Dirk Schwerdts bei der Ernte von Lindenblättern bei einer Kräuterwanderung in NIedersachsen, nähe Bad Bederkesa

Dirks Kräuterblog

 Wildkräuter-Wissen, Heilpflanzen und alte Kräuterkunde – mit Botanik, Humor und Tiefgang. 



In meinem Kräuterblog geht es um Wildkräuter, Heilpflanzen, wilde Küche und die Geschichten, die mir draußen am Wegesrand begegnen. Dazu kommen alte Kräuterbücher, besondere Pflanzen und immer wieder ein Blick hinter die Kulissen meiner Kräuterevents.

Unregelmäßig, ehrlich und immer naturverbunden. Ich verbringe mehr Zeit draußen zwischen Wiesen und Kräutern als am Bildschirm – und genau das soll auch so bleiben.


Alle Inhalte zu naturheilkundlichen Rezepten basieren auf überliefertem Wissen und praktischer Erfahrung. Sie dienen der Inspiration und Information – nicht der medizinischen Selbstbehandlung.


Artikelübersicht

Bärlauch & andere Frühlingskräuter

Wenn im Frühjahr die ersten frischen Kräuter sprießen, beginnt für mich die schönste Zeit im Jahr. Hier geht es um Bärlauch und andere typische Frühlingspflanzen – vom sicheren Erkennen über das Sammeln bis hin zu ihrer Verwendung in Küche und Hausapotheke.



Wildpflanzen & Pflanzenwissen

Wenn man beginnt, genauer hinzusehen, entdeckt man draußen eine ganz eigene Welt. Hier sammle ich Wissen, Beobachtungen und Geschichten zu heimischen Wildpflanzen – vom ersten Erkennen bis zu den kleinen Details, die man oft erst auf den zweiten Blick bemerkt. 


Rezepte für die wilde Küche und Hausapotheke

 Hier geht es um Wildpflanzen, die ihren Weg in Küche und Hausapotheke finden – als Tee, Tinktur, Sirup, Gebäck, herzhaftes Gericht oder traditionelles Hausmittel. Ich zeige einfache Anwendungen, alte Kräuterideen und ehrliche Einordnungen, die Lust machen, heimische Kräuter mit allen Sinnen kennenzulernen 

 


Nordsee & Kräuterevents

Hier geht es um meine Kräuterwanderungen und Naturerlebnisse an der Nordsee – um Orte, Begegnungen und das, was draußen passiert, wenn man mit offenen Augen unterwegs ist. Ein kleiner Einblick in meine Arbeit und in die besondere Landschaft der Wurster Nordseeküste. 

 


 Kräutergeschichte, Bücher & besondere Orte 

 Alte Kräuterbücher, historische Offizinen, besondere Orte und Fundstücke aus der Welt der Pflanzenkunde. Hier sammle ich Beiträge, die nicht direkt zu einer einzelnen Wildpflanze gehören, aber zeigen, wie lebendig Kräutergeschichte bis heute sein kann. 

Warum ich mir das immer wieder antue

Ein Rückblick auf meinen Workshop "Sommerliche Blütenküche" 2026

Es gibt einen Moment bei fast jedem größeren Kräuterevent, da stelle ich mir dieselbe Frage:

Warum tue ich mir das eigentlich immer wieder an?
Meistens kommt dieser Moment nicht während der Wanderung. Auch nicht beim Erzählen über Taglilien, Rosen, Mädesüß oder Lindenblätter. Da bin ich in meinem Element.

Nein, dieser Moment kommt eher vorher.

Wenn die Einkaufsliste länger wird als geplant. Wenn doch noch eine Schüssel fehlt. Wenn klar wird, dass das Dressing wieder großzügiger gedacht werden muss. Wenn die Dessertmenge zwar nach Rezept ausreichend klingt, ich aber innerlich schon ahne: „Das wird knapp.“ Wenn das Wetter querschlägt und ich die geplanten Blüten nicht ernten kann, wenn die Rezepte für die Gruppenarbeit das 10. Mal überarbeitet werden müssen und wenn kurz vor knapp Abmeldungen kommen. Wenn aus einer schönen Idee plötzlich ein logistisches kleines Großprojekt geworden ist.


Und dann stehe ich da und denke:
Dirk, ernsthaft. Warum machst du das?

Die Antwort kommt meistens später.

Dann, wenn aus einzelnen Zutaten ein Buffet wird. Wenn auf einmal nicht mehr nur Quark, Butter, Salat und Fleisch auf dem Tisch stehen, sondern eine ganze sommerliche Landschaft. Wenn Taglilien über einer Platte leuchten, Rosenblätter auf Butter schimmern, Blütenbällchen aussehen wie kleine essbare Konfetti-Kugeln und aus einer einfachen Creme mit Beeren ein Dessert wird, bei dem man schon beim Anschauen einen Löffel in der Hand haben möchte.

Dann weiß ich wieder, warum.

Blick auf auf ein blütenbuntes Buffet

sommerliche Spieße mit Kräuter-Blütenfinish

Mädesüß-Holunder-Creme

Ich mache das, weil Wildkräuter und Blüten mehr können, als nur „nett dekorieren“. Sie verändern den Blick auf Lebensmittel. Sie machen aus Essen eine Geschichte. Sie bringen Farbe, Duft, Geschmack und staunen.

Bei meiner Sommerlichen Blütenküche geht es deshalb nicht darum, Blüten irgendwo hübsch oben draufzulegen. Es geht darum, gemeinsam zu erleben, was essbare Blüten in der Küche wirklich leisten können. Mal mild und duftig, mal würzig, mal frisch, mal einfach nur wunderschön.


Ein solches Buffet fällt nicht vom Himmel. Es braucht Planung, Vorbereitung, sichere Pflanzenkenntnis, passende Rezepte, genügend Material, einen Ort, an dem man gut arbeiten kann, und Menschen, die Lust haben, sich darauf einzulassen.

Aber genau das macht den Reiz aus.

Denn am Ende steht da kein anonymes Catering. Da steht ein Buffet, das gemeinsam entstanden ist. Mit geschnittenen Kräutern, gerührten Cremes, belegten Brettern, gespitzten Blütenschüsseln, kleinen Unsicherheiten, ersten Kostproben und ganz viel „Ach, das sieht ja toll aus!“.

Und dann passiert dieser schöne Moment:
Alle stehen um den Tisch, schauen, fotografieren, probieren — und für einen Augenblick ist völlig klar, dass sich der Aufwand gelohnt hat.

Nicht, weil alles perfekt war.
Sondern weil es lebendig war.


Warum ich mir das also immer wieder antue?

Weil aus Arbeit ein Erlebnis wird.
Weil aus Pflanzen Geschichten werden.
Weil aus einer Gruppe Menschen für ein paar Stunden eine Kräuterküche wird.
Und oft werden diese Menschen zu Freunden.
Und weil es diesen einen Moment gibt, in dem ich vor dem fertigen Buffet stehe und denke:

Ja. Genau dafür.

Nur einen Steinwurf vom Schiefen Turm: Pisas Garten der Heilpflanzen

Ein Besuch im Orto e Museo Botanico dell’Università di Pisa im Juni 2026

Wer nach Pisa fährt, denkt fast automatisch an den Schiefen Turm. An den Dom, das Baptisterium und dieses berühmte Ensemble, das wohl jeder einmal gesehen haben möchte. Auch bei uns stand das natürlich auf dem Programm.

Bei mir lag der eigentliche heimliche Höhepunkt aber nur einen Steinwurf entfernt: der Orto e Museo Botanico dell’Università di Pisa, der Botanische Garten der Universität Pisa. Für jemanden, der sich mit Kräutern, Heilpflanzen und der Geschichte der Pflanzenkunde beschäftigt, ist dieser Ort alles andere als eine nette Nebensache.

Der Garten gilt als der älteste botanische Garten der Welt, der zu einer Universität gehört. Gegründet wurde er 1543 – also in einer Zeit, in der Botanik, Medizin und die Lehre von den Heilpflanzen noch eng miteinander verbunden waren.

Der erste botanische Garten einer Universität

Der Botanische Garten von Pisa ist nicht einfach nur ein schöner Garten in einer alten Stadt. Er entstand auf Initiative von Luca Ghini, einem Arzt und Botaniker aus Imola.

Ghini war von Cosimo I. de’ Medici als Professor an die Universität Pisa berufen worden. Diese Aufgabe nahm er jedoch nur unter einer besonderen Bedingung an: Er wollte einen universitären „Garten der einfachen Arzneien“ anlegen dürfen. So entstand in Pisa ein Ort, an dem Pflanzen nicht nur betrachtet, sondern gelehrt, verglichen, bestimmt und medizinisch eingeordnet wurden.

Ursprünglich lag dieser Garten noch in der Nähe des Arno. Später wurde er zweimal verlegt; seit 1591 befindet er sich am heutigen Standort, nur wenige Schritte von der Piazza dei Miracoli entfernt. Man steht dort mitten in Pisa und merkt plötzlich, wie früh hier Pflanzenkunde, Medizin und Universität zusammengefunden haben.


Ein Garten der einfachen Arzneien

Der alte Begriff „einfache Arzneien“ klingt heute fast ein wenig bescheiden. Gemeint waren damit aber nicht einfache Mittel im Sinne von schlicht oder unwichtig, sondern einzelne Arzneistoffe aus der Natur: Blätter, Wurzeln, Rinden, Samen, Harze, Blüten und Früchte.

Solche Gärten wurden angelegt, damit angehende Ärzte und Apotheker die Pflanzen nicht nur aus Büchern kannten. Sie sollten sie sehen, vergleichen, anfassen, unterscheiden lernen. Denn gerade bei Heilpflanzen war und ist die sichere Kenntnis der Pflanze entscheidend. Wer Arzneipflanzen verwechselte, konnte nicht nur wirkungslos behandeln, sondern im schlimmsten Fall gefährlich werden.

Genau das macht den Botanischen Garten von Pisa so spannend. Hier wird sichtbar, wie eng Pflanzenkunde und Medizin einmal miteinander verbunden waren. Botanik war nicht zuerst eine Liebhaberei für schöne Blüten oder seltene Gehölze. Sie war ein Teil der Heilkunde. Ein lebendiges Nachschlagewerk unter freiem Himmel.


Heilpflanzen nach Körpersystemen

Besonders neugierig war ich auf den Bereich mit den Heilpflanzen. Nicht nur darauf, welche Pflanzen dort wachsen, sondern auch darauf, wie sie eingeordnet werden. Und genau das fand ich spannend: Die Pflanzen waren nicht einfach dekorativ zusammengestellt, sondern bestimmten Anwendungsgebieten zugeordnet.

Da gab es Pflanzen für das Nervensystem, für den Kreislauf, für die Verdauung und für Stoffwechsel- und Drüsenthemen. Für jemanden, der selbst Kräuterführungen macht und sich viel mit traditioneller Pflanzenkunde beschäftigt, ist das natürlich ein gefundenes Fressen.

Bei den Pflanzen für das Nervensystem tauchten zum Beispiel Schlafmohn, Bilsenkraut, Baldrian und Stechapfel auf. Eine eindrucksvolle Mischung: beruhigende, schmerzlindernde, krampflösende, aber auch stark giftige und bewusstseinsverändernde Pflanzen. Genau hier zeigt sich, wie nah Heilpflanzenkunde und Giftpflanzenkunde oft beieinanderliegen. Die Frage ist nicht nur: „Ist diese Pflanze gut oder schlecht?“ Die spannendere Frage lautet: Welche Stoffe enthält sie, wie wurden sie früher verstanden, wie wurden sie genutzt – und wo beginnt die Gefahr?

Auch beim Kreislauf wurde es interessant. Dort fand sich unter anderem der Fingerhut, eine Pflanze, die wie kaum eine andere zeigt, wie schmal der Grat zwischen Heilmittel und Gift sein kann. Digitalis gehört zu den großen Klassikern der Arzneipflanzengeschichte – schön, eindrucksvoll, hochwirksam und zugleich absolut nichts für die Hausapotheke.

Bei den Verdauungspflanzen wurde es wieder vertrauter: Wacholder, Salbei, Schafgarbe, Bitter- und Aromapflanzen. Hier fühlte ich mich sofort näher an meiner eigenen Kräuterwelt. Bitterstoffe, ätherische Öle, verdauungsfördernde und krampflösende Pflanzen – das sind Themen, die auch bei unseren heimischen Wild- und Heilpflanzen immer wieder auftauchen.


Ein anderer Blick auf Heilpflanzen

Gerade dieser Bereich hat mir noch einmal gezeigt, wie stark Pflanzenwissen auch vom Ort geprägt ist. Am Mittelmeer wachsen andere Pflanzen selbstverständlich vor der Haustür als bei uns an der Nordseeküste. Manche Arten, die in alten Kräuterbüchern eine große Rolle spielen, begegnen einem hier viel natürlicher. Andere, die für mich im Norden sehr vertraut sind, spielen dort kaum dieselbe Rolle.

Das ist für mich einer der schönsten Gedanken an solchen Reisen: Man merkt, dass Kräuterwissen nie nur aus Büchern besteht. Es wächst aus Landschaften, aus Klima, aus Küchen, aus Krankheiten, aus Handelswegen und aus den Pflanzen, die Menschen tatsächlich um sich herum hatten.

