise wächst Stück für Stück. Die einzelnen Stationen führen von den ältesten Heilrollen über Antike, Klostermedizin und mittelalterliche Kräuterbücher bis zu den großen gedruckten Pflanzenwerken der Renaissance.

Eine Zeitreise durch meinen Bücherschrank und durch die Pflanzenkunde


Papyrus Ebers – Heilpflanzenwissen vor rund 3500 Jahren

Vor dreieinhalbtausend Jahren sitzt im alten Ägypten ein Mann über einer langen Papyrusrolle – im Schatten der Cheops-Pyramide, die damals bereits über 1000 Jahre alt ist: Schreiber, Priesterarzt und Magier in einem.  
Fast neunzehn Meter Heilwissen notiert er: Pflanzen, Harze, Öle, Honig, Salben, Tränke, Rezepte gegen Schmerzen, Wunden, Augenleiden und Magenbeschwerden – und dazwischen Zaubersprüche, Beschwörungen und Formeln gegen Krankheit, Dämonen und Unheil.

Für uns klingt das wie zwei Welten: hier Medizin, dort Magie. Für die Menschen dieser Zeit war es eine. Krankheit war nicht nur ein Fehler im Körper. Sie konnte auch ein Angriff sein, eine Störung, ein Riss in der Ordnung der Welt. Und Heilung bedeutete deshalb mehr als Wirkstoff und Dosis. Heilung war Pflanze, Wort, Ritual, Erfahrung und Vertrauen.

Viele der Rezepte, die im Papyrus Ebers niedergeschrieben wurden, waren selbst schon uralt. Sie kamen nicht aus dem Nichts. Sie waren gesammelt, bewahrt, weitergegeben, angewendet, geglaubt und geprüft im Alltag einer Hochkultur, die selbst bereits auf eine mehr als tausend Jahre währende Geschichte zurückblickte.

Was half, wurde behalten. Was gefährlich war, wurde beschworen. Was heilig war, wurde gesprochen.

Der Papyrus Ebers ist deshalb ein gewaltiger Anfangspunkt für diese Zeitreise durch die Kräuterkunde. Er zeigt, wie alt der menschliche Wunsch ist, Krankheit zu verstehen und ihr etwas entgegenzusetzen. Mit Pflanzen. Mit Rezepten. Mit Worten. Mit Hoffnung.

Hier beginnt die Geschichte der Heilpflanzenkunde nicht als moderne Wissenschaft, sondern als etwas zutiefst Menschliches: als Versuch, in einer gefährlichen Welt Ordnung zu schaffen – und in Pflanzen Verbündete zu finden.

Historia Plantarum von Theophrast – der Vater der Botanik vor rund 2300 Jahren 

Nach dem Duft von Harzen, Honig und Beschwörungen im alten Ägypten stehen wir plötzlich in einer anderen Welt. Griechenland. Philosophie. Gärten. Gespräche im Schatten der Säulen. Eine Zeit, in der Fragen nicht klein waren: Was ist Natur? Was ist Leben? Wie entsteht Ordnung in der Welt?

Mitten in dieser aufgeklärten, neugierigen Geisteswelt steht Theophrast. Freund und Schüler des Aristoteles, später sein Nachfolger als Leiter der Schule in Athen. Aristoteles hatte die Natur mit gewaltiger Kraft durchdacht, geordnet und beschrieben. Doch während bei ihm vor allem Tiere, Bewegung, Form und das große Ganze der Natur im Mittelpunkt standen, richtet Theophrast seinen Blick mit besonderer Hingabe auf die Pflanzen.

Und er sieht genau hin.

Nicht nur: Wozu nützt diese Pflanze? Nicht nur: Welche Krankheit kann sie lindern? Sondern: Wie wächst sie? Wo wächst sie? Was unterscheidet Baum, Strauch, Kraut und Gras? Wie verhalten sich Wurzel, Stängel, Blatt, Blüte, Frucht und Samen zueinander? Warum gedeiht eine Pflanze hier und eine andere dort? Was machen Klima, Boden, Pflege und Jahreszeit mit ihr?

Das ist ein gewaltiger Schritt in der Geschichte der Kräuter- und Pflanzenkunde. Die Pflanze ist nicht mehr nur Zutat, Arznei, Speise oder Zauber. Sie wird selbst interessant. Sie bekommt eine eigene Gestalt, eine eigene Ordnung, eine eigene Lebensweise.

Theophrast war nicht nur ein begnadeter Redner, dem sein Name später beinahe den Klang eines „göttlichen Sprechers“ gab. Er war auch einer, der sich bückte, hinsah, verglich und wieder hinsah. In seinen Pflanzenwerken beschreibt und ordnet er Hunderte Pflanzen. Er achtet auf Lebensformen, Standorte, Wachstum, Nutzung und Fortpflanzung. Er unterschied bereits zwischen einkeimblättrigen und zweikeimblättrigen Pflanzen – eine Ordnung, die durch die Botanik bis heute hindurchscheint.

Darum wird Theophrast bis heute als (Ur-) Vater der Botanik bezeichnet. Nicht, weil er schon moderne Wissenschaft im heutigen Sinn betrieb, sondern weil er etwas tat, das bis heute am Anfang jeder guten Pflanzenkunde steht: Er nahm Pflanzen ernst. Nicht nur als Mittel für den Menschen, sondern als eigene Wesen, die man beobachten, beschreiben und verstehen kann.

Für diese Zeitreise ist Theophrast deshalb eine Schlüsselfigur. Mit ihm tritt die Pflanze aus dem Schatten des reinen Nutzens heraus. Sie ist nicht mehr nur das, was heilt, würzt, nährt oder schadet. Sie wird ein Gegenüber.

Naturalis Historia von Plinius dem Älteren – Naturkunde vor rund 2000 Jahren

Vor rund zweitausend Jahren sitzt im römischen Reich ein Mann nicht einfach da und betrachtet die Welt. Er verschlingt sie. Tiere, Pflanzen, Steine, Sterne, Länder, Völker, Heilmittel, Wunder, Gerüchte, Beobachtungen, Merkwürdigkeiten – alles scheint für Plinius den Älteren wert, aufgeschrieben zu werden.

Er ist Soldat, Beamter, Gelehrter, Leser, Schreiber und Sammler in einem. Einer, der die Natur nicht klein denkt. Die Welt ist für ihn kein stilles Lehrbuch, sondern ein riesiger, staubiger, funkelnder Speicher voller Wissen. Und Plinius will möglichst viel davon retten, ordnen und weitergeben.

Manchmal wirkt er dabei wie ein echter Skeptiker, der prüft, vergleicht und zweifelt. Und manchmal wie ein neugieriges Klatschweib der Antike, das auch das Absonderliche, Wunderliche und kaum Glaubhafte nicht liegenlassen kann. Wenn etwas interessant, nützlich, seltsam oder erstaunlich ist, findet es bei ihm seinen Platz. Genau das macht ihn so menschlich – und so lesenswert.