In Pisa sieht man nicht einfach „italienische Pflanzen“. Man sieht eine andere pflanzliche Selbstverständlichkeit. Andere Düfte, andere Blätter, andere Heiltraditionen. Und trotzdem erkennt man vieles wieder, weil die Grundfragen überall ähnlich bleiben: Was hilft bei Schmerzen? Was beruhigt? Was stärkt die Verdauung? Was wirkt auf Herz und Kreislauf? Was ist nützlich – und was ist gefährlich?


 Zwischen Gartenplan, Bambus und Staunen

Natürlich ist der Botanische Garten von Pisa nicht nur ein Heilpflanzengarten. Es gibt alte Bäume, exotische Gewächse, Gewächshäuser, Wasserbereiche, Schattenplätze und Ecken, in denen man einfach stehen bleibt und schaut.

Besonders eindrucksvoll fand ich den alten Gartenplan. Solche Darstellungen zeigen, dass botanische Gärten immer auch Orte der Ordnung waren. Die Pflanzen wurden nicht zufällig gesammelt. Sie wurden sortiert, benannt, verglichen und in ein System gebracht. Ein Garten wurde so zu einem Buch – nur eben mit lebenden Seiten.

Und dann steht man plötzlich zwischen Bambus, alten Mauern und mediterranen Pflanzen und muss ein wenig grinsen. Denn natürlich bin ich auch dort wieder nicht einfach nur spazieren gegangen. Ich habe gelesen, verglichen, fotografiert, überlegt und innerlich schon halbe Kräutergeschichten sortiert.

Genau solche Orte machen für mich den Reiz aus. Sie verbinden Urlaub mit Neugier. Geschichte mit Gegenwart. Wissenschaft mit Staunen. Und manchmal auch den ganz einfachen Spaß daran, in einem fremden Garten zwischen Pflanzen zu stehen und zu denken: Ja, genau deswegen bin ich hier. 

Warum mich solche Orte so berühren

Der Botanische Garten von Pisa passt für mich wunderbar in die lange Geschichte der Kräuterkunde. Er steht an einer Schwelle: Noch ist die Pflanzenkunde eng mit der Medizin verbunden, noch geht es um Arzneipflanzen und ihre Anwendung. Zugleich beginnt in der Renaissance aber auch ein neuer Blick auf Pflanzen.

Man will genauer hinschauen. Man will bestimmen, vergleichen, zeichnen, ordnen und nicht nur alte Texte abschreiben.

Das ist genau die Zeit, in der auch die großen Kräuterbücher entstehen. Brunfels, Bock, Fuchs und später Tabernaemontanus gehören in diese Welt des neuen Sehens. Pflanzen werden nicht mehr nur aus der Überlieferung heraus beschrieben. Sie werden betrachtet. Sie werden abgebildet. Sie werden gesammelt. Und in Pisa werden sie sogar in einem universitären Garten gelehrt.

Mein Fazit

Der Schiefe Turm von Pisa ist natürlich beeindruckend. Keine Frage. Aber mein heimlicher Lieblingsort lag ein paar Schritte weiter.

Der Botanische Garten der Universität Pisa ist kein lauter Ort. Er drängt sich nicht auf. Er steht eher still zwischen alten Mauern, Pflanzenbeeten, Geschichte und Gegenwart. Aber wenn man sich für Kräuter, Heilpflanzen und die Geschichte der Pflanzenkunde interessiert, dann erzählt er unglaublich viel.

Für mich war es einer dieser Orte, an denen man wieder spürt: Pflanzenkunde ist nicht nur Wissen. Sie ist Kulturgeschichte, Medizin, Reiseerfahrung und Staunen zugleich.

Und manchmal beginnt sie genau dort, wo andere schon auf dem Weg zum nächsten berühmten Fotomotiv sind.



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800 Jahre Kräutergeschichte zum Anfassen

Ein Besuch in der Officina Santa Maria Novella in Florenz, Juni 2026

Manchmal reist man weit weg und steht plötzlich mitten in dem Thema, das einen zu Hause seit Jahren begleitet.

So ging es mir in Florenz. Natürlich stehen dort unzählige berühmte Orte auf der Liste: Kirchen, Paläste, Kunst, Geschichte an jeder Ecke. Aber für mich gab es einen Ort, auf den ich mich ganz besonders gefreut hatte: die Officina Santa Maria Novella.

Oft wird sie als die älteste Apotheke Europas bezeichnet. Und genau das hatte mich neugierig gemacht. Eine Apotheke, deren Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht? Ein Ort, an dem seit über 800 Jahren mit Kräutern, Essenzen, Duftwässern, Salben und alten Rezepturen gearbeitet wird? Für jemanden wie mich, der sich seit vielen Jahren mit Wildkräutern, Heilpflanzen und Kräutergeschichte beschäftigt, klingt das nicht einfach nach Sehenswürdigkeit. Das klingt nach einer kleinen Wallfahrt.

Meine Freunde sahen das etwas entspannter. Während ich innerlich schon ziemlich aufgeregt war, genossen sie gegenüber einen Aperol Spritz. Völlig verständlich. Florenz hat schließlich genug schöne Ecken für ein gutes Getränk. Ich dagegen stand kurz darauf in der Officina – und war wirklich berührt.

Schon im Eingangsbereich empfängt einen Äskulap, der antike Gott der Heilkunst. Bevor man überhaupt die alten Schränke, Fläschchen und Duftwässer sieht, ist klar: Santa Maria Novella trägt ein pharmazeutisches Gedächtnis.

Und genau das spürt man dort an vielen Stellen.

Heilpflanze, Duft, Pflege, Salbe, Essig, Elixier, Kräuterwasser, Destillat und Arznei lagen einmal viel näher beieinander. Was wir heute in Apotheke, Drogerie, Parfümerie und Wellness aufteilen, gehörte in der alten Offizin viel stärker zusammen.

Wer sich für historische Düfte interessiert, findet dort sogar ein besonders schönes Beispiel: Acqua della Regina. Der Duft wurde im 16. Jahrhundert für Katharina von Medici geschaffen, als sie Heinrich II. von Valois heiratete, den späteren König von Frankreich.

Die Ursprünge von Santa Maria Novella liegen im damaligen Dominikanerkloster. Zuerst war es eine Apotheke der Mönche, in der mit Kräutern, Essenzen, Duftwässern, Salben und alten Rezepturen gearbeitet wurde. Im Jahr 1612 öffneten sich ihre Türen auch für die Bürger von Florenz. Aus der klösterlichen Offizin wurde nach und nach ein Ort, dessen Zubereitungen weit über die Klostermauern hinaus bekannt wurden.

Teile des ehemaligen Dominikanerklosters von Santa Maria Novella kann man heute noch besichtigen. Die Dominikaner selbst sind dort nicht verschwunden: Sie halten bis heute Gottesdienste in der Basilika. Der alte Konvent als geschlossene Klosteranlage gehört jedoch der Vergangenheit an.

In der Officina selbst ist von dieser Herkunft noch erstaunlich viel zu spüren.

Da sind die hohen Räume, die bemalten Decken, die Kronleuchter, die alten Schränke und Gefäße. Da ist diese besondere Mischung aus Apotheke, Museum, Parfümerie und fast sakralem Raum. Man steht nicht einfach in einem Laden. Man steht in einem Raum, der an eine Zeit erinnert, in der Pflanzenwissen noch nach Destille, Alkohol, Rosenwasser, Kräutergarten und Salbentopf duftete.

 Besonders berührt hat mich die Ahnengalerie an der Wand. Die Porträts zeigen die früheren Leiter der Officina, jeweils mit Namen und Amtszeit. Sie machten sichtbar, dass dieser Ort nicht nur von schönen Räumen lebt, sondern von Weitergabe: von Menschen, die Rezepturen bewahrten, Pflanzen verarbeiteten, Essenzen herstellten und die Offizin durch die Jahrhunderte führten.

Als Kräutererlebnispädagoge versuche ich sonst, Kräuterwissen für andere Menschen lebendig zu machen. Nicht nur über Fakten, sondern über Geschichten, Gerüche, Geschmack, alte Anwendungen, überraschende Zusammenhänge und kleine Aha-Momente. In Florenz war es plötzlich umgekehrt. Dort war ich selbst derjenige, der ein Kräutererlebnis hatte. 

In der Officina Santa Maria Novella wurde Kräutergeschichte für mich erlebbar: greifbar in den Räumen, riechbar in den Essenzen und am Ende sogar schmeckbar. 

Santa Maria Novella ist heute nicht mehr die alte Klosterapotheke von damals. Und doch ist sie auch nicht einfach nur eine schöne Parfümerie. Sie ist ein Ort, an dem man spüren kann, wie eng Heilpflanzen, Duft, Pflege, Kultur und Geschichte einmal miteinander verbunden waren. 

Ich habe mir ein kleines Fläschchen Magenelixier mitgenommen. Eine kleine Erinnerung an über 800 Jahre Kräutergeschichte mitten in Florenz.

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Dirk Schwerdts bei der Ernte von blühende Giersch

Giersch gegen Rheuma und Gicht?

Was Giersch wirklich kann - und was nicht

Kennt ihr das? Ihr wischt morgens entspannt durch eure Timeline – und plötzlich spült euch der Algorithmus einen Beitrag rein, bei dem der Puls kurz hochgeht. So ging es mir neulich wieder. Da wurde der gute alte Giersch doch tatsächlich als hilfreich bei Rheuma und Gicht empfohlen. Einfach so. Da musste ich selbst hier oben an der frischen Nordseeluft einmal tief durchatmen.

Solche Tipps landen heute zuhauf auf unseren Bildschirmen. Das ist von den Verfassern meistens gar nicht böse gemeint, aber genau hier beginnt das Problem: Zwischen altem Kräuterwissen, moderner Naturheilkunde, Ernährung und echter medizinischer Wirkung wird oft nicht mehr sauber unterschieden.

Und genau diese Unterscheidung ist wichtig.

Wer mich und meine Website kennt, weiß: Ich bin ein großer Freund des alten Kräuterwissens. Ich liebe historische Kräuterbücher, traditionelle Anwendungen und den Blick unserer Vorfahren auf die Pflanzenwelt. Aber dieses Wissen wird nicht besser, wenn man es unkritisch in die Gegenwart kopiert. Kräuterkunde muss lebendig bleiben – und dazu gehört auch, sie mit dem heutigen Stand von Medizin, Wissenschaft und Ernährungslehre abzugleichen.

Giersch ist dafür ein gutes Beispiel. Als Wildgemüse ist er großartig. Als pauschal empfohlenes Heilmittel gegen Rheuma und Gicht ist er es nicht.

Gierschtee bei Gicht? Da wird es dünn

Schauen wir uns zuerst die Gicht an. Gicht ist keine kleine Befindlichkeit, sondern eine handfeste Stoffwechselstörung. Dabei sammelt sich zu viel Harnsäure im Blut an. Diese Harnsäure kann auskristallisieren und dann in den Gelenken sehr schmerzhafte Entzündungen verursachen.

Wer gichtartige Beschwerden hat, gehört in kundige Behandlung: zum Heilpraktiker oder Arzt. Da gibt es nichts schönzureden.

Was aber immer wieder herumgereicht wird, ist die einfache Abkürzung: „Dann trink doch Gierschtee.“ Und genau da wird es dünn.

Gierschtee ist keine belastbare Gichttherapie. Die Kommission E hat Giersch als Heilpflanze negativ bewertet. Das heißt nicht, dass die Pflanze schlecht ist. Es heißt nur: Als Arzneipflanze ist sie für solche Anwendungen nicht überzeugend belegt; als Tee bringt sie einfach zu wenig mit.

Aus ein paar Gierschblättern in heißem Wasser wird eben keine sinnvolle Behandlung einer Stoffwechselerkrankung.

Als Wildgemüse sieht die Sache anders aus

Jetzt kommt der wichtige Unterschied: Nur weil Giersch als Heilpflanze nicht überzeugt, heißt das nicht, dass er wertlos wäre. Ganz im Gegenteil.

Giersch gehört für mich zu den besten heimischen Wildgemüsen überhaupt. Er ist regional, saisonal, leicht zu finden, kräftig im Geschmack und steckt voller grüner Pflanzenkraft. Und genau dort gehört er hin: nicht in die Arzneischublade, sondern auf den Teller.

Bei erhöhten Harnsäurewerten und auch bei Gicht ist eine kluge Ernährung ein zentraler Baustein. Es geht darum, den Körper zu entlasten und ihn in seinem normalen Bestreben zu unterstützen, überschüssige Harnsäure auszuscheiden. Und genau hier kann Giersch als kaliumreiches, vitalstoffreiches Wildgemüse sehr sinnvoll sein.

Nicht als Medikament. Nicht als Akutmittel gegen einen Gichtanfall.

Aber als regelmäßiger Bestandteil einer pflanzenbetonten, regionalen und mineralstoffreichen Ernährung? Ja. Genau da gehört er hin. Und genau da empfehle ich ihn auch klar.

Denn es macht einen großen Unterschied, ob ich drei Blätter mit heißem Wasser übergieße – oder ob ich Giersch als echtes Wildgemüse esse: im Pesto, in der Suppe, im Kräuterquark, im Omelett, als Spinatgemüse oder fein geschnitten im Salat. Erst dann kommt auch eine relevante Pflanzenmenge zusammen. Erst dann reden wir nicht mehr über Kräuterromantik in der Teetasse, sondern über Ernährung.

Und Ernährung ist bei Gicht kein Nebenthema. Sie ist ein wichtiger Teil des Gesamtbildes.

Der eigentliche Aufreger: Giersch bei Rheuma

Mein eigentlicher Aufreger war aber gar nicht die Gicht. Da kann man immerhin noch erklären, woher die alte Idee kommt: Giersch als grünes, mineralstoffreiches Wildgemüse passt grundsätzlich gut in eine harnsäurebewusste Ernährung.

Der eigentliche Aufreger war die Empfehlung bei Rheuma.

Denn da wird es nicht nur ungenau. Da wird es fachlich falsch.

„Rheuma“ ist kein einzelnes Krankheitsbild. Der Begriff umfasst weit über 100 verschiedene Erkrankungen. Das reicht von degenerativen Gelenkerkrankungen wie Arthrose bis hin zu entzündlich-rheumatischen Autoimmunerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis.

Und genau deshalb ist die pauschale Aussage „Giersch hilft bei Rheuma“ so problematisch.

Bei Arthrose sprechen wir vereinfacht gesagt von Verschleißprozessen an Gelenken, bei denen Knorpel und Gelenkstrukturen geschädigt sind. Giersch baut keinen zerstörten Knorpel wieder auf.

Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis greift das Immunsystem körpereigene Strukturen an. Das ist kein bisschen „ein bisschen Gelenkweh“, sondern eine ernstzunehmende Autoimmunerkrankung. Giersch stoppt kein fehlgeleitetes Immunsystem.

Und damit ist die Sache eindeutig und klar: Giersch ist kein Rheumamittel.

Aber es gibt doch Laboruntersuchungen?

Ja, es gibt recht aktuelle Untersuchungen, in denen Inhaltsstoffe des Gierschs im Labor betrachtet wurden. Solche Untersuchungen können interessant sein. Sie zeigen, dass eine Pflanze bestimmte Stoffe enthält und dass diese Stoffe unter Laborbedingungen bestimmte Effekte zeigen können.

Aber genau hier muss man ehrlich bleiben.

Ein Effekt im Reagenzglas ist keine Wirkung im Menschen. Eine theoretisch interessante, leichte Entzündungshemmung einzelner Inhaltsstoffe ist noch keine praktische Rheumatherapie. Und aus solchen Laborbefunden kann man nicht ableiten, dass Giersch als Tee, Tinktur oder Wildgemüse eine Arthrose oder rheumatoide Arthritis sinnvoll behandelt.

Zwischen Labor und Gelenk liegt ein weiter Weg.

Fazit: Man darf aus interessanten Laborhinweisen keine falschen Heilversprechen basteln.

Es gibt echte pflanzliche Helfer – aber Giersch gehört hier nicht dazu

Das Ärgerliche an solchen Empfehlungen ist ja: Die Pflanzenwelt hat bei Gelenkbeschwerden und entzündlichen Erkrankungen durchaus ernstzunehmende Begleiter zu bieten.

Es gibt Pflanzen, die traditionell lange verwendet wurden und bei denen auch moderne Untersuchungen deutlich mehr hergeben als beim Giersch. Je nach Thema denkt man etwa an Weidenrinde, Teufelskralle, Brennnessel, Weihrauch oder Hagebutte. Auch hier muss man natürlich genau unterscheiden: Welche Erkrankung liegt vor? Was ist das Ziel? Geht es um Schmerz, Entzündung, Beweglichkeit oder Begleitung einer Behandlung?

Aber genau das ist der Punkt: Gute Kräuterkunde unterscheidet.

Sie wirft nicht Gicht, Arthrose und Arthritis in einen Topf. Sie macht nicht aus allen Wildpflanzen Arzneimittel, nur weil es schön klingt. Und sie verwechselt nicht Tradition mit Beweis. Ich schätze und achte die traditionelle Heilpflanzenkunde. Aber wenn wir ehrlich arbeiten wollen, können wir nicht am aktuellen Wissen der Medizin vorbeiarbeiten.

Giersch muss kein Wunderkraut sein

Ich mag Giersch. Wirklich. Er ist eine dieser Pflanzen, die viele Gartenbesitzer zur Verzweiflung bringen und die gleichzeitig viel zu selten in der Küche landen. Dabei ist er aromatisch, vielseitig, robust und direkt vor unserer Haustür verfügbar.

Aber man muss ihn nicht zum Wunderkraut aufblasen.

Giersch ist großartig genug, wenn man ihn als das würdigt, was er ist: ein starkes heimisches Wildgemüse mit echtem Wert für die Ernährung. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen wieder regionaler, saisonaler und pflanzenbetonter essen möchten, sollte Giersch viel öfter auf dem Teller landen.

Verlässliche Kräuterkunde lebt von Begeisterung, aber auch von Genauigkeit. Von Tradition, aber auch von heutigem Wissen. Von Freude an Pflanzen, aber auch von Verantwortung.

Und genau darum geht es mir bei Dirks Kräuterevents: um Pflanzenwissen mit Bodenhaftung. Mit Spaß, mit Tiefgang und mit einer klaren Haltung.

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Hinterm Deich blüht dir was: Warum das Nordsee-Binnenland das wahre Kräuterparadies ist

junger Baldrian an der Wurster Norseeküste

Wer seinen Urlaub in Cuxhaven, in Döse, am Strand von Duhnen oder an der Wurster Nordseeküste verbringt, denkt zuerst an Watt, Wellen, Hafen, Deich und frische Nordseeluft.

Und genau das ist auch richtig so.

Aber nur ein kleines Stück hinter der Küste beginnt eine zweite Welt: grüner, stiller, oft übersehen – und für mich eines der spannendsten Kräuterreviere überhaupt. Zwischen Marsch, Geest, alten Wegen, Gräben, Wiesen und Deichen wachsen Wildpflanzen, die Wind, Wetter, Salzluft und rauen Wechseln trotzen müssen.

Hier draußen stehen keine zarten Gewächshauspflänzchen.

Hier wachsen Kräuter mit Charakter.

Und genau dorthin nehme ich dich bei meinen Kräuterwanderungen mit: nicht direkt in die empfindlichen Salzwiesen an der Wasserkante, sondern ins artenreiche Nordsee-Binnenland hinterm Deich – dorthin, wo wir schauen, riechen, erzählen, probieren und die Region einmal ganz anders kennenlernen können.

Schauen ja, kauen nein: Warum wir die Küstenpflanzen in Ruhe lassen

Direkt an der Küstenlinie und in den Salzwiesen wachsen faszinierende Spezialisten. Löffelkraut, Strandwegerich und andere salzliebende Pflanzen sind echte Überlebenskünstler. Sie halten Wind, Salz, Überflutung, Trockenheit und extreme Standortbedingungen aus.

Spannend anzusehen? Absolut.

Kulinarisch nutzbar? Auf meinen Touren nicht – und das hat einen verdammt guten Grund.

Viele dieser Lebensräume sind geschützt, empfindlich und ökologisch wertvoll. Aber selbst dort, wo vielleicht einmal kein Schild steht, gilt für mich ein klares Tabu: Diese extrem spezialisierten Pflanzen besiedeln oft kleine, empfindliche Lebensräume. Sie zu ernten, würde das sensible Gleichgewicht stören.

Wahre Kräuterliebe zeigt sich nicht darin, alles mitzunehmen, was interessant aussieht. Wahre Kräuterliebe zeigt sich zuerst im Beschützen.

Deshalb gilt an der Wattkante: Augen auf, Hände weg.

Das wahre Kräuterabenteuer wartet im grünen Hinterland

Wo wandern, schnuppern und verkosten wir denn nun?

Ganz einfach: Wir machen einen kleinen Ausflug weg vom Strandtrubel, drehen dem Wind für einen Moment den Rücken zu und gehen ins wunderschöne, artenreiche Nordsee-Binnenland direkt hinterm Deich.

Ob du in Cuxhaven, Duhnen, Döse, Dorum-Neufeld, Spieka-Neufeld, Wremen oder irgendwo an der Wurster Nordseeküste Urlaub machst: Das grüne Hinterland liegt näher, als viele denken.

Hier beginnt eine Landschaft, die man beim Vorbeifahren leicht unterschätzt. Gräben, Wiesen, Wegränder, alte Hofstellen, Deichwege, Marsch und Geest erzählen ihre ganz eigene Geschichte. Und wer genauer hinschaut, merkt schnell: Hier wächst nicht einfach nur „Grünzeug“.

Hier wächst ein Stück Küstenleben.

Kräuter mit Charakter: Was der Wind mit den Pflanzen macht

Und hier kommt ein faszinierendes Naturgesetz ins Spiel, das wir Küstenbewohner eigentlich schon immer wussten, das die Wissenschaft aber Hormesis nennt.

Das Prinzip ist simpel: Ein bisschen Stress schadet nicht unbedingt – manchmal er macht uns "Küstengewächse" sogar verdammt hart im Nehmen.

Unsere Kräuter im Binnenland sind permanentem Küstenwind, salziger Luft, intensiver Sonne, wechselnden Böden und rauen Wetterumschwüngen ausgesetzt. Sie können nicht einfach weglaufen, sich eine Jacke anziehen oder sich drinnen auf die Heizung setzen.

Also müssen sie sich wehren.

Sie fahren ihre eigene biologische Chemiefabrik hoch und bilden eine ganze Palette sekundärer Pflanzenstoffe, ätherischer Öle, Gerb- und Bitterstoffe. Für die Pflanze ist das Schutz, Abwehr, Anpassung und Überlebensstrategie.

Genau diese stressbedingten Abwehrstoffe sind es, die unseren Wildkräutern ihre besondere Kraft, ihre traditionelle heilkundliche Bedeutung und ihren unverwechselbaren, intensiven Geschmack verleihen.

Das merkt man zum Beispiel bei der Schafgarbe. Sie wächst oft dort, wo es trocken, mager, windig und wenig gemütlich ist. Trotzdem steht sie da mit ihren feinen Blättern, ihren festen Stängeln und ihrem würzig-herben Duft. Genau diese Mischung aus Zähigkeit, Bitterkeit und Aromatik hat sie über Jahrhunderte zu einer der geschätzten alten Heilpflanzen gemacht.

Oder der Spitzwegerich: Eine Pflanze, die an Wegen, auf Wiesen, an Rändern und in trittfesten Lebensräumen zu Hause ist. Unscheinbar? Vielleicht auf den ersten Blick. Aber wer einmal genauer hinschaut, entdeckt eine erstaunlich robuste Pflanze, die sich behauptet, wo andere längst aufgegeben hätten. Kein Wunder, dass sie in der Volksheilkunde so lange eine wichtige Rolle gespielt hat.

Auch Gundermann, Brennnessel oder Beifuß erzählen solche Geschichten. Sie wirken nicht edel, exotisch oder besonders vornehm. Sie stehen einfach da. Am Weg, am Zaun, am Graben, am alten Hof, manchmal mitten im vermeintlichen Durcheinander. Und genau dort zeigen sie ihre Kraft.

Unser raues Klima macht sie zu besonders starken Pflanzen mit echtem Küstencharakter.

Die sind eben besonders hart gewachsen – genau wie die Menschen, die hier leben.

Zwischen Marsch und Geest: Die Kräuterwelt hinterm Deich

In den Marsch- und Geestlandschaften hinterm Deich finden wir sie alle:

Die wettergegerbten Wildkräuter, die jedem Sturm trotzen.

Die alten Heilpflanzen, über deren Kraft schon die Kräuterkundigen vergangener Jahrhunderte in ihren Büchern staunten.

Und die aromatischen Zutaten, die auch deiner Küche zu Hause eine ganz neue Richtung geben können.

Hier geht es nicht um exotische Superfoods, die einmal um die halbe Welt reisen müssen. Hier geht es um die wilden Schätze direkt vor unserer Haustür.

Um Giersch, Gundermann, Schafgarbe, Spitzwegerich, Brennnessel, Holunder, Mädesüß, Beifuß und viele andere Pflanzen, an denen die meisten achtlos vorbeigehen.

Auf meinen Touren schauen wir uns diese Pflanzen nicht nur an. Wir sprechen über ihre Geschichten, ihre alten Anwendungen, ihre Rolle in der Volksheilkunde, ihren Geschmack und ihre Bedeutung für Küche, Hausapotheke, Natur und Landschaft.

Und manchmal merkt man dabei: Die spannendsten Pflanzen stehen nicht am anderen Ende der Welt.

Sie stehen direkt hinterm Deich.

Dein Kräuterurlaub im Cuxland

Wenn du also als Urlauber in Cuxhaven-Duhnen, Döse, Dorum-Neufeld, Spieka-Neufeld oder an der Wurster Nordseeküste wissen willst, wie unsere Region wirklich schmeckt, dann komm mit mir ins grüne Hinterland.

Wir lassen die geschützten Küstenpflanzen in Ruhe ihr Salzwasserbad genießen und stürzen uns stattdessen ins kulinarische, historische und botanische Abenteuer direkt hinter den Kulissen der Küste.

Bei Dirks Kräuterevents geht es um Wildpflanzen zum Anfassen, Riechen, Staunen und Probieren. Um alte Kräutergeschichten, praktische Küchenideen, überraschende Pflanzenbegegnungen und um einen liebevollen Blick auf das, was hier direkt vor unserer Haustür wächst.