Plinius war besessen vom Nutzen der Zeit. Sein Neffe berichtet später, dass er kaum einen Augenblick ungenutzt ließ. Selbst beim Reisen, beim Baden oder beim Essen wurde gelesen, diktiert oder notiert. Er rügte sogar, wenn jemand zu Fuß durch die Stadt ging, statt sich tragen zu lassen – denn in der Sänfte hätte man währenddessen lesen oder arbeiten können.

In seiner gewaltigen Naturalis Historia sammelt Plinius das Wissen seiner Zeit über die Natur. Auch Pflanzen nehmen darin breiten Raum ein: Heilpflanzen, Gartenpflanzen, Bäume, Getreide, Wein, Gewürze, Gifte, Gegengifte, Salben, Kräuter und unzählige Anwendungen. Plinius hält fest, was seine Welt über Natur wusste, glaubte, erzählte, nutzte und bestaunte.

Für diese Zeitreise ist Plinius deshalb eine besondere Station. Bei ihm begegnet uns nicht die Pflanze allein, sondern die ganze antike Welt, die auf Pflanzen schaut: praktisch, neugierig, staunend, manchmal skeptisch, manchmal wundergläubig, aber immer hungrig nach Wissen.

Plinius zeigt uns, wie groß Naturkunde vor rund zweitausend Jahren gedacht werden konnte. Die Pflanze ist bei ihm Heilmittel, Nahrung, Gift, Wunder, Handelsgut, Gartenwesen und Teil einer riesigen Weltbeschreibung.

Und vielleicht liegt genau darin sein Reiz: Plinius wollte nicht nur Pflanzen verstehen. Er wollte die Welt aufschreiben, bevor sie ihm entglitt.
 

Am Ende entglitt sie ihm tatsächlich unter Rauch, Asche und Feuer. Als der Vesuv ausbrach und Pompeji, Herculaneum und die umliegenden Orte unter sich begrub, fuhr Plinius der Ältere näher heran. Er wollte helfen. Aber er wollte auch sehen, verstehen, beobachten. Noch im Angesicht einer Katastrophe blieb er der Mann, der wissen wollte, was geschieht. 

So endet sein Leben beinahe wie eine letzte Fußnote zu seinem Werk: Plinius, der große Sammler der Natur, stirbt dort, wo die Natur selbst ihre gewaltigste, furchtbarste Seite zeigt. 


De materia medica – Dioskurides und das einflussreichste Werk der Heilpflanzenkunde

Vorhang auf für Dioskurides, den Arzt, dessen Werk wie ein gewaltiger Gong durch die Geschichte der Heilpflanzenkunde hallte.

Dioskurides lebte im römischen Reich des 1. Jahrhunderts, in der Zeit von Claudius und Nero. Als griechischer Arzt, vermutlich Militärarzt, war er unterwegs in einer Welt aus Häfen, Heeren, Handelswegen, Märkten, Gärten und Apotheken. Er sah Pflanzen nicht nur als grüne Wesen der Natur, sondern als Arzneien. Als Mittel gegen Schmerzen, Wunden, Fieber, Verdauungsbeschwerden, Frauenleiden, Gifte, Husten, Entzündungen und unzählige andere Nöte des menschlichen Körpers.

Mit seiner De materia medica tat er etwas Gewaltiges: Er sammelte das Arzneiwissen seiner Zeit und ordnete es so, dass es brauchbar wurde. Nicht als lose Sammlung schöner Pflanzen, sondern nach Wirkung, Anwendung und Nutzen. Was hilft worauf? Welcher Teil der Pflanze wird verwendet? Wie bereitet man sie zu? Was muss man beachten? Welche Pflanze ähnelt einer anderen? Wo liegt ihre Kraft?

Damit wurde sein Werk zum Fundament der europäischen Heilpflanzenkunde. Über Jahrhunderte galt kaum ein Wort über Heilpflanzen wirklich etwas, wenn es nicht schon bei Dioskurides stand, auf ihn zurückgeführt oder mit ihm verglichen werden konnte. Seine De materia medica wurde abgeschrieben, übersetzt, kommentiert, bebildert, erweitert, verehrt – und sie wirkte weiter in Klöstern, Apotheken, Universitäten und Kräuterbüchern.

Eine Ahnung von dieser Wirkung gibt der berühmte Wiener Dioskurides, der Codex Aniciae Julianae aus dem frühen 6. Jahrhundert. Dieses kostbare, prachtvoll bebilderte Pflanzenbuch gilt bis heute als eines der großen Meisterwerke spätantiker Buchkunst. Es zeigt, wie ehrfürchtig und sorgfältig das Werk des Dioskurides noch Jahrhunderte nach seinem Tod bewahrt, abgeschrieben und ins Bild gesetzt wurde.

Das ist kaum zu überschätzen. Viele spätere Kräuterbuchautoren schrieben nicht einfach neu. Sie standen in seinem Schatten, stritten mit ihm, übernahmen ihn, erklärten ihn, verbesserten ihn, bebilderten ihn neu – aber an ihm vorbei kamen sie nicht.

Für diese Zeitreise ist Dioskurides deshalb einer der großen Pfeiler. Bei ihm wird aus Pflanzenwissen ein gewaltiges Heilmittelgedächtnis. Die Pflanze ist hier nicht nur Wesen, Wunder oder Teil der Natur. Sie ist Arznei. Geordnet, beschrieben, weitergegeben.

Und genau deshalb klingt Dioskurides bis heute nach: als einer, der die Heilpflanzenkunde nicht nur beschrieben, sondern für viele Jahrhunderte auf ihr Fundament gestellt hat.

 Lorscher Arzneibuch – das älteste Arzneibuch des Abendlandes um 795 

 Nach den großen Stimmen der Antike führt unsere Zeitreise nun in eine andere Welt. Weg von den Säulen Athens, den Bibliotheken Roms und den Handelswegen des Mittelmeers – hinein ins frühe Mittelalter, in die Zeit Karls des Großen. 

Europa ordnet sich neu. Vieles, was die Antike gesammelt, gedacht und aufgeschrieben hatte, ist gefährdet. Bücher sind selten. Wissen wandert nicht bequem durch Suchmaschinen und Bibliotheken, sondern von Hand zu Hand, von Pergament zu Pergament, von Skriptorium zu Skriptorium. Wer schreibt, bewahrt. Wer abschreibt, rettet manchmal mehr, als er selbst ahnt. 

In dieser Welt entsteht um 795 im Kloster Lorsch das Lorscher Arzneibuch – das älteste medizinische Buch des abendländischen Mittelalters. Heute gehört diese Handschrift zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Schon daran merkt man: Wir haben es hier nicht mit irgendeiner alten Rezeptsammlung zu tun, sondern mit einem Meilenstein der europäischen Heilkunst. 