Du kannst bei einer meiner festen Veranstaltungen mitkommen – oder dir, wenn du mit Familie oder kleiner Gruppe unterwegs bist, eine exklusive Familientour zum Wunschtermin buchen. Gerade im Urlaub ist das oft die schönste Möglichkeit, die Region einmal ganz persönlich und ohne großes Gedränge kennenzulernen.

Bist du bereit für echten Tiefgang ohne erhobenen Zeigefinger?

Dann sehen wir uns bei einer meiner nächsten Kräuterwanderungen im Cuxland – hinterm Deich, wo dir wirklich etwas blüht.

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Mädesüß und Weidenrinde für Kinder? Warum natürliche Schmerzmittel gefährlich sein können 

Man sieht es immer wieder in den sozialen Medien: Ein vermeintlicher Experte hält lächelnd ein Büschel Mädesüß in die Kamera und schwärmt: „Das perfekte, sanfte Mittel bei Erkältung und Fieber – gerade für unsere Kleinen! Reine Natur, viel besser als die böse Chemie aus der Apotheke!“ 
Klingt super, oder? 
Ist aber leider brandgefährliches Halbwissen. 
Wir schauen heute mal in die Welt der pflanzlichen Schmerzmittel und klären auf, warum die Natur eben nicht immer nur „sanft“ ist, was ein Mythos aus den USA damit zu tun hat und warum Mädesüß bei Kindern absolut nichts im Teebecher zu suchen hat. Und natürlich schauen wir auch nach möglichen Alternativen und wann diese eingesetzt werden können.
 

Zwei ungleiche Schwestern: Mädesüß und Weidenrinde im Vergleich 

Mädesüß (Filipendula ulmaria) und die Rinde der verschiedenen Weidenarten (Salix) sind die beiden großen Ur-Mütter unserer modernen Schmerztabletten. Sie verfolgen im Grunde dasselbe Ziel, nutzen dafür aber ganz unterschiedliche Strategien.


Mädesüß: Süßer Duft, starke Wirkung

Beim Mädesüß nutzen wir vor allem die Blüten und das Kraut. Hier stecken Salicylaldehyd und Methylsalicylat drin. 
Das Spannende: Methylsalicylat riecht extrem charakteristisch – süßlich, fast ein bisschen wie Kaugummi oder Zahnarztpraxis. Wenn du die Blüten zwischen den Fingern zerreibst, hast du sofort diesen intensiven Duft in der Nase. Ein Mädesüß-Tee schmeckt daher auch vergleichsweise lieblich.
 

Weidenrinde: Bittere Rinde mit Salicin 

Bei der Weide ernten wir im Frühjahr die Rinde von den jungen Zweigen. Hier finden wir kein duftendes Methylsalicylat, sondern das geruchlose Glykosid Salicin. 
Wer schon mal auf einem Stück Weidenrinde gekaut hat, weiß: Das ist kein Genuss. Weidenrinde strotzt nämlich nur so vor Gerbstoffen. Sie schmeckt extrem bitter und zieht einem im Mund sprichwörtlich alles zusammen.
 

Salicylate: Was Mädesüß, Weidenrinde und Aspirin gemeinsam haben 

Obwohl Mädesüß lieblich duftet und Weidenrinde bitter schmeckt, passiert nach dem Trinken in unserem Körper im Grunde das Gleiche: Unser Mikrobiom im Darm und unsere Leber fangen an zu arbeiten. 
Sowohl das Salicin aus der Weide als auch die Stoffe aus dem Mädesüß werden von unserem eigenen Stoffwechsel in Salicylsäure umgewandelt. Das ist der Wirkstoff, der am Ende das Fieber senkt, Entzündungen hemmt und den Schmerz nimmt – und der direkte Verwandte der synthetischen Acetylsalicylsäure, besser bekannt als ASS oder Aspirin. 
Und genau hier schließt sich der Kreis zu unseren Kindern: Völlig egal, ob der Stoff vorher nach süßem Mädesüß oder bitterer Weide geschmeckt hat – im Körper landen wir bei den Salicylaten. Und die können für den kindlichen Organismus zur echten Gefahr werden.
 

Mädesüß-Wurzel: Lasst die Schaufel im Schuppen 

In manchen Internet-Videos wird sogar behauptet, man könne für den Erkältungstee auch die Wurzel des Mädesüß ausgraben. 
Mein dringender Rat: Lasst die Schaufel im Schuppen! 
Es stimmt zwar, dass auch in der Wurzel Wirkstoffe stecken, aber sie ist gleichzeitig vollgestopft mit extrem vielen Gerbstoffen. Als Schmerz- oder Erkältungsmittel macht die Wurzel wegen dieses bitteren, zusammenziehenden Geschmacks überhaupt keinen Sinn. 
Traditionell hat man sie früher in der Volksmedizin zwar mal bei schwerem Durchfall angewendet, aber ganz ehrlich: Dafür gibt es heutzutage viel bessere Wege und andere Pflanzen, die das mit einem weitaus weniger unangenehmen Geschmack erledigen können. 
Die Wurzel bleibt also raus. 
So schonen wir die Pflanze, lassen sie in der Natur unangetastet und unsere heimische Insektenwelt kann sich im Sommer über die wunderschönen Blüten freuen!
 

Reye-Syndrom: Die unvorhersehbare Gefahr für Kinder 

Vielleicht hast du den Begriff noch nie gehört, aber jeder Kinderarzt bekommt dabei sofort Alarmstufe Rot: das Reye-Syndrom. 
Dabei handelt es sich um keine klassische Krankheit, die man sich einfängt, sondern um eine akute, lebensgefährliche Stoffwechselentgleisung, die zu schweren Gehirnschäden durch Hirnschwellung und akutem Leberversagen führen kann. 
Und jetzt kommt die fatale Kombination: Das Reye-Syndrom kann ausgelöst werden, wenn ein Kind einen ganz normalen Virusinfekt durchmacht, zum Beispiel eine echte Grippe, Windpocken oder einen Magen-Darm-Infekt, und gleichzeitig Salicylate bekommt. 
Also Aspirin. Oder eben Mädesüß. Oder Weidenrinde. 
Das Heimtückische daran: 
Kein Arzt der Welt kann das vorher einfach im Blut oder per Gentest austesten. 
Es ist eine unvorhersehbare Wechselwirkung, die die Mitochondrien – die winzigen Kraftwerke in den Zellen der kindlichen Leber – komplett lahmlegen kann.
 

Baby Aspirin: Ein Name, der in die Irre führt 

Wer schon mal in den USA im Supermarkt war, reibt sich oft die Augen: Da stehen riesige Plastikpötte mit 500 Tabletten und der Aufschrift „Baby Aspirin“. 
Da könnte man ja meinen: „Mensch, wenn die Amerikaner das ihren Babys eimerweise geben, kann es ja so wild nicht sein!“ 
Vorsicht, das ist eine historische Falle! 
Bis in die 1980er Jahre hinein war das tatsächlich für Kinder gedacht, niedrig dosiert mit 81 mg und süßem Orangengeschmack. Als die Medizin den Zusammenhang mit dem Reye-Syndrom erkannte, wurde das für Kinder sofort gestoppt. 
Warum gibt es die Riesendosen dann heute noch? 
Weil Millionen Erwachsene diese Mini-Dosis täglich als Blutverdünner zur Herzinfarkt- und Schlaganfall-Prävention nehmen. Der Name „Baby Aspirin“ ist drüben einfach nur ein steinalter Spitzname, der sich im Sprachgebrauch gehalten hat. 
Für echte Babys und Kinder ist das Zeug auch in den USA absolut tabu!
 

Ab welchem Alter sind Salicylate wieder möglich? 

Warum betrifft das eigentlich vor allem die Kleinen? 
Das Zauberwort heißt Stoffwechselreifung. 
Erst im Laufe der Pubertät reift der menschliche Stoffwechsel vollständig aus. Dann sind die Enzymsysteme stabiler und die Zellkraftwerke robuster, sodass Salicylate auch in Belastungssituationen anders verarbeitet werden können als bei kleinen Kindern. 
Deshalb gilt in der Medizin und bei uns Kräuterkundigen die eiserne Faustregel: 
Keine Salicylate für Kinder und Jugendliche unter 12, am besten sogar unter 16 Jahren! 
Und erst recht nicht während eines Infekts.
 

Gibt es pflanzliche Schmerzmittel für Kinder? 

Das heißt nun aber nicht: Bei Kindern ist Naturheilkunde grundsätzlich raus. Ich freue mich, wenn alte und erprobte Naturheilmittel weitergegeben werden. Genau dafür brenne ich ja selbst. 
Aber es macht einen riesigen Unterschied, ob ich weiß, was ich tue – oder ob ich einfach irgendeinen Kräutertipp aus dem Internet nachplappere. 
Gerade bei Kindern muss die Frage lauten: 
Welche Pflanze passt zu welchem Schmerz, zu welchem Kind und zu welcher Situation? 
Und genau hier wird es spannend. Denn aus der heimischen Natur gibt es durchaus Pflanzen, die bei Schmerzen eine Rolle spielen können. 
Die folgenden Beispiele sind deshalb keine Einladung zur Selbstbehandlung, sondern zeigen, worüber man mit einem versierten Heilpraktiker oder einem naturheilkundlich orientierten Arzt sprechen könnte.
 

Was kann Kindern bei Prellungen, blauen Flecken oder Verstauchungen helfen? 

Bei Prellungen, blauen Flecken oder Verstauchungen kann z.B. Arnika das Mittel der Wahl sein und ist eines der klassischen alten Naturheilmittel bei stumpfen Verletzungen: gestoßen, gefallen, umgeknickt, blauer Fleck. 
Wenn Anwendung, Alter und Dosierung fachkundig freigegeben sind, kann Arnika bei solchen Schmerzen ein gutes Beispiel dafür sein, wie sinnvoll Naturheilkunde sein kann. 
Nicht romantisch. Sondern passend.
 

Was kann Kindern bei Bauchschmerzen oder Krämpfen helfen? 

Bei Bauchweh, Blähungen oder leichten Krämpfen sind wir in einer ganz anderen Welt als bei Mädesüß und Weidenrinde. 
Hier geht es um Wärme, Entspannung und Pflanzen, die traditionell den Bauch beruhigen. 
Kamille ist hier ein Klassiker. Sie gehört zu den bekanntesten heimischen Heilpflanzen bei Bauchbeschwerden, Krämpfen und Blähungen. Auch Kümmel hat in diesem Bereich eine lange Tradition, gerade wenn Luft im Bauch und krampfartige Beschwerden eine Rolle spielen. 
Das sind keine spektakulären Internet-Wunder, sondern solide Hausapotheke und traditionelles Wissen, das verantwortungsvoll verwendet werden kann.
 

Was kann Kindern bei Kopfschmerzen helfen? 

Bei Spannungskopfschmerzen kann Pfefferminzöl ein Thema sein, verdünnt und äußerlich, zum Beispiel im Bereich von Stirn oder Schläfen. 
Aber: Ätherische Öle sind kraftvolle Stoffe. Gerade bei Kindern gehören sie nicht freihändig unter die Nase, nicht in die Nähe der Atemwege und nicht nach dem Motto „viel hilft viel“. 
Wenn die Anwendung fachkundig freigegeben ist, kann richtig verdünntes Pfefferminzöl bei Kopfschmerzen eine spannende pflanzliche Möglichkeit sein. Studien zeigen das Minzöl bei Spannungskopfschmerz mindestens genauso effektiv sein können wie manche Schmerzmittel.
 

Was kann Kindern bei Halsweh oder gereiztem Rachen helfen? 

Bei Halsweh und gereiztem Rachen brauchen wir nicht automatisch starke Schmerzmittel. 
Manchmal geht es darum, die Schleimhäute zu beruhigen. 
Kamille und Spitzwegerich sind Beispiele aus der traditionellen Pflanzenheilkunde die passen können. Beide kennt man aus der Hausapotheke bei gereiztem Hals, Hustenreiz oder entzündlich wirkenden Beschwerden im Mund- und Rachenraum.
 

Was kann Kindern bei Zahnschmerzen kurzfristig helfen? 

Wenn wir bei der heimischen Natur bleiben wollen, lohnt sich der Blick auf die Nelkenwurz. 
Ihre Wurzel duftet nicht zufällig nach Nelke. Sie enthält aromatische Stoffe wie z.B. das Eugenol, die an die Gewürznelke erinnern, und wurde in der Volksheilkunde auch bei Zahnweh geschätzt. 
Nach fachkundiger Freigabe könnte die Nelkenwurz aus der heimischen Natur eine kurzfristige Überbrückung darstellen.
 

Fazit: Gerade bei Kindern zählt Wissen mehr als Bauchgefühl 

Naturheilkunde und Schulmedizin sind keine Feinde – sie ergänzen sich großartig, wenn man weiß, was man tut.
Mädesüß und Weidenrinde sind wunderbare Heilpflanzen für uns Erwachsene, um z.B. eine beginnende Erkältung sanft und natürlich auszubremsen.
Aber bei Kindern greifen wir bei Fieber und Schmerzen bitte nicht einfach selbst in die Kräuterkiste. Wenn es um Kinder geht und du auf pflanzliche Heilmittel zurückgreifen möchtest, lass dich bitte von einem versierten Heilpraktiker oder einem naturheilkundlich orientierten Arzt beraten.
Ich freue mich, wenn altes Kräuterwissen lebendig bleibt und erprobte Naturheilmittel weitergegeben werden, genau dafür brenne ich ja selbst.
Aber es ist verantwortungslos, das mit Halbwissen zu tun und aktuelle Erkenntnisse einfach auszublenden. Gerade bei Kindern reicht „hat Oma früher auch gemacht“ nicht aus.

Die Natur ist wirksam – und genau deshalb müssen wir wissen, was wir tun.

Wenn du tiefer in das Thema Weide einsteigen willst, kannst du hier weiterlesen – dort habe ich eine ausführliche Tiefenbetrachtung für dich zusammengestellt.

Hier geht es zu einem Blogartikel über die Weide hier an der Küste mit einem Rezept für Widenrindentinktur.

Hier habe ich einen Blogartikel über das Mädesüß mit verschiedenen Rezepten für Küche und Arzneiküche verlinkt.

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Waldmeister richtig verwenden: Schluss mit den großen Irrtümern!

Waldmeister bei einsetzender Blüte bei Dirks Kräuterevents

Pünktlich zur Waldmeister-Saison wird wieder viel geschrieben — und leider auch viel nachgeplappert. Zeit, mit den größten Irrtümern aufzuräumen, damit eure Maibowle, euer Dessert oder euer Eis dieses Jahr wirklich nach Waldmeister schmeckt.

​Denn Waldmeister ist kein grünes Kunstprodukt aus der Flasche, sondern ein feines Frühlingskraut mit einem ganz eigenen Aroma. Wer ihn richtig behandelt, bekommt genau diesen unverwechselbaren Duft und Geschmack: frisch, weich, leicht süßlich und wunderbar nach Frühling.

​Hier kommt mein Waldmeister-Check aus der Praxis.

Dürfen die Stängelenden vom Waldmeister in die Bowle?

​Ein hartnäckiger Mythos lautet: Waldmeisterbündel müssten unbedingt kopfüber in Bowle, Sahne oder Milch gehängt werden, damit die Stängelenden nicht in die Flüssigkeit kommen. Angeblich würden sonst zu viele Bitterstoffe austreten oder zu viel Cumarin gelöst.

​Die Wahrheit: Waldmeister hat kaum Bitterstoffe - besonders dann, wenn frische, junge Triebe verwendet werden. Und das Cumarin wird nicht nur aus den Stängelenden abgegeben. Im unteren Bereich der Stängel und an den Blattknoten sitzt mehr Cumarin, aber abgegeben wird es aus der ganzen Pflanze. Nach dem Welken ist die Zellstruktur des Krauts geöffnet. Ob der Stängel komplett in der Flüssigkeit liegt oder nicht, macht für den Geschmack keinen entscheidenden Unterschied. 

​Also: Rein damit. Entscheidend sind Menge, Welkzustand und Ziehzeit — nicht die Frage, ob ein Stängelende baden geht.

Wie viel Waldmeister pro Liter ist unbedenklich?

​Ja, Waldmeister enthält Cumarin. Und ja, Cumarin sollte man nicht dauerhaft in größeren Mengen aufnehmen. Aber rund um Waldmeister geistern oft extrem vorsichtige Mengenangaben durchs Netz, bei denen am Ende kaum noch Aroma übrig bleibt.

​Die offiziellen Grenzwerte sind für eine tägliche, langfristige Aufnahme berechnet. Trotzdem gilt natürlich: Cumarin ist kein Stoff für maßlosen Dauergebrauch.

​Meine Empfehlung aus der Praxis: Wenn du dir im Frühjahr ein- oder zweimal Waldmeister in die Küche holst, darf es ruhig etwas mehr sein. Für ein kräftiges Aroma nehme ich pro Liter Bowle einen schönen Bund Waldmeister. Das entspricht meiner Erfahrung nach etwa 25 jungen Stängeln und — im angewelkten Zustand — meist unter 8 g.

​ Für gesunde Erwachsene ist dieser gelegentliche Frühlingsgenuss bei einer Dosierung von etwa 8 Gramm pro Liter — also einem schönen Bund — völlig unproblematisch. Waldmeister ist ein saisonales Aroma für ein paar besondere Momente im Mai, kein tägliches Lebensmittel für den Dauergebrauch. Wer ihn so verwendet und die Ziehzeit über den Geschmack steuert, kann ihn entspannt genießen. 

​Bei Bowle nach 30 Minuten probieren, nach 60 Minuten noch einmal. Sobald sie kräftig genug schmeckt, nimmst du den Waldmeister heraus — länger ziehen zu lassen lohnt sich in der Regel nicht.

​Bei Sahne oder Milch für Waldmeistereis funktioniert das genauso: ziehen lassen, probieren, rechtzeitig herausnehmen.

Warum riecht frischer Waldmeister nach nichts?

​Frisch gepflückt duftet Waldmeister nach fast nichts. Das überrascht viele, ist aber völlig normal. Das typische Aroma entsteht erst, wenn die Pflanze welkt.

​Der beste Weg: Lass den Waldmeister mindestens 8 Stunden welken, am besten über Nacht. Dann entwickelt sich das typische Waldmeisteraroma deutlich stärker.

​Der schnelle Weg: Wenn der Besuch schon in zwei Stunden kommt, lege den Waldmeister für ein paar Minuten in die Tiefkühltruhe. Der Kälteschock bricht die Zellstruktur auf, und das Aroma wird schneller verfügbar. Danach kommt der Waldmeister in die Flüssigkeit. Beim Kaltauszug nach 30 bis 60 Minuten probieren — ihr werdet staunen, wie viel Aroma sich entwickeln kann.

Warum ist echte Waldmeisterbowle nicht grün?

​Die Wahrheit: Waldmeister gibt beim Ausziehen keine Farbe ab. Wer Natur pur will, bekommt feines Aroma — aber keine knallgrüne Farbe.

​Ich nehme frischen Waldmeister, weil ich die natürliche Variante möchte. Dieses künstliche Grün hat mit echtem Waldmeister nichts zu tun — das ist eine Erfindung der Lebensmittelindustrie.

​Eine echte Waldmeisterbowle, Waldmeistersahne oder ein natürliches Waldmeistereis dürfen hell bleiben. Das Aroma ist entscheidend, nicht die Farbe.

Ist Waldmeister giftig, wenn er blüht?

​Auch das ist ein Mythos. Waldmeister wird mit Beginn der Blüte nicht plötzlich giftig.

​Richtig ist: Der Cumarin-Gehalt kann ansteigen, und deshalb erntet man Waldmeister kulinarisch am liebsten vor oder zu Beginn der Blüte. Dann ist das Aroma besonders fein. Später wird die Pflanze eher strohig und weniger elegant im Geschmack — aber nicht automatisch gefährlich.

​Wenn der Waldmeister gerade zu blühen beginnt, ist das Aroma oft besonders intensiv. Dann kannst du die Ziehzeit etwas reduzieren und einfach früher probieren.


Noch ein Tipp für die Optik:

​Serviere deine Maibowle, dein Dessert oder dein Eis naturrein ohne Farbzusatz und setze als Krönung einen frischen Blattquirl mit Blütenstand obenauf. Das sieht wunderschön aus — fast wie kleine Sternensplitter, die laut einer alten Legende um die Walpurgisnacht vom Himmel in den Wald gefallen sind. Das sieht besser aus als grüne Farbe die hinzugegeben wird. 

​Ehrliches Handwerk schmeckt man einfach.

​ In diesem Sinne: Genießt den Frühling echt und unverfälscht. Und wenn du magst, komm mit mir auf eine meiner Kräuterwanderungen. Die Termine findest du hier auf der Webseite.

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​Die historische Spur des Bärlauchs: Von der Antike bis in die Renaissance

​Der Bärlauch (Allium ursinum) gehört heute zu den unangefochtenen Stars der heimischen Frühlingsküche und ist bei Pflanzenfreunden äußerst beliebt. Kürzlich bin ich meine historische Bibliothek durchgegangen – von den frühen Editionen des Dioskurides und dem Hortus Sanitatis bis hin zu den prächtigen Werken von Fuchs, Brunfels, Bock und dem Matthiolus von 1626 –, um die literarische und botanische Spur dieser faszinierenden Wildpflanze durch die Jahrhunderte zu verfolgen. Der vertiefte Blick in die alten Werke zeigt ein erstaunliches Bild: Kräuterkundige vergangener Zeiten hatten ein gänzlich anderes, oftmals sehr kritisches Verhältnis zu unserem heutigen Frühlingsliebling. Eine Betrachtung der historischen Entwicklung über fast 2000 Jahre hinweg.

​Die Antike: Kaum greifbar in der Literatur

​In der klassischen medizinisch-botanischen Literatur der Antike ist der Bärlauch ein kaum präsentes Gewächs. Tatsächlich findet sich, da herrscht großer Konsens, in Dioskurides' wegweisendem Grundlagenwerk De materia medica (in späteren Übersetzungen oft schlicht als Kreutterbuch verlegt, wie beispielsweise in der beeindruckenden Ausgabe von 1610) kein Bärlauch. Was fälschlicherweise bei ihm für Bärlauch gehalten wurde, ist mittlerweile anderweitig verortet. Wie historische Quellen festhalten, bildet Dioskurides den wilden Knoblauch nicht ab.

​Nur bei Plinius dem Älteren in seiner monumentalen Enzyklopädie Naturalis historia wird er tatsächlich kurz erwähnt. Plinius spricht von einem Lauchgewächs, das milderen Geruchs sei, ein zartes Köpfchen und große Blätter habe und Ursinum genannt werde. Da Plinius sich längere Zeit im Gebiet des heutigen Deutschland aufhielt, liegt der Gedanke nahe, dass er hier mit dem Bärlauch in Kontakt gekommen ist.

​Das späte Mittelalter: Ein blinder Fleck

​Dieser Mangel an literarischer Würdigung setzte sich auch im ausgehenden Mittelalter fort. Im Inkunabeldruck Hortus Sanitatis Germanice (1485), einem der ersten in deutscher Sprache gedruckten Kräuterbücher, wird der Bärlauch nicht erwähnt; dort wird allein der gewöhnliche Knoblauch abgehandelt.

​Die frühe Renaissance: Erste botanische Erfassungen

​Erst im 16. Jahrhundert rückt die Pflanze langsam in den Fokus der Botaniker, wird jedoch durchweg skeptisch betrachtet. Otto Brunfels bildet in seinem Kräuterbuch von 1532 neben einer eindeutig als Bärlauch zu erkennenden Abbildung eine detaillierte Beschreibung ab. Er merkt an, dass diese ihm aus dem oberen Schweizer Gebirge gebrachte Pflanze sich in Blüten, Wurzel und Kraut dem Knoblauch vergleicht, jedoch hinsichtlich Geruch und Geschmack sogar noch viel schärfer und stärker ist. In der damaligen Eidgenossenschaft hieß die Pflanze Ramseren. Dieser volkstümliche Name leitet sich von „Gerinnsel“ ab, denn wenn man ihren Saft in die Milch gibt, rinnt diese zusammen. In jenen Ländern wird sie auch von manchen wilder Knoblauch genannt.

​Auch bei Leonhart Fuchs (1543) taucht die Pflanze auf. Allerdings erscheint der Bärlauch in seinem epochalen Werk noch nicht als eigenständiges Lemma, sondern lediglich als ‚Waldknoblauch‘ innerhalb des allgemeinen Knoblauch-Kapitels. Er wird damit in der Fachliteratur zwar kenntlich, aber noch nicht wirklich aus dem Verband der Knoblaucharten herausgelöst.

​Hieronymus Bock (1577): Ein olfaktorisches Urteil

​Besonders drastisch und meinungsstark äußert sich Hieronymus Bock in seinem Kräuterbuch von 1577. Bock behandelt die Pflanze unter dem Lemma „Waldt Knoblauch / Hunds Knoblauch / Acker Knoblauch“ und schreibt unmissverständlich, das Kraut habe einen üblen, starken Geruch und einen bösen Geschmack. Er verweist explizit auf Otto Brunfels bezüglich des Namens Ramseren im Oberland und der gerinnenden Milch. Bock identifiziert die Pflanze im gelehrten Bezugsrahmen mit Schlangenknoblauch (Allium colubrinum / anguinum) und fügt zur Wirkung hinzu, dieser stinke übel. Bock zieht die Wirkung im Übrigen stark mit dem gewöhnlichen Knoblauch zusammen.

​Einzige medizinische Aufwertung erfährt die Pflanze durch Bocks Annahme, der Same könne in der Arznei gegen Gifte vielleicht sogar wirksamer sein als der des zahmen Knoblauchs. Dennoch wird der Bärlauch bei Bock zwar mit abgebildet, jedoch nur im Verband anderer wilder Knoblaucharten mitbehandelt, die er offenkundig nicht als edle oder besonders beachtenswerte Gewächse auffasst. Die praktische Warnung an die Landwirtschaft durfte ebenfalls nicht fehlen: Wenn Weidevieh davon frisst, dann nehmen Milch, Käse und Butter den Knoblauchgeschmack so stark an, dass man sie kaum noch genießen kann.


In einem lateinischen Vers macht Bock aus seiner Abneigung keinen Hehl und fragt rhetorisch, warum man nach dem faden, struppigen Lauchgewächs verlange, da es stark riecht und Kopf, Augen sowie der Lunge nicht bekommt. Wer davon isst, werde laut Bock merken, wie heftig Blase und Bauch reagieren, wenn sie ihre Last loswerden wollen.