Und dieses Buch beginnt nicht einfach mit Rezepten. Es beginnt mit einer Verteidigung der Medizin. Das ist der eigentliche Paukenschlag. 

Denn Heilen war im christlichen Denken dieser Zeit nicht ganz selbstverständlich. Weil Krankheit als Prüfung, Strafe oder göttliche Fügung verstanden wurde. 

Darf der Mensch da überhaupt eingreifen? Darf er mit Kräutern, Salben, Tränken und ärztlicher Kunst gegen das arbeiten, was vielleicht von Gott geschickt wurde? 

Das Lorscher Arzneibuch gibt darauf eine klare Antwort: Ja. Heilen ist kein Widerspruch zum Glauben. Heilen ist Dienst am Menschen – und damit Dienst an Gott. Die Heilmittel der Natur sind keine heimliche Konkurrenz zur göttlichen Ordnung, sondern Teil dieser Ordnung. 


Pflanzen, Rezepturen, Anwendungen und ärztliche Erfahrung bekommen einen Platz in der christlichen Klosterwelt. Die Medizin muss sich nicht mehr verstecken. Sie wird begründet, verteidigt und in eine neue Zeit hinübergetragen. 

Für unsere Zeitreise ist das Lorscher Arzneibuch deshalb ein gewaltiger Meilenstein. Hier wird nicht nur altes Wissen abgeschrieben. Hier wird die Heilkunst im Abendland neu legitimiert. Zwischen Antike und Klostermedizin entsteht eine Brücke, über die viel von dem hinübergehen konnte, was sonst vielleicht im Nebel der Geschichte verschwunden wäre. 

Das Lorscher Arzneibuch steht damit am Anfang einer neuen Pflanzenwelt: der Klosterheilkunde. Einer Welt, in der Kräuter nicht nur gesammelt und angewendet werden, sondern in Beeten wachsen, in Rezepten stehen, in Handschriften bewahrt werden – und in der das Heilen seinen Platz bekommt. 

Hortulus von Walahfrid Strabo – der Beginn der Gartenkunde um 840 

Nur wenige Jahrzehnte später wird es grüner.

Wir bleiben in der Welt der Klöster, aber der Blick wandert vom Skriptorium hinaus in den Garten. Nicht mehr nur Pergament, Tinte und gelehrte Rechtfertigung. Jetzt riecht es nach Erde, nach feuchten Beeten, nach Salbei, Raute, Minze und Sommerwärme.

Auf der Insel Reichenau im Bodensee lebt Walahfrid Strabo: Mönch, Gelehrter, Dichter – und offenbar einer, der wusste, dass Pflanzen nicht nur in Büchern vorkommen.

Um 840 schreibt er sein kleines Werk De cultura hortorum, besser bekannt als Hortulus, das „Gärtlein“. Schon dieser Name ist wunderbar. Kein Weltenbuch, keine gewaltige Enzyklopädie, kein gelehrter Turm aus Wissen. Ein Gärtlein. Überschaubar, gepflegt, mühsam errungen – und voller Leben.


Der Hortulus ist einer der großen Anfangspunkte der europäischen Gartenliteratur. Hier wird der Garten nicht nur vorausgesetzt, sondern beschrieben. Er bekommt eine Stimme, einen Geruch, eine Ordnung, eine Mühe. Walahfrid schreibt nicht über irgendeinen fernen Idealgarten, sondern über einen Garten, der Arbeit macht. Über Beete, Erde, Unkraut, Pflege und Pflanzen, die man nicht nur kennt, sondern täglich vor Augen hat.

Das ist ein gewaltiger Schritt.

Nach den alten Heilpflanzenwerken und nach der ernsten Verteidigung der Medizin im Lorscher Arzneibuch tritt hier der Garten selbst ins Licht. Die Heilpflanze steht nicht mehr nur im Rezept und nicht nur im Buch. Sie wächst im Beet. Sie wird gesät, gepflegt, geschnitten, genutzt, bewundert.

Der Hortulus ist ein kunstvolles Gedicht über 24 Heil- und Nutzpflanzen. Und zugleich ist er etwas sehr Persönliches: Walahfrid richtet dieses Werk an Grimald, den Abt von St. Gallen, seinen früheren Lehrer und geschätzten Freund. Man kann sich fast vorstellen, wie er ihm dieses Gärtlein aus Worten überreicht: Schau, was hier wächst. Schau, was Mühe macht. Schau, was nützt, duftet, heilt und erfreut.

Hier schreibt keiner, der Pflanzen nur vom Hörensagen kennt. Walahfrid steht gedanklich mitten im Garten. Er kennt die Arbeit, die ein Beet verlangt, bevor es nach Ordnung aussieht. Er kennt das Ringen mit dem Unkraut. Er kennt aber auch den Zauber, wenn aus Erde, Pflege und Geduld eine kleine geordnete Welt entsteht.

Für unsere Zeitreise ist der Hortulus deshalb ein Meilenstein. Mit ihm beginnt nicht einfach nur ein neues Kapitel der Kräuterkunde, sondern ein neues Schauen auf Pflanzen: Die Heilpflanze wird nicht nur beschrieben, sie wird kultiviert. Der Garten wird Apotheke, Küche, Lehrort, Andachtsraum und kleines Stück gebändigte Schöpfung.

Und vielleicht liegt genau darin der besondere Zauber dieses Werkes. 

Nach all den großen Namen, großen Büchern und großen Gedanken steht plötzlich ein Mensch im Garten. Einer mit Erde an den Händen, mit Blick für Nutzen und Schönheit, mit Freude an der Pflanze selbst.

Mit Walahfrid Strabo bekommt die Gartenkunde ihre erste große Stimme. Und die Kräuterkunde bekommt Erde unter die Fingernägel.

Macer floridus – Mittelalterliches Pflanzenwissen im Kopf statt nur im Buch um 1080

Nach dem Garten des Walahfrid Strabo wird es wieder gelehrter und wirklich spannend.

Wir stehen um 1080 mitten im Mittelalter. Die meisten Menschen können nicht lesen. Bücher sind Kostbarkeiten. Oft besitzt ein Dorf vielleicht genau ein einziges Buch: die Bibel in der Kirche. Wer Wissen in Buchform weitergeben will, braucht Pergament, Tinte, Zeit, einen Schreiber – und Geduld. Ein Buch abzuschreiben kann Monate dauern, bei großen Werken auch Jahre.

In dieser Welt entsteht um 1080 ein lateinisches Lehrgedicht über Heilpflanzen: De viribus herbarum – „Von den Kräften der Kräuter“. Verfasst wurde es von Odo von Meung, einem französischen Geistlichen aus Meung an der Loire, nicht weit von Orléans.