​Pietro Andrea Mattioli (Matthiolus, 1626): Schutz vor Nebel und Gespenstern

​Einen überaus spannenden, detaillierten Einblick liefert Pietro Andrea Mattioli, bekannt als Matthiolus. In der Ausgabe seines Werkes von 1626 widmet er sich dem Allium ursinum noch einmal sehr genau und stellt ihn dem Allium anguinum an die Seite. Er liefert eine präzise botanische Beschreibung: Der Bärlauch zeichne sich durch „weisse gestirnte Blümlein“ und „weisse länglichte Wurtzeln“ aus. Auch zum idealen Standort macht er konkrete Angaben; so wachse die Pflanze bevorzugt in „lättichtem Erdtrich“ (also in schweren, lehmigen Waldböden) und meide sandige Orte vehement, selbst wenn man versuche, sie dorthin zu verpflanzen. 
Wie seine Vorgänger wiederholt auch Matthiolus die Warnung für die Weidewirtschaft: Wenn das Vieh die Pflanze frisst, nimmt die Milch sofort diesen strengen Geschmack an, sodass man sie kaum noch genießen kann.

​Besonders bemerkenswert ist bei Matthiolus jedoch die kulturhistorische und mythologische Einordnung, die den Bärlauch aus der reinen Kulinarik heraushebt. Er berichtet, dass Bauern und Hirten die verschiedenen wilden Knoblauchgewächse nutzten, wenn „böse gifftige Nebel fallen“. Vor allem aber trugen Bergleute die Pflanze bei sich, um sich vor schädlicher Luft (dem sogenannten „Bradem“ bzw. Brodem) zu schützen. In der damaligen Vorstellungswelt reichte die Kraft der Pflanze sogar bis ins Übersinnliche: Man glaubte fest daran, durch das Kraut vor Gespenstern sicher zu sein. Dieser Aberglaube brachte der Pflanze den ehrfurchtsvollen Namen „Siegwurtz“ (Siegeswurz) ein. Matthiolus selbst bewahrt sich dabei jedoch eine wissenschaftliche Skepsis und merkt in Bezug auf die Gespensterabwehr trocken an, man solle den Kreaturen (also den Pflanzen) in diesem Fall nicht zu viel zuschreiben.

​Spätere systematische Einordnungen: Eigenständigkeit mit Vorbehalt

​Bei Tabernaemontanus – in der von Bauhin überarbeiteten Ausgabe von 1731 – ist der Bärlauch mit dem Lemma ‚Waldt-Knoblauch‘ und dem gelehrten Namen Allium ursinum bereits deutlich als eigene Pflanze profiliert. Hatte er sich damit vollständig emanzipiert? Nur bedingt. Gleichwohl wird er in seiner Bewertung weiterhin stark vom allgemeinen Knoblauchdiskurs bestimmt: hervorgehoben werden vor allem sein scharfer Geruch und seine mindere Bekömmlichkeit.

​Fazit: Der Blick in die alten Kräuterbücher zeigt eindrucksvoll, dass der Bärlauch über fast zwei Jahrtausende hinweg im Schatten des kultivierten Knoblauchs stand. Er galt lange nicht als kulinarische Delikatesse, sondern bestenfalls als Abwehrzauber gegen böse Geister oder als medizinische Randnotiz mit heftigen Nebenwirkungen und durchdringendem Geruch. Ein Paradebeispiel dafür, wie stark sich die Bewertung und Nutzung von Wildpflanzen im Laufe der Kulturgeschichte wandeln kann.

​Quellenliste & Literaturnachweise

​Pedanios Dioskurides (De materia medica / Kreutterbuch, z. B. Ausgabe von 1610): Historische Zuschreibungen zum Bärlauch in antiken Schriften (mittlerweile revidiert).


​Plinius der Ältere (Naturalis historia): Erwähnungen eines Lauchgewächses unter dem Namen Ursinum.


Hortus Sanitatis Germanice (1485): Darstellung des gewöhnlichen Knoblauchs ohne Erwähnung des Bärlauchs.


​Otto Brunfels (1532): Abbildung und Beschreibung des wilden Knoblauchs (Ramseren).


Leonhart Fuchs (1543): Behandlung des Waldknoblauchs im allgemeinen Knoblauch-Kapitel.


Hieronymus Bock (1577): Beschreibungen unter dem Begriff Waldt Knoblauch / Hunds Knoblauch / Acker Knoblauch / Schlangenknoblauch.


Pietro Andrea Mattioli (Matthiolus) (1626): Detaillierte botanische Beschreibung unter Allium ursinum und kulturhistorische Notizen zur Verwendung als „Siegwurtz“ gegen böse Nebel und Gespenster.


​Tabernaemontanus (Ausgabe von 1731, bearbeitet von Caspar Bauhin): Profilierung als eigene Pflanze unter Allium ursinum (Waldt-Knoblauch).



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 Bärlauch haltbar machen – Tinktur und Fermentation in der Praxis 

 

Bärlauch haltbar zu machen bedeutet mehr, als ein paar Blätter irgendwie über die Saison zu retten. Wer sich intensiver mit dieser Pflanze beschäftigt, merkt schnell, dass sich je nach Methode ganz unterschiedliche Wege eröffnen: mal geht es stärker um Geschmack und Küche, mal um konzentrierte Auszüge, mal um eine Form der Weiterverarbeitung, bei der die Pflanze gewissermaßen in einen neuen Zustand übergeht. 


Genau deshalb stelle ich hier zwei Verfahren nebeneinander, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben und doch auf sehr unterschiedliche Weise zeigen, was im Bärlauch steckt: die Tinktur und die Fermentation. 


Die Tinktur gehört eher in den Bereich der Hausapotheke, weil sie bestimmte Inhaltsstoffe gezielt in konzentrierter Form verfügbar macht. Die Fermentation dagegen bleibt näher an der Küche, verändert die Pflanze aber so grundlegend, dass am Ende etwas Eigenständiges entsteht – milder, komplexer und oft alltagstauglicher als der frische Bärlauch selbst. 

Beide Wege haben ihre Berechtigung. Und beide sind nur dann wirklich sinnvoll, wenn man versteht, was dabei mit der Pflanze 

Bärlauchtinktur herstellen – Rezept und Anwendung im Frühjahr

Welche Zutaten braucht man für eine Bärlauchtinktur?

Für eine Bärlauchtinktur braucht es nicht viel, entscheidend ist jedoch, dass das Verhältnis stimmt und der Bärlauch möglichst frisch verarbeitet wird. Ausgangspunkt ist eine Menge von etwa 100 g frischem Bärlauch, idealerweise direkt nach der Ernte, solange die Blätter noch ihre volle Spannung haben und nicht bereits an Struktur verloren haben.

Dazu kommt ein hochprozentiger Alkohol im Bereich von etwa 70 % bis 90 % Vol., weil der hohe Wasseranteil der Pflanze den Alkohol im Verlauf des Ansatzes deutlich verdünnt. Für 100 g frischen Bärlauch benötigt man in der Praxis meist etwa 200 bis 300 ml Alkohol, je nachdem, wie fein das Pflanzenmaterial zerkleinert wurde und wie dicht es im Glas liegt.

Außerdem braucht man ein sauberes, gut verschließbares Glasgefäß sowie dunkle Flaschen zum späteren Abfüllen.

Wie wird Bärlauchtinktur angesetzt?

Die Blätter werden zunächst gründlich gewaschen, vorsichtig getrocknet und anschließend fein geschnitten oder leicht gemörsert, sodass die Zellstruktur aufgebrochen wird. In diesem Zustand bleibt der Bärlauch für etwa 15 bis 20 Minuten liegen, damit die enzymatischen Prozesse, die für die Bildung der charakteristischen Schwefelverbindungen verantwortlich sind, zunächst ablaufen können.

Erst danach wird der Alkohol hinzugegeben. Das Pflanzenmaterial wird vollständig mit Alkohol bedeckt, das Gefäß luftdicht verschlossen und an einem lichtgeschützten Ort für etwa drei bis vier Wochen stehen gelassen. Während dieser Zeit empfiehlt es sich, den Ansatz gelegentlich leicht zu bewegen, damit der Austausch zwischen Pflanze und Flüssigkeit gleichmäßig stattfinden kann.

Nach der Reifezeit wird die Tinktur durch ein feines Sieb oder Tuch abgeseiht und in dunkle Flaschen abgefüllt.

Wie wird Bärlauchtinktur traditionell verwendet?

In der naturheilkundlichen Praxis wird die Bärlauchtinktur traditionell vor allem im Frühjahr verwendet, also in einer Phase, in der sich der Organismus aus der Winterzeit heraus neu orientiert.

Typischerweise bewegt sich die Anwendung im Bereich von etwa 10 bis 20 Tropfen, ein- bis zweimal täglich, meist verdünnt in etwas Wasser.

Ich sehe das dabei weniger als starre Dosierung, sondern eher als einen bewussten Umgang mit einer konzentrierten Form der Pflanze. Die Tinktur ist kein Alltagsprodukt, sondern eine gezielte Form der Anwendung für Menschen, die den Bärlauch nicht nur als Nahrung, sondern auch in einer traditionell naturheilkundlichen Form nutzen möchten.

Wichtig ist dabei vor allem die Einordnung: Die Bärlauchtinktur gehört nicht in den Bereich der schulmedizinischen Arzneimittel, sondern in den Kontext der traditionellen naturheilkundlichen Anwendung


 Wenn du noch tiefer einsteigen möchtest, findest du hier meinen ausführlichen Bärlauch-Artikel. Und wenn du den Bärlauch nicht nur lesen, sondern mit allen Sinnen erleben willst, findest du hier mein jährliches Bärlauchevent an Ostern an der Nordsee. 

Bärlauch fermentieren – Rezept und Verwendung im Alltag

Welche Zutaten braucht man für fermentierten Bärlauch?

Für fermentierten Bärlauch braucht es keine lange Zutatenliste, entscheidend ist vielmehr die Sorgfalt bei der Vorbereitung und das richtige Verhältnis von Pflanze, Salz und Flüssigkeit. Ausgangspunkt ist eine Menge von etwa 100 g frischem Bärlauch, möglichst jung und noch vor der Blüte geerntet, da die Blätter in dieser Phase nicht nur zarter sind, sondern auch ein besonders ausgewogenes Verhältnis von Frische und Schärfe mitbringen.

Nach der Ernte wird der Bärlauch nicht gewaschen, sondern lediglich vorsichtig ausgeschüttelt oder bei Bedarf trocken abgebürstet, damit die natürlich vorkommenden Mikroorganismen auf der Blattoberfläche erhalten bleiben. Sie sind es, die später den Fermentationsprozess tragen.

Hinzu kommt Salz in einer Menge von etwa 2 % bezogen auf das Gewicht, was bei 100 g Bärlauch ungefähr 2 g Salz entspricht. Sollte beim Andrücken nicht genügend Flüssigkeit austreten, kann mit einer kleinen Menge abgekochtem und abgekühltem Salzwasser nachgeholfen werden, ebenfalls in einer Konzentration von etwa 2 %.

Außerdem braucht man ein sauberes Glasgefäß, in dem der Bärlauch vollständig unter der Flüssigkeit gehalten werden kann.

Wie wird Bärlauch fermentiert?

Die Blätter werden zunächst grob geschnitten oder leicht angedrückt, sodass die Zellstruktur aufbricht und der Pflanzensaft austreten kann. Anschließend wird der Bärlauch mit dem Salz vermischt.

Das Salz erfüllt dabei mehrere Funktionen: Es entzieht den Zellen Wasser, schafft ein Milieu, in dem unerwünschte Mikroorganismen gehemmt werden, und unterstützt gleichzeitig jene Milchsäurebakterien, die für die Fermentation verantwortlich sind.

Der gesalzene Bärlauch wird nun in ein sauberes Glasgefäß gegeben und sorgfältig nach unten gedrückt, bis möglichst viel Flüssigkeit austritt und das Pflanzenmaterial vollständig bedeckt ist. Sollte dies nicht ausreichen, kann mit etwas 2%iger Salzlake ergänzt werden.

Wichtig ist, dass der Bärlauch während der gesamten Fermentation unter der Flüssigkeit bleibt, da nur so ein sauerstoffarmes Milieu entsteht, in dem die gewünschten Prozesse sauber ablaufen können.

Das Gefäß wird verschlossen – entweder mit einem Deckel, der gelegentlich geöffnet wird, oder mit einem Fermentationsaufsatz – und bei Raumtemperatur stehen gelassen.

In den ersten Tagen beginnt die Aktivität sichtbar zu werden: kleine Gasblasen steigen auf, der Geruch verändert sich und wird milder, runder und leicht säuerlich. Nach etwa 5 bis 7 Tagen ist eine erste Phase erreicht, in der der Bärlauch bereits verwendet werden kann.

Lässt man ihn länger stehen, etwa 2 bis 3 Wochen, entwickelt sich ein deutlich komplexeres Aroma, das sich weiter vom frischen Ausgangsmaterial entfernt und eine eigene Tiefe bekommt.

Anschließend wird das Glas kühl gelagert, idealerweise im Kühlschrank, um den Prozess deutlich zu verlangsamen.

Wie verwendet man fermentierten Bärlauch in der Küche?

Fermentierter Bärlauch ist kein Ersatz für frischen Bärlauch, sondern eine eigene Zubereitungsform mit einem deutlich veränderten Profil.

Der Geschmack ist weniger scharf, dafür runder, leicht säuerlich und oft deutlich komplexer. Die typische „Spitze“ des frischen Bärlauchs tritt in den Hintergrund, während sich eine tiefere, fast schon würzige Note entwickelt.

In der Küche lässt sich fermentierter Bärlauch vielseitig einsetzen, allerdings meist nicht in großen Mengen, sondern eher als geschmacklicher Akzent.

Er eignet sich zum Beispiel:

  •  fein gehackt als Beigabe zu warmen Gerichten kurz vor dem Servieren 
  •  als Bestandteil von Dressings oder Aufstrichen 
  •  als Ergänzung zu Kartoffelgerichten oder Gemüse 
  •  oder einfach pur in kleinen Mengen, um ein Gericht geschmacklich zu vertiefen 

Dabei zeigt sich schnell, dass es weniger um die Menge geht als um die Wirkung im Gesamtbild.


 Wenn dir das noch nicht reicht, findest du hier meinen ausführlichen Bärlauch-Artikel, der deutlich tiefer in die Pflanze einsteigt. Und wenn du den Bärlauch lieber draußen als auf dem Bildschirm erleben möchtest, geht es hier zu meinem jährlichen Bärlauchevent an Ostern an der Nordsee.


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Bärlauch sicher erkennen - warum gerade Profis öfter irren 

Dirk Schwerdts als Friedhofsgärtner mit Bärlauchtopf auf einem alten Friedhof

Zum Saisonstart der Bärlauch-Check: Botanische Präzision statt „Pesto-Rausch“

​Die Bärlauchsaison ist für viele Naturfreunde der eigentliche Start in das Kräuterjahr. Der Rückblick auf das letzte Jahr zeigt: keine Todesfälle durch verwechslungen bei der Bärlauchernte, aber viele vergiftungen. Doch so verlockend das frische Grün des Allium ursinum auch ist, so tückisch sind seine giftigen Doppelgänger. Um sicher zu sammeln, reicht der berühmte „Knoblauchgeruch“ allein nicht aus – er kann sogar zur gefährlichen Falle werden.

​Der Bärlauch in der Mythologie und Geschichte

​Schon die Kräuterkundigen vergangener Zeiten, wie etwa in den Schriften des Hortus Sanitatis (1485) oder bei Adamus Lonicerus, wussten um die reinigende Kraft dieser Pflanze. Der Name „Bärlauch“ (Bären-Lauch) leitet sich vermutlich aus der germanischen Mythologie ab: Es hieß, der Bär – ein Symbol für unbändige Lebenskraft – fresse nach seinem Winterschlaf als Erstes diesen Lauch, um Blut und Magen zu reinigen. Wer ihn aß, so der Glaube, erhielt die „Bärenkraft“.

​Damit diese Kraft nicht zur Gefahr wird, ist eine exakte botanische Bestimmung unerlässlich.

​Die drei kritischen Doppelgänger im Detail

1. Die Herbstzeitlose  (Colchicum autumnale) – Die lautlose Gefahr

​Die Herbstzeitlose ist der gefährlichste Verwechslungskandidat. Ihr Wirkstoff Colchicin ist ein extrem starkes Zellgift, für das es kein Gegengift gibt.

​Der Geruchs-Irrtum: Wer im „Pesto-Rausch“ viele Blätter sammelt, hat schnell den Geruch an den Fingern. Danach riecht jedes weitere Blatt – auch das giftige – nach Knoblauch.

​Botanisches Merkmal: Während Bärlauchblätter jeweils einen einzelnen, klar definierten Blattstiel besitzen, wachsen die Blätter der Herbstzeitlose ohne Stiele direkt aus dem Boden. Sie bilden eine Art feste, tütenartige Rosette.

​Der Geschmackstest: Warnung! Die Herbstzeitlose schmeckt im Gegensatz zu vielen anderen Giftpflanzen nicht bitter, sondern recht mild. Das natürliche Warnsystem des Körpers versagt hier komplett.

2. Das Maiglöckchen (Convallaria majalis) – Die Herz-Falle

​Das Maiglöckchen enthält herzwirksame Glykoside, die bei Verzehr zu Übelkeit und Herzrhythmusstörungen führen.

​Der Unterseiten-Check: Dies ist das sicherste Unterscheidungsmerkmal. Die Blattunterseite des Bärlauchs ist matt, während die des Maiglöckchens auffällig glänzt.

​Wachstumsform: Maiglöckchen wachsen meist paarweise an einem gemeinsamen Stängel, während Bärlauchblätter immer einzeln aus dem Boden austreiben.

3. Der Aronstab (Arum maculatum) – Der tückische Beifang

​Besonders junge Blätter des Aronstabs können zwischen den Bärlauchbeständen übersehen werden wenn große Mengen schnell geerntet werden. Er enthält scharfkantige Oxalatkristalle sowie Saponine und Alkaloide.

​Das "Warnsystem" und seine Grenzen: Wer auf ein frisches Aronstabblatt beißt, spürt sofort ein Brennen, als hätte man herzhaft  in den Kaktus von der Fensterbank gebissen. 

Roh hat der Aaronstab also ein gut funktionierendes "Frühwarnsystem". 
​Die Gefahr der Hitze: Während die Oxalatkristalle durch Hitze zwar kleiner werden (das Brennen im Mund ist weniger oder garnicht spürbar), bleiben die anderen giftigen Inhaltsstoffe hitzestabil. Man verliert also das Frühwarnsystem, behält aber die Giftwirkung für Magen und Darm.

​Blattnervatur: Bärlauch hat parallel verlaufende Blattnerven, gut sichtbar ist nur der mittig laufende Hauptnerv. Der Aronstab weist eine netzartige Aderung auf.

​Dirks Goldene Regel für eine sichere Ernte

​Bärlauch sammeln ist kein Leistungssport. Wer im „Mähdrescher-Modus“ mit dem Müllsack durch den Wald rennt, spielt russisches Roulette mit dem Abendessen.

​Jedes Blatt wird einzeln angeschaut! Wer keine Zeit für den Blick auf die matte Blattunterseite oder den einzelnen Stiel hat, riskiert einen Aufenthalt in der Notaufnahme.

​Zusammenfassung für den Korb:

​Einzelprüfung: Kein Büschel-Rupfen.

​Stiel-Kontrolle: Hat jedes Blatt seinen eigenen, separaten Stiel?

​Optik: Ist die Unterseite matt (Bärlauch) oder glänzend (Maiglöckchen)?

​Aderung: Parallel (Bärlauch) oder netzartig (Aronstab)?

​Genießt die Saison mit dem nötigen Respekt vor der Natur und dem Wissen der alten Kräuterkundigen.

Wer die graue Theorie der botanischen Merkmale lieber gegen die frische Seeluft eintauschen möchte, ist herzlich zum jährlichen Bärlauch-Event in Cappel an der Wurster Nordseeküste eingeladen. Meist rund um die Osterzeit habt ihr dort die Gelegenheit, den Bärlauch unter fachkundiger Anleitung sicher zu ernten und direkt gemeinsam zu verarbeiten – ganz ohne ‚Russisches Roulette‘, dafür mit umso mehr Genuss.

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„Wie die Idee zu Such das Unkraut in Dir entstand – Gartenunkräuter neu entdecken“

Blühender Löwenzahn auf einer Wiese, Modul " Such das UnKraut in Dir"

Manchmal entstehen die besten Ideen nicht am Schreibtisch, sondern draußen in der Natur oder auf einer Kräuterwanderung. Zwischen Löwenzahn, Brennnessel und Ackerschachtelhalm kam mir der Gedanke: Warum sehen wir diese Pflanzen eigentlich nur als störendes „Unkraut“ – und nicht als Spiegel unserer eigenen Stärken?  

Die Inspiration

Viele Menschen verbinden Unkraut mit etwas Lästigem, das man schnell loswerden möchte. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt erstaunliche Eigenschaften: Ausdauer, Anpassungsfähigkeit, Schutz, Bescheidenheit. Diese Qualitäten sind nicht nur botanisch spannend, sondern auch menschlich inspirierend.  

Die prägende Anekdote

Vor einigen Jahren leitete ich eine Kräuterwanderung für ein Reformhaus als Kundenevent. Nach dem dritten Wildkraut fing ein älteres Ehepaar plötzlich laut an zu lachen. Sie sagten verblüfft: „Das sind genau die drei Pflanzen, die uns im Garten am meisten ärgern – und Sie stellen sie hier als so interessant und nützlich dar!“  
Dieser Moment hat mich tief beeindruckt. Er zeigte mir, wie sehr unsere Wahrnehmung von „Unkraut“ geprägt ist – und wie überraschend es sein kann, wenn wir die verborgenen Qualitäten dieser Pflanzen entdecken.  

Die Idee zum Eventmodul

Aus solchen Begegnungen entstand die Idee für ein nachhaltiges Mitmachformat: „Such das Unkraut in Dir“. Ein interaktives Eventmodul, das Besucher*innen spielerisch mit den häufigsten Gartenunkräutern vertraut macht – und dabei eine überraschende Verbindung zwischen Natur und Persönlichkeit schafft. 

Zum Beispiel hier zwei der Kräuter aus dem Modul:
- Ackerschachtelhalm – Symbol für Geduld und Ausdauer 
- Brennnessel – Kraft der Selbstbehauptung 

Jede Pflanze erzählt ihre eigene Geschichte – und jede kann uns etwas über uns selbst lehren.  

Warum das für Events spannend ist

Firmenfeste, Messen oder Stadtfeste leben von Mitmachaktionen, die Menschen anziehen und zum Nachdenken bringen. Mit Humor, Wissen und einem kleinen Selbsttest wird aus „Unkraut“ ein Publikumsmagnet, der Verweildauer schafft und nachhaltige Botschaften transportiert. 

So wurde aus einer verblüfften Reaktion bei einer Kräuterwanderung ein Eventmodul, das Naturerlebnis, Nachhaltigkeit und Interaktion mit den heimischen Wildkräutern verbindet.
Mehr über das Eventmodul erfährst Du hier.

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Scharbockskraut erkennen & essen: Dein Vitamin-C-Kick im Vorfrühling

Scharbockskraut bei beginnender Blüte auf einer Kräuterwanderung in Cappel


Moin liebe Kräuterfreunde!
​Während ich noch die Ruhe vor dem Frühlingsansturm genieße, bereitet sich in der Natur ein kleiner, grüner Held auf seinen großen Auftritt vor: das Scharbockskraut (Ficaria verna). Es gehört zu den ersten heimischen Wildkräutern, die uns nach dem Winter mit frischer Kraft versorgen – aber man muss den richtigen Moment und die richtige Einstellung mitbringen.

Die Spur der „Alten Meister“: Von der Feigwurz zum Superfood (1485 bis 1610)

​Wer in antiken Rollen wie dem Papyrus Ebers oder bei Dioskurides sucht, wird enttäuscht sein – das Scharbockskraut ist ein Kind des Nordens. Die echte Spur beginnt in meiner Bibliothek bei den Meilensteinen der Botanik:

  • ​Der „Gart der Gesundheit“ (1485): Hier taucht das Wissen über unsere heimische Flora erstmals gedruckt auf. Damals hieß die Pflanze noch „Chelidonia minor“ (Kleines Schöllkraut). Die optische Ähnlichkeit stand Pate bei der Namensgebung, auch wenn beide botanisch nicht verwandt sind.
  • ​Hieronymus Bock & Leonhard Fuchs (16. Jh.): Sie gaben dem Kraut seinen Platz als „Feigwartzwurtz“. Benannt wurde es nach den charakteristischen Knöllchen an den Wurzeln, die man damals nach der Signaturlehre zur Heilung nutzte.
  • ​Mein Matthiolus / Pedanius (1610): In diesem Werk fließen die Erkenntnisse zusammen. Man erkannte endlich die rettende Kraft gegen den „Scharbock“ (Skorbut).

Heilkraft gegen Skorbut: Warum das Scharbockskraut Leben rettete

​Man kann sich heute kaum noch vorstellen, wie sehnsüchtig die Menschen früher auf das Scharbockskraut gewartet haben. Nach monatlicher Ernährung mit Pökelfleisch im Winter war der Körper am Ende. Der Skorbut (Scharbock) ließ das Zahnfleisch bluten und die Kräfte schwinden. Dass dieses unscheinbare Kraut mit seinem enormen Vitamin-C-Gehalt die Rettung war, grenzte für die Menschen damals an ein Wunder.

Wann ist Scharbockskraut giftig? Rezepte von Tabernaemontanus vs. Moderne Wissenschaft

​In meinem Tabernaemontanus finden sich faszinierende Rezepte: Er empfahl die zerstoßenen Wurzeln als Pflaster gegen „Geschwulst“ und den frischen Saft zur Blutreinigung.

​Heute ist die Wissenschaft – etwa die Kommission E – vorsichtiger. Sie bestätigt zwar die historischen Anwendungen (z. B. bei Hautproblemen), warnt aber vor den Reizstoffen (Protoanemonin), die sich mit der Zeit in der Pflanze bilden. Das rabiate „Saft-Trinken“ der Renaissance haben wir heute durch eine viel sanftere, achtsamere Methode ersetzt.