Berühmt wurde es unter einem anderen Namen: Macer floridus – „der blühende Macer“. Damit ist nicht nur das Buch gemeint, sondern auch Odo selbst. Der Name erinnert an den antiken römischen Dichter Aemilius Macer, der ebenfalls Pflanzenwissen in Verse fasste. Odo tritt gewissermaßen in seine Fußstapfen – nur besonders reich, kunstvoll und üppig. Deshalb der Beiname floridus: blühend, ausgeschmückt, voller Fülle.

Ich sehe Odo als gelehrten Mann des 11. Jahrhunderts: als Kleriker, wohl auch heilkundig gebildet, verwurzelt in der lateinischen Gelehrtenwelt und mit Zugang zu Wissen, das damals nur wenigen offenstand.

Und wenn man diese Zeit vor Augen hat, begreift man erst, wie großartig seine Idee ist.

Der Macer floridus ist nicht einfach ein weiteres Kräuterbuch. Er ist der absolute Bestseller der mittelalterlichen Kräuterkunde. Schon der Titel De viribus herbarum verrät, worum es geht: nicht um hübsche Pflanzenbeschreibungen, nicht um Gartenpoesie, sondern um Wirkung, Anwendung und Heilkräfte.

Doch der eigentliche Clou liegt in der Form. Der Macer floridus ist in lateinischen Versen (Hexametern) geschrieben. Diese Verse waren der eigentliche Kunstgriff seines Werkes.

Denn ein Buch als Nachschlagewerk zu besitzen, war im 11. Jahrhundert etwas Großartiges – aber für die meisten kaum erreichbar. Bücher waren teuer, selten und schwer herzustellen. Wissen blieb oft dort, wo das Buch lag: im Kloster, in der Schule, in der Kirche, in der Bibliothek eines Gelehrten.

Umfangreiches Pflanzenwissen wird in Reime und Rhythmus gebracht. So kann es von Kopf zu Kopf wandern, ohne jedes Mal abgeschrieben werden zu müssen. Man muss nicht ständig zum Buch zurückkehren, um die Quelle zu befragen. Wer die Verse gelernt hat, trägt das Wissen mit sich.


Was bei Dioskurides noch wie ein gewaltiger antiker Gong durch die Geschichte der Heilpflanzenkunde hallt, bekommt hier eine andere Gestalt.

Der Macer floridus ist nicht der erste große Pfeiler der Heilpflanzenkunde, aber er macht etwas Entscheidendes: Er verwandelt Kräuterwissen in Lernstoff. Er nimmt altes Wissen, verdichtet es, gießt es in Rhythmus und macht daraus eine tragbare Kräuterkunde für Schüler, Ärzte, Geistliche und Gelehrte.

Damit markiert der Macer floridus einen wichtigen Moment in meiner Zeitreise. Heilpflanzenwissen tritt aus den einzelnen Klostergärten, Handschriften und Gelehrtenstuben heraus und wird zu einem standardisierten Lehrstoff. Zu einem Text, der abgeschrieben, gelernt, benutzt, übersetzt und weitergereicht wird.

Hier entsteht der Ursprung einer europäischen „Kräuter-Bibel“ des Mittelalters: ein Werk, das Kräuterwissen bündelt, zugänglich macht und in eine Form bringt, die über Jahrhunderte weiterwirken kann. Der Macer floridus wird zu einem Grundbuch der mittelalterlichen Kräuterkunde.


Die Heilpflanze zieht nicht nur in ein weiteres Buch ein – sondern auch in die Köpfe der Menschen.

 

Physica der heiligen Hildegard von Bingen – Die Prophetin der Grünkraft um 1150 

Nachdem mit dem Macer floridus die Heilkraft „eingereimt“ wurde, betreten wir im 12. Jahrhundert eine andere Welt. Pflanzen sind hier nicht nur Zutaten für Rezepte oder Mittel gegen Beschwerden. Sie sind Teil einer großen Ordnung.

Wir stehen in einer Zeit der Klöster, Kreuzzüge, Kaiser und Päpste. Bildung liegt vor allem in den Händen der Kirche, Bücher sind kostbar, und Frauen haben in der gelehrten Welt nur selten eine eigene Stimme. Hildegard von Bingen aber erhebt diese Stimme trotz schwachem, kränkelndem Körper mit erstaunlicher Kraft. Sie gründet ein eigenes Kloster, schreibt an Mächtige, mahnt, deutet, widerspricht – und wird zu der vielleicht außergewöhnlichsten Frau des Mittelalters.

Hildegard ist keine Kräuterfrau im kleinen Sinn. Sie ist Äbtissin, Visionärin, Dichterin, Komponistin, Mahnerin und Naturkundige. Eine Frau mit einem großen, umfassenden Blick.

Wenn ich ihre naturkundliche Schrift Physica aufschlage, spüre ich sofort: Hier schreibt keine bloße Sammlerin von Fakten. Hildegard sieht das große Ganze. Für sie ist der Mensch kein isoliertes Wesen, sondern eingebunden in Natur, Körper, Seele, Kosmos und göttliche Schöpfung.

Ihr Schlüsselwort dafür ist die Viriditas – ein lateinischer Begriff, den man heute oft mit „Grünkraft“ übersetzt.

Damit meint die heilige Hildegard nicht einfach nur grüne Blätter. Die Viriditas ist bei ihr eine göttliche Lebenskraft. Sie steckt in allem, was lebt, wächst, sprießt, blüht und Frucht trägt. In den Pflanzen zeigt sie sich besonders sichtbar: im frischen Austrieb, im Saft, in Farben, Düften, Bitterstoffen, Samen und Früchten.

Mit heutigen Augen kann ich darin auch einen Teil der Vitalität pflanzlicher Nahrung wiedererkennen. Pflanzen nehmen Stoffe aus Erde, Wasser, Luft und Licht auf und verwandeln sie in etwas Lebendiges. Sie veredeln die Welt zu Nahrung, Heilkraft, Duft, Farbe und Geschmack.

Natürlich sprach Hildegard nicht von Vitaminen oder sekundären Pflanzenstoffen. Aber sie hatte ein starkes Gefühl dafür, dass lebendige Pflanzenkraft dem Menschen guttut. Wo diese Kraft fehlt, wird der Mensch trocken, starr und anfällig. Wo sie wirkt, kann etwas wieder in Ordnung kommen.

Vielleicht ist es deshalb kein Zufall, dass uns ein langer Deichspaziergang an der Nordsee so gut tut. Grün vor den Augen, Wind im Gesicht, Weite im Kopf: Man muss Hildegards Weltbild nicht teilen, um zu spüren, dass Natur etwas in uns ordnen kann.

Für meine Zeitreise ist Hildegard von Bingen deshalb ein unverzichtbarer Ankerpunkt. Während viele Texte ihrer Zeit vor allem überliefertes Wissen ordneten und weitergaben, tritt Hildegard mit einer eigenen Stimme auf. Sie verbindet Pflanzenkunde mit Gottesbild, Heilkunde mit Weltdeutung, Naturbeobachtung mit Vision.

Hildegard schrieb nicht nur über die Viriditas, sie lebte nach ihr. Maßvoll, pflanzenreich und mit dem festen Vertrauen, dass die Natur dem Menschen Kraft, Ordnung und Lebendigkeit schenken kann. Vielleicht erreichte sie gerade mit dieser Grünkraft ein für das Mittelalter fast biblisches Alter: Hildegard starb 1179 mit 81 Jahren.

Mit Hildegard wird die Heilpflanze nicht nur beschrieben, gelernt oder angewendet. Sie wird Teil einer beseelten Schöpfung.


Das Erbe von Salerno – Vom Circa instans zum Codex Bruxellensis und zum Elsässer De simplici medicina um 1150 / 1450 / 1480

Nach Hildegards großer Grünkraft führt meine Zeitreise nach Süden. Nach Salerno.

Dort, am Golf von Salerno, blühte im Mittelalter eine der berühmtesten medizinischen Lehrstätten Europas. Hier begegneten sich antikes Wissen, arabische Medizin, klösterliche Gelehrsamkeit und praktische Heilkunde.

In Salerno lebte und wirkte zu jener Zeit eine berühmte Familie, die die Heilkunde entscheidend mitprägte. Trota von Salerno war eine der großen medizinischen Stimmen dieser Schule. Ihr Mann Johannes Platearius war Arzt, ihre Söhne Johannes und Matthaeus Platearius wurden selbst berühmte Heilkundige. Besonders Matthaeus trägt diese salernitanische Tradition weiter – nicht aus dem Nichts, sondern aus einer Familie heraus, in der Medizin gelebt wurde.

Matthaeus Platearius gilt als der Autor des Werkes, das zum Ausgangspunkt dieser Station wird: das Circa instans, auch Liber de simplici medicina – das Buch von den einfachen Arzneien.

Mit den „einfachen Arzneien“, den simplicia, waren einzelne Arzneistoffe gemeint: Pflanzen, Harze, Wurzeln, Samen, Gewürze, aber auch mineralische und tierische Stoffe. Hier geht es nicht mehr nur um einzelne Kräutererfahrungen. Hier wird geordnet. Beschrieben. Eingeteilt. Weitergegeben. Aus Pflanzenwissen wird Arzneimittellehre.

Das ursprüngliche Circa instans ist in zwei späteren Übersetzungen in meiner Bibliothek zu Hause.

Das erste ist das französische Livre des simples médecines, der Codex Bruxellensis aus dem 15. Jahrhundert. Schon der Titel sagt viel: das Buch der einfachen Arzneien. Doch einfach ist daran fast nichts mehr. Aus dem Lehrstoff über einzelne Arzneimittel wird ein prachtvolles Pflanzenbuch. Medizinisches Wissen wird hier nicht nur bewahrt, sondern kostbar ins Bild gesetzt. Pflanzen, Tiere, Arzneistoffe, alte Erfahrungen, gelehrte Ordnung und mittelalterliche Vorstellungswelt stehen Seite an Seite.

Das zweite ist das Elsässer De simplici medicina, auch als Elsässer Circa instans bekannt. Es führt ebenfalls in das späte Mittelalter, aber in einen anderen Raum: ins Elsass, in eine Welt zwischen lateinischer Gelehrsamkeit, regionaler Handschriftenkultur und volkssprachlicher Weitergabe.

Diese Werke sind nicht reine Wissenschaft im modernen Sinn. Sie sind auch nicht bloß hübsche Bilderbücher. In ihnen stehen Arzneikunde, Tradition, Volksglaube, Symbolik und Aberglaube nebeneinander. Da wird genau beobachtet und zugleich gedeutet. Da werden Pflanzen beschrieben, aber auch in eine Welt gestellt, in der alte Autoritäten, Zeichen, Erfahrungen und überlieferte Vorstellungen noch mitsprechen.

Sie zeigen eine Zeit, in der Wissen noch nicht sauber in moderne Schubladen getrennt war. Medizin war Handwerk, Gelehrsamkeit, Erfahrung, Überlieferung und manchmal auch Staunen. Was heute fremd wirkt, war damals Teil einer Ordnung, mit der Menschen versuchten, Krankheit, Natur und Heilung zu verstehen.

Und zugleich stehen diese Handschriften an einer Schwelle.

Die große Zeit der Skriptorien geht ihrem Ende entgegen. Noch werden kostbare Bücher mit der Hand geschrieben und ausgemalt. Noch entstehen solche letzten Prachtstücke der handschriftlichen Überlieferung. Aber der Buchdruck steht schon vor der Tür. Bald werden Kräuterbücher nicht mehr nur einzeln abgeschrieben, sondern gedruckt, vervielfältigt und in ganz neuer Geschwindigkeit verbreitet.

Diese beiden Faksimiles zeigen also nicht nur das Nachleben des Circa instans. Sie zeigen auch einen letzten großen Glanz der alten Buchkultur.

Hortus Sanitatis Germanice - als die Kräuterkunde Deutsch lernte 1485

 Nach dem Macer floridus nimmt unsere Zeitreise sprunghaft Fahrt auf. Wir lassen die Welt der handschriftlichen Überlieferung ein gutes Stück hinter uns und betreten eine Zeit im rasanten Umbruch.

Wenn ich heute dieses faszinierende Werk – den Hortus Sanitatis Germanice von 1485 – aufschlage, kann ich die damalige Aufregung regelrecht nachspüren. Versetzen wir uns dafür zurück nach Mainz im Jahr 1485.

Der Buchdruck ist noch jung, aber seine Wirkung ist bereits gewaltig. Was früher über Jahrhunderte mühsam von Hand abgeschrieben wurde, kann nun vervielfältigt werden. Ein kleiner Schläfrigkeitsfehler eines Mönchs beim Kopieren, eine unleserliche Zeile – und schon konnte sich ein Irrtum über Generationen weiterziehen. Zudem blieb das Wissen meist hinter dicken Klostermauern, in Universitäten und in elitären Gelehrtenstuben eingeschlossen. Doch jetzt beginnt es zu wandern. Schneller, weiter und sichtbarer als je zuvor.

In dieser Aufbruchstimmung erscheint bei Peter Schöffer in Mainz der Gart der Gesundheit, auch Hortus Sanitatis Germanice genannt. Dieses Buch war ein echter Paukenschlag: das erste gedruckte Kräuterbuch in deutscher Sprache. Die Bedeutung dieses Schrittes ist kaum zu überschätzen.

Denn hier tritt das alte Heilpflanzenwissen, das seit Dioskurides, Plinius, der arabischen Medizin und der Klosterheilkunde über Jahrhunderte bewahrt wurde, in eine völlig neue Form. Es legt sein rein lateinisches Gewand ab. Es wird nicht mehr nur handschriftlich für einen sehr engen Kreis von Gelehrten bewahrt, sondern spricht nun in der Volkssprache zu einem deutlich größeren Kreis.

Natürlich bedeutete „zugänglich“ im 15. Jahrhundert noch lange nicht, dass jeder Zugriff darauf hatte. Ein gedrucktes Buch war kostbar, und lesen konnte ebenfalls nur eine Minderheit. Aber der Kreis der Wissenden erweiterte sich spürbar: Apotheker, Ärzte, Wundärzte und wohlhabende Haushalte hatten nun eher die Chance, eine Brücke zu diesem Wissen zu schlagen. Es war der Beginn einer kleinen Revolution.

In über vierhundert Kapiteln sammelt und ordnet das Werk das Arzneiwissen der damaligen Welt und versieht es mit Holzschnitten. Neben den Pflanzendarstellungen finden sich auch Stoffe aus dem Tierreich und Mineralien. Wer heute darin blättert, sieht sofort: Dieses Werk steht an der Grenze zweier Welten. Viele Abbildungen wirken noch schemenhaft, vereinfacht und abgeschliffen von der stillen Post der Jahrhunderte. Andere zeigen aber bereits den neuen Blick: genauer, aufmerksamer und näher an der wirklichen Pflanze.

Denn der Druck verändert nicht nur die bloße Verbreitung des Wissens. Er verändert auch den Blick darauf. Die jahrhundertelange „stille Post“ der Kräuterkunde wird nun gedruckt – und damit überprüfbarer. Wenn vielen Menschen plötzlich dieselbe Information in derselben Form vor Augen liegt, verändert das alles.

Damit werden nicht nur Schätze sichtbar, sondern auch die Schwächen der Überlieferung.

Falsche Zuordnungen von Pflanzen, ungenaue Beschreibungen, misslungene Abbildungen und alte Irrtümer treten nun deutlicher hervor als je zuvor. Was von vielen Menschen genutzt, verglichen und in der Praxis geprüft werden kann, wird transparenter – und mit der Transparenz wächst auch die Kritik.

Der Hortus Sanitatis Germanice bereitet den großen Vätern der Botanik des 16. Jahrhunderts den Weg. Er bündelt das alte Wissen, bringt es in die deutsche Sprache und zeigt zugleich, wo die alte Überlieferung an ihre Grenzen stößt und man beginnen muss, genauer hinzusehen.

Für unsere Zeitreise ist der Gart der Gesundheit deshalb ein gewaltiger Wendepunkt. Hier steht die Kräuterkunde auf der Schwelle der Epochen: mit dem Rücken zur mittelalterlichen Handschriftentradition und mit dem Gesicht zur gedruckten, kritischeren Pflanzenkunde der Renaissance.

Aus dem verborgenen, abgeschriebenen Wissen wird ein gedruckter, offener Garten. Und in diesem Garten wachsen ab 1485 nicht mehr nur Heilpflanzen, sondern auch die Fragen, aus denen später die moderne Botanik entstehen sollte.

Otto Brunfels: Contrafayt Kreüterbuch 1532 – Als die Pflanzen wieder selbst gesehen wurden

Nach dem Hortus Sanitatis Germanice sind wir an einer entscheidenden Schwelle angekommen. Das alte Kräuterwissen ist gedruckt, deutschsprachig, sichtbarer und vergleichbarer geworden. Die „stille Post“ der Jahrhunderte liegt nun offen auf dem Tisch.

Und genau dort beginnt das Problem. Denn wer genauer hinsieht, merkt: Zwischen Buch und Pflanze klafft eine gewaltige Lücke.

Wenn ich den Reprint des Contrafayt Kreüterbuchs von 1532 aufschlage, fasziniert mich schon der Titel: „Contrafayt“ bedeutete damals lebensecht nachgebildet. Genau das war das große Versprechen einer neuen Epoche.

Aufbruch in die Renaissance: Zurück zu den Quellen

Wir sind jetzt mittendrin in der Renaissance – und dieses Wort bedeutet schlicht „Wiedergeburt“. Die Gelehrten brannten plötzlich wieder für das verloren geglaubte Wissen der Antike. Dioskurides und Plinius wurden wie Popstars der Wissenschaft neu entdeckt.

Aber das Ganze war kein nostalgischer Blick zurück. Der neue, unruhige Geist der Zeit rief: „Zurück zu den Quellen!“ Das hieß: Die alten Texte wurden nicht mehr ehrfürchtig nachgebetet, sondern kritisch gelesen, verglichen und gnadenlos hinterfragt. Man wollte verstehen, was die Alten wirklich gemeint hatten – und es in der eigenen Wirklichkeit überprüfen.

Ein rebellischer Mönch wird lebendig

Und genau so ein unruhiger, suchender Geist war Otto Brunfels (geboren um 1488). Stellt euch diesen Mann vor: Eigentlich stammte er aus der absoluten Stille. Als Kartäusermönch verbrachte er Jahre im Kloster bei Straßburg – eine Welt aus Gebet, lateinischen Abschriften, strenger Ordnung und Gehorsam.

Doch draußen bebte die Welt, Luthers Reformation brach los und die Druckerpressen liefen heiß. Brunfels hielt es nicht mehr in der Klosterzelle. Er brach mit dem Klosterleben, legte die Kutte ab und stürzte sich mitten ins pralle, unruhige Leben. Er wurde evangelischer Prediger, Schulmeister und schließlich sogar promovierter Arzt. Brunfels war ein Mann, der das Streiten, Prüfen und Selberdenken lebte.

Als Arzt und Kräuterkundiger stieß er draußen auf den Wiesen auf einen unhaltbaren Widerspruch:

In den Büchern: schemenhafte, fehlerhafte Zeichnungen von südeuropäischen Pflanzen, die man seit Jahrhunderten stur kopiert und in ein mitteleuropäisches Kleid gezwängt hatte.

Hans Weiditz und der radikale Realismus

1532 machte er mit seinem Contrafayt Kreüterbuch Schluss mit der Illusion. Für die Holzschnitte engagierte er den genialen Künstler Hans Weiditz – einen Schüler Albrecht Dürers. Und dessen Bilder veränderten die Botanik für immer.

Diese Pflanzen stehen nicht mehr steif und idealisiert auf dem Papier. Sie haben Charakter: Blätter hängen welk herab, drehen sich im Wind, sind von Insekten angefressen oder wachsen krumm. Die Wurzeln sind kräftig, voller Erde und eigensinnig. Weiditz zeichnete kein theoretisches Symbol, sondern genau das konkrete, fehlerhafte Exemplar, das beim Malen vor ihm auf dem Tisch lag. Die Pflanze durfte zum ersten Mal wieder sie selbst sein.

Text gegen Natur: Der große Konflikt hinter den Bildern

Dahinter steckt ein herrlicher Konflikt, der dieses Buch erst recht zu einem echten Krimi der Wissenschaftsgeschichte macht. Zwischen Brunfels und seinem Illustrator Weiditz prallten beim Entstehen des Werkes offenbar zwei Welten aufeinander.

Brunfels, der Textgelehrte: Er dachte immer noch in der alten Tradition. Er wollte eigentlich makellose, „ideale“ Pflanzenbilder haben, die exakt zu den antiken Texten von Dioskurides passten. Wenn das Buch eine edle Heilpflanze beschrieb, sollte die Abbildung gefälligst fehlerfrei und perfekt aussehen.

Weiditz, der unbeirrbare Realist: Er dachte gar nicht daran, die Natur zu schönen. Er malte radikal nur das, was er vor Augen hatte. Wenn die Pflanze auf dem Transportweg vom Feld ins Straßburger Atelier gelitten hatte, landete der Knick im Stängel unbarmherzig auf der Druckplatte. War ein Blatt von Raupen durchlöchert, wurde das Loch mitgeschnitzt.

Das führte auf den fertigen Buchseiten zu einem faszinierenden Paradoxon: Im Text beschrieb Brunfels ehrfürchtig die perfekte, antike Idealform einer Heilpflanze – während die Abbildung direkt daneben ein zerzaustes, echtes Exemplar mit Transportschaden aus dem elsässischen Umland zeigte.

Einige Zeitgenossen schimpften damals sogar und kritisierten das Buch scharf: Die Bilder seien viel zu realistisch! Man könne die echten Pflanzen draußen auf den Feldern ja gar nicht mehr im „idealen“ Zustand erkennen, weil Weiditz jede kleine Macke mitgedruckt hatte. Doch genau dieser Clash zwischen der starren Theorie des Autors und der ungeschminkten Wahrheit des Zeichners macht das Contrafayt Kreüterbuch so einzigartig.

Das Vermächtnis

Natürlich war Brunfels noch kein moderner Wissenschaftler; im Text verließ er sich immer noch stark auf Dioskurides. Aber durch den unnachgiebigen Pinsel von Weiditz hatte er den Mut, der Natur das erste Mal wieder das echte Wort zu erteilen.

Beim Hortus Sanitatis wurde das Wissen zu einem gedruckten Garten. Bei Otto Brunfels beginnt dieser Garten endlich zu leben. Die Kräuterkunde schaut ab 1532 nicht mehr nur zurück in die Vergangenheit – sie schaut endlich hinaus zu den Pflanzen selbst.

 Hieronymus Bock: New Kreütter Buch 1539 – Der Kräuterpfarrer, der selber nachsah 

 

Nach Otto Brunfels führt unsere Zeitreise zu Hieronymus Bock, latinisiert Tragus. Zusammen mit Brunfels und Leonhart Fuchs zählt er zu den sogenannten Vätern der Botanik. Aber Bock ist für mich unter diesen dreien der menschlichste. 

Während Brunfels vor allem durch die naturgetreuen Pflanzenbilder seines Contrafayt Kreüterbuchs beeindruckt, begegnet einem Bock stärker durch seine Worte. In seinem Kräuterbuch wird er als Mensch greifbar: gebildet, aber nicht eingebildet; fromm, aber nicht weltfremd; gelehrt, aber mit beiden Füßen auf dem Pfälzer Boden. 

Hieronymus Bock wurde um 1498 geboren und wirkte später als Lehrer, Arzt, lutherischer Prediger und Pflanzenkundiger. Er lebte und arbeitete in einer Zeit des Umbruchs: Reformation, Buchdruck, neue Gelehrsamkeit und ein wachsender Blick auf die Natur kamen zusammen. Altes Wissen wurde nicht mehr nur abgeschrieben, sondern zunehmend geprüft, verglichen und neu geordnet. 

Man sieht einen Mann, der draußen unterwegs war: auf Wegen, an Waldrändern, in Gärten, auf Wiesen und zwischen Weinbergen. Für seine Wanderungen in der Natur soll er sich häufig in einfache Bauernkleidung gekleidet haben, was damals natürlich für Aufsehen und Kopfschütteln sorgte. 

Doch ihm ging es offenbar einfach darum, dass diese Kleidung praktischer war als die standesgemäße Tracht. 

1539 erschien sein New Kreütter Buch. Die erste Ausgabe war noch nicht bebildert. Gerade das macht sie so interessant: Bock musste die Pflanzen mit Worten erfassen. Er beschreibt ausführlich, vergleicht, unterscheidet, nennt Standorte, Namen, Wirkungen und Verwendungen. 

Bei ihm merkt man oft, dass er nicht nur aus alten Büchern schöpft, sondern aus eigener Anschauung schreibt. 

Für mich liegt darin das Besondere seines Werkes. Bock ist kein reiner Abschreiber der Antike. Natürlich kennt er Dioskurides, Plinius und die alten Autoritäten. Aber er lässt sie nicht allein entscheiden. Er geht hinaus, schaut nach und prüft an der wirklichen Pflanze. 

Besonders schön zeigt sich das beim Huflattich. Diese Pflanze treibt im Frühjahr zuerst ihre gelben Blüten, die großen hufförmigen Blätter erscheinen erst später. Bock schreibt in seinem Kräuterbuch, dass er den Huflattich ausgrub und in seinen Garten pflanzte, um zu prüfen, ob Blüte und Blatt wirklich zu derselben Pflanze gehören. Für mich ist das eine wunderbare Szene: Da glaubt einer nicht einfach, sondern will es wissen. Er gräbt aus, pflanzt ein, wartet ab und beobachtet. 

Genau dadurch wird Bock mir beim Lesen so sympathisch. Ich nehme ihn mittlerweile fast wie einen alten Freund wahr, weil in seinem Buch ein echter Charakter sichtbar wird. Er schreibt nicht glatt und unnahbar, sondern lebendig, manchmal derb, manchmal ausführlich, aber immer mit einem praktischen Blick. Man merkt: Dieser Mann hat Pflanzen nicht nur studiert, er ist ihnen begegnet. 


Auch seine Zeit klingt in diesem Werk mit. Die Kräuterkunde stand noch tief in der alten Heilpflanzentradition, aber zugleich begann sich etwas zu verändern. Die Pflanze wurde nicht mehr nur als Arznei betrachtet, sondern auch als Lebewesen mit Gestalt, Standort und Eigenart. Bock interessierte sich dafür, welche Kräuter, Stauden, Hecken und Bäume in deutschen Landen wachsen. 
Damit rückte die heimische Pflanzenwelt stärker in den Mittelpunkt. 

1546 erschien eine erweiterte, bebilderte Ausgabe seines Kräuterbuchs. Die Holzschnitte stammen von David Kandel. Damit bekam Bocks Werk auch bildlich mehr Gewicht. Aber seine eigentliche Stärke bleibt für mich der Text. Bei Brunfels steht das Bild im Vordergrund, bei Bock die Beschreibung. 

Und dann ist da noch der Wein. Bock wusste offenbar ein gutes Glas Wein zu schätzen, es heißt sogar, dass der Name „Riesling“ auf ihn zurückgeht. 

Hieronymus Bock steht damit mitten im Übergang von der alten Kräuterkunde zur neueren Botanik. Er ist noch fest mit der Heilpflanzentradition verbunden, aber er schaut genauer hin als viele vor ihm. Er prüft, vergleicht und beschreibt. Für mich ist er deshalb nicht nur ein Name in der Geschichte der Botanik, sondern einer der lebendigsten Menschen dieser ganzen Zeitreise. 

Leonhart Fuchs: New Kreüterbuch 1543 – Der Tübinger Professor und das perfekte Pflanzenbild

Nach Hieronymus Bock führt unsere Zeitreise zu Leonhart Fuchs. Zusammen mit Otto Brunfels und Bock zählt auch er zu den Vätern der Botanik. Doch während Bock mir beim Lesen fast wie ein alter Freund begegnet, tritt Fuchs deutlich anders auf: als hochgelehrter Professor, Arzt und Mann der Ordnung. Ich sehe ihn als Mann, der genau und vielleicht auch etwas streng im Anspruch ist, aber von feinem Charakter.

Leonhart Fuchs wurde 1501 in Wemding geboren. Er studierte Medizin, wurde Arzt und wirkte später viele Jahre als Professor der Medizin in Tübingen. Auch er lebte in einer Zeit, in der sich die Kräuterkunde veränderte. Die alten Autoritäten wie Dioskurides und Plinius wurden weitergelesen, aber der Blick auf die wirkliche Pflanze wurde immer wichtiger. Bei Fuchs ist überliefert, dass er der erste Professor an der Universität Tübingen war, der mit seinen Studenten hinausging, damit sie die Pflanzen auch in der Natur kennenlernen konnten.

In meiner Bibliothek steht bei Fuchs die deutsche Ausgabe im Mittelpunkt: das New Kreüterbuch von 1543. Die lateinische Ausgabe De historia stirpium war ein Jahr zuvor erschienen, aber für diese Zeitreise ist vor allem das deutsche Kräuterbuch wichtig. Es bringt Fuchs’ großes Pflanzenwerk in die deutsche Sprache und damit näher an Leser, die nicht in der lateinischen Gelehrtenwelt zuhause waren.

Schon beim ersten Blick merkt man: Fuchs wollte hier kein einfaches Kräuterbüchlein vorlegen. Dieses Buch ist groß, sorgfältig gemacht und in seiner Ausstattung beeindruckend. Es enthält 517 Pflanzenholzschnitte, dazu Beschreibungen der Pflanzen, ihrer Namen, Standorte, Wirkungen und Anwendungen. Die Pflanzen sind wunderschön übersichtlich dargestellt und alphabetisch nach den griechischen Pflanzennamen geordnet.

Das Besondere an Fuchs ist für mich vor allem sein Anspruch an die Abbildungen. Bei Brunfels waren die Pflanzenbilder durch Hans Weiditz schon erstaunlich naturgetreu geworden. Fuchs geht diesen Weg weiter, aber mit einer professoralen Genauigkeit. Die Pflanze soll klar erkennbar sein. Wurzel, Stängel, Blätter, Blüten und Früchte sollen so gezeigt werden, dass der Leser sie vergleichen und wiedererkennen kann.

Dafür holte Fuchs sich hervorragende Künstler an die Seite. Albrecht Meyer zeichnete die Pflanzen, Heinrich Füllmaurer übertrug sie auf den Holzstock, und Veit Rudolf Speckle schnitt sie in Holz. Diese Namen sind nicht nur Nebensache: Fuchs ließ die drei Männer am Ende seines Buches sogar mit Bildnissen abdrucken. Für mich ist das das erste „Making-of“ der Buchgeschichte: Der Leser sieht nicht nur die fertigen Pflanzenbilder, sondern bekommt auch gezeigt, wer an ihrer Entstehung beteiligt war.


Auch die konfessionellen Spannungen seiner Zeit gingen an Fuchs nicht spurlos vorbei. Als protestantischer Gelehrter war sein Name in katholischen Kreisen problematisch. Sein Kräuterbuch war aber so nützlich, dass man es nicht einfach aus den Bibliotheken verbannte. In manchen katholischen Exemplaren wurde deshalb nicht das ganze Buch beseitigt, sondern nur sein Name gestrichen oder unkenntlich gemacht. Der Autor durfte verschwinden, die Pflanzen aber blieben.

Auch ist überliefert, dass viele Pflanzen im Buch aus seinem Garten stammten. Man kann sich richtig vorstellen, wie die Herren um einen Tisch im Garten standen und die Pflanzen betrachteten, die als Nächstes gezeichnet, in Holz geschnitten und gedruckt werden sollten.

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Das sagt viel über Fuchs aus. Ihm ging es nicht nur darum, alte Kräutertexte zusammenzutragen. Er wollte ein Werk schaffen, das in Text und Bild zuverlässig war. Die Abbildungen waren kein Schmuck, sondern ein wichtiger Teil der Pflanzenkunde. Wer eine Pflanze erkennen wollte, brauchte gute Bilder. Und Fuchs wusste offenbar sehr genau, wie entscheidend diese Bilder für den Wert seines Buches waren.

Er war hochgelehrt, aber nicht hochnäsig. Er wusste den Wert der Arbeit der beteiligten Männer zu schätzen; ohne sie hätte auch sein Name nicht die Jahrhunderte überdauert.

Auch bei Fuchs bleibt die Heilwirkung wichtig. Die Kräuter werden nicht nur botanisch betrachtet, sondern weiterhin nach ihrem Nutzen beschrieben. Doch zugleich merkt man, dass sich der Blick verändert. Die Pflanze ist nicht mehr nur Arznei, sondern auch ein Gegenstand genauer Beobachtung und Darstellung.

Das New Kreüterbuch von 1543 steht damit für einen Höhepunkt des gedruckten Kräuterbuchs im 16. Jahrhundert. Brunfels hatte die Pflanze wieder naturgetreu sehen lassen. Bock hatte sie aus eigener Anschauung beschrieben. Fuchs verbindet nun Gelehrsamkeit, Ordnung und außergewöhnliche Bildkunst zu einem Werk, das bis heute beeindruckt.

Und vielleicht ist genau das sein Platz in dieser Zeitreise: Leonhart Fuchs ist nicht der Kräuterwanderer wie Bock. Er ist der Tübinger Professor, der die Pflanzen mit größter Sorgfalt auf die Buchseite bringen ließ — so genau, so schön und so dauerhaft, dass sein New Kreüterbuch bis heute als eines der größen Pflanzenbücher der Renaissance gilt.

Damit haben sich alle drei Väter der Botanik nun auch in meine Geschichte der Kräuterkunde eingereiht. Ihre Werke bleiben tief in der Kräuter- und Heilpflanzenkunde verwurzelt. Sie zeigen, wie in der alten Kräuterkunde langsam ein genauerer Blick auf die wirkliche Pflanze entsteht.

 

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