​Scharbockskraut essen: Der achtsame Geschmackstest bis zur Blüte

​Da meine erste offizielle Kräutertour in diesem Jahr erst im April startet, wird das Scharbockskraut dann schon in seiner gelben Pracht blühen. Für die Küche ist es dann „über den Berg“ und nicht mehr genießbar.

​Deshalb mein Rat: Geht jetzt im Februar raus, sobald sich die grünen Polster zeigen!

​Entwickelt ein Gespür für die Pflanze. Solange sie mild, lecker und leicht säuerlich schmeckt, ist sie ein Gewinn für jeden Frühlingssalat.

  • ​Die Faustregel: Wenn im grünen Teppich die ersten gelben Blüten auftauchen – Obacht!
  • ​Der Test: Sobald es im Hals kratzig oder unangenehm wird, sagt euch die Pflanze: „Halt! Ab jetzt bin ich für die Insekten da, nicht mehr für deinen Magen.“


​Auf diese Art lernt man den Umgang mit Wildkräutern am besten: durch Vertrauen auf die eigenen Sinne. Auch wenn vereinzelt schon Blüten sichtbar werden, kann das restliche Polster oft noch mild sein – probiert es einfach achtsam aus!

​Anwendung & Wirkung: Was die Kommission E zum Scharbockskraut sagt

​Für die medizinische Einordnung des Scharbockskrauts (Ranunculus ficaria) konzentriert sich die moderne Kräuterheilkunde heute vor allem auf die Gerbstoffe. Da das Kraut heute kaum noch als Vitamin-C-Quelle pharmazeutisch relevant ist, empfiehlt die Kommission E vor allem die äußerliche Anwendung im Bereich der Schleimhäute:

  • ​Sitzbäder bei Hämorrhoiden: Die enthaltenen Gerbstoffe und Saponine wirken zusammenziehend (adstringierend) und leicht entzündungshemmend.
  • ​Spülungen bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum: Ideal, um das Gewebe zu festigen und Reizungen zu lindern.


​Wichtiger Hinweis: Die Kommission E rät von der innerlichen Anwendung größerer Mengen ab, da das Risiko von Schleimhautreizungen durch Protoanemonin (besonders bei älteren oder getrockneten Pflanzen) zu hoch ist. Bleibt also beim frischen Genuss der Blättchen in kleinen Mengen vor der Blüte!

Lust auf mehr? Hier sind die aktuellen Termine meiner Veranstaltungen, bestimmt ist was für Dich dabei!

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​Die Wegwarte als Beispiel für modernes Teamwork

blühende Wegwarte in zartem Blau, aufgenommen vom Kräuterexperten Dirk Schwerdts


Stell dir vor, du stehst an einem kargen, staubigen Wegrand. Zwischen Schutt und trockenem Gras leuchtet dir ein beinahe unwirkliches Himmelblau entgegen. Es ist die Wegwarte (Cichorium intybus). Ein sparriges Kraut das, wenn es nicht blüht, keinen zweiten Blick zu lohnen scheint. Doch für die großen Köpfe der Kräuterkunde in den vergangenen Jahrhunderten war sie eine Pflanze von allerhöchstem Rang.

​Ein Blick in die Folianten der „Alten Weisen“

​Wenn ich für meine Kräuterevents in meinen Kräuterbüchern blättere – etwa im Matthiolus oder den Werken von Bock und Brunfels – öffnet sich eine Welt voller Kuriositäten.

​Schon der Ur-Vater der Botanik, Pedanius Dioskurides, schätzte sie vor fast 2.000 Jahren und empfahl sie zur Kühlung eines „hitzigen Magens“. Doch im Laufe der Jahrhunderte wurde es noch weitaus abenteuerlicher:

  • ​Hieronymus Bock beschrieb sehr treffend die Beständigkeit der Pflanze, traute ihr aber auch zu, „verstopfte Milzen“ zu öffnen.
  • ​Leonhart Fuchs sah in ihr ein mächtiges Mittel gegen die Gelbsucht.
  • ​Das Rätsel der blauen Blüten: Die Wegwarte ist eine wahre Verwandlungskünstlerin. Ihre Blüten öffnen sich sehr früh am Morgen und schließen sich oft schon am Mittag (meist schon gegen 11 Uhr). Wer morgens ein blaues Blütenmeer sah und am Nachmittag wiederkam, fand nur noch ein sparriges, unscheinbares Kraut vor – die Blüten schienen wie von Zauberhand verschwunden. Kein Wunder, dass man sie für magisch hielt und glaubte, sie könne Türen öffnen oder unsichtbar machen.
ein Gemälde von alten Kräuterkundigen mit Buch über einer blühenden Wegwarte, historische Kräutertour von Dirk Schwerdts

​Das „Gelehrten-Kollegium“: Perspektivwechsel unter freiem Himmel

​Warum erzähle ich dir das? Weil diese alten Texte uns eines lehren: Den Wert des genauen Hinschauens. In meinen Teamveranstaltungen bei Dirks Kräuterevents kannst du mit deinen Kollegen in die Rolle eines solchen historischen Gelehrten-Kollegiums schlüpfen. Wir nehmen die Zitate der alten Meister mit hinaus in die Natur. Wenn wir die 400 Jahre alten, oft humorvollen Beschreibungen direkt neben die lebendige Pflanze halten, passiert etwas Spannendes: Das Team beginnt zu diskutieren, zu schmunzeln und die Perspektive zu wechseln.

​Und was sagt die Wissenschaft heute?

​Damit wir nicht nur in Mythen schwelgen, werfen wir am Ende unserer Zeitreise immer einen Blick auf die harten Fakten. Die Kommission E bestätigt heute ganz sachlich, was die alten Meister schon ahnten: Die Wegwarte ist reich an Bitterstoffen und unterstützt die Leber- und Gallenfunktion und schreibt das sie bei leichten Magen- und Darmbeschwerden helfen kann. Nebenwirkungen sind nicht bekannt.

Altes Kräuterbuch neben frisch gepflückter Wegwarte auf einem alten Holztisch

​Zwei einfache Tipps für deine Anwendung zu Hause:

  • ​Der sanfte Magenbitter: Die getrocknete Wurzel als Tee aufgebrüht hilft wunderbar bei Appetitlosigkeit oder einem Völlegefühl nach dem Essen.
  • Die geröstete, gemahlene Wurzel ist ja auch als Kaffee-Alternative bekannt.
  • ​Die eigenwilligen, wunderschönen Blüten eignen sich auch als tolle essbare Blütendeko mit einem ganz zarten Hauch von Bitter. Aber aufpassen, nach dem ernten machen sie schnell 'zu' - also immer frisch ernten und schnell verbrauchen.

​Dein nächstes Teamevent: Geschichte erleben

​Möchtest du mit deinem Team selbst einmal das „Gelehrten-Zepter“ schwingen und die Natur durch die Brille von Matthiolus und Dioskurides entdecken? Weit weg von PowerPoint und Excel finden wir gemeinsam heraus, welche Schätze am Wegrand auf euch warten.

Winterbrot aus Wildkräutern

Altes Pflanzenwissen, winterliche Natur und echtes Sauerteighandwerk

altes Kräuterbuch auf einem Tisch mit Lupe und Haselnusskätzchen und Haselnüssen

Der Winter gilt oft als stille Zeit in der Natur. Für viele scheint er leer, karg und kulinarisch uninteressant. Doch wer genau hinschaut – und weiß, wo –, entdeckt auch jetzt eine erstaunliche Fülle an Kraft, Geschmack und Geschichte.
Genau das durfte ich kürzlich bei einer ganz privaten Wintertour mit einem Ehepaar erleben.
Bei Dirks Kräuterevents geht es mir nicht nur darum, Pflanzen zu zeigen oder Wissen weiterzugeben. Mir ist wichtig, dass Natur erlebt, verstanden – und am Ende auch geschmeckt wird. Und so entstand an diesem Vormittag etwas ganz Besonderes: mein Winterbrot.
Dieses Brot ist nicht vollkommen neu. Doch weil ich immer mit dem arbeite, was die Natur aktuell hergibt, ist es jedes Mal anders – geprägt von der Energie, die draußen gerade spürbar ist.


Winterliche Pflanzen entdecken – mitten in der Natur

Warum gerade die kalte Jahreszeit so viel zu bieten hat

Hasel, Hainbuche & Co. als erste Frühlingsboten
Während wir gemeinsam durch die winterliche Landschaft rund um Cappel streiften, richteten wir unseren Blick auf Pflanzen, die viele Menschen kaum wahrnehmen – obwohl sie seit Jahrhunderten geschätzt werden.

Haselkätzchen – herbe Waldnoten mit Geschichte
Die Hasel zeigt sich früh im Jahr. Ihre Kätzchen gelten seit jeher als Zeichen des kommenden Frühlings. Bereits Hieronymus Bock bezeichnete sie 1577 liebevoll als „Haselzapffen“.
Für mein Winterbrot habe ich einige Kätzchen gesammelt, die noch geschlossen waren – kurz vor der Blüte –, aber bereits leicht auf Druck nachgegeben haben. Ihr Geschmack ist fein herb, etwas „grün“ und erinnert tatsächlich ein wenig an Haselnüsse.
In den Pollen finden sich reichlich Proteine, Aminosäuren, viele B-Vitamine sowie zahlreiche Mineralstoffe. Echtes Winter-Powerfood aus der heimischen Natur.

Hainbuchenknospen – wärmend und stärkend
Auch die Hainbuche wusste schon früh zu überzeugen. In der historischen Pflanzenkunde wurde ihr eine wärmende Qualität zugeschrieben – etwas, das wir gerade im Winter gut gebrauchen können.
Ihre Knospen lassen sich behutsam einsetzen und fügen sich harmonisch ins Brot ein. Der Geschmack ist sehr fein und hat meine Gäste spürbar überrascht.
Hainbuchen, oft als Heckenpflanze genutzt, erkennt man im Winter gut daran, dass sie das Laub des Vorjahres bis ins Frühjahr festhalten. Die Knospen sind ideal, wenn sie schon etwas dicker sind und leicht auf Druck nachgeben.
Mitte Januar waren wir zeitig dran – wir mussten ein wenig suchen –, aber wir sind fündig geworden.

Haselnüsse – Nahrung für Körper und Seele
Der Arzt und Botaniker Matthiolus schrieb bereits 1626 von der besonderen Bedeutung der Haselnuss als stärkende Nahrung, insbesondere für die Lunge in der kalten Jahreszeit.
Im Winterbrot sorgen Haselnüsse nicht nur für Biss, sondern auch für Tiefe und Fülle im Geschmack. Ihre Inhaltsstoffe wirken nervenstärkend, herzschützend und entzündungshemmend.
Auch Leonhard Fuchs (1543) beschreibt Haselnüsse als sehr nahrhaft, warnt jedoch davor, zu viele zu essen – sie könnten einen „schweren Bauch“ machen. Ich meine: Greift ruhig großzügig zu. Vitamine, wertvolle Fettsäuren, Mineralstoffe, Polyphenole, Antioxidantien und ein hoher Ballaststoffgehalt machen sie zu einem echten winterlichen Superfood.
Die Haselnüsse für mein Brot stammen übrigens aus meinem eigenen „Eichhörnchenlager“ – natürlich im Herbst gesammelt.

Winterbrot backen mit Knospen und Haselblüten

Vom Sammeln zum gemeinsamen Genießen

Auf der Tour haben wir noch vieles mehr entdeckt. Wer Lust hat, mit mir loszuziehen, findet meine aktuellenTermine hier oder kann sich eine exklusive Tour zum Wunschtermin buchen.
Nach der Tour wurde probiert, was wir zuvor draußen entdeckt hatten. Das frisch gebackene Winterbrot verband all diese Pflanzen zu einem Ganzen – rustikal, aromatisch und ehrlich. Wie man auf den Bildern unten erahnen kann: Es blieb kein Krümel übrig.
Dieses Brot ist Liebe – zum Sauerteig, zur Natur und zu den köstlichen Gaben, die sie uns im Januar bietet.
Funfact: Laut Hieronymus Bock sollen Hainbuchen und Haselnusskerne übrigens auch die Lust zu den ehelichen Werken fördern – ein Wissen, das man sich merken darf 😉

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Winterbrot - das Rezept zum Januar

Kräuterexperte Dirk Schwerdts beißt in eine Scheibe selbst gebackenes Winterbrot

Sauerteig

Die Grundlage (am Vorabend)

Zutaten Sauerteig

  • 150 g Roggenschrot, fein
  • 150 g Wasser (kalt)
  • 15 g Sauerteigansatz


Am Abend den Sauerteig ansetzen. Roggenschrot, Sauerteigansatz und kaltes Wasser gründlich vermischen. Zugedeckt bei Zimmertemperatur (in der Küche) über Nacht stehen lassen, etwa 12 Stunden.

Der Sauerteig sollte am nächsten Morgen gut durchgezogen und schön aufgegangen sein.

Haselkätzchen und Hainbuchenknospen in einer Glasschüssel

Wildpflanzen & Vorbereitung

Winterliche Kraft fein verarbeitet

Zutaten Wildpflanzen

  • ca. 2 gehäufte EL Haselkätzchen
  • ca. 2 gehäufte EL Hainbuchenknospen
  • ca. 1 gehäufter EL Haselnusskerne


Am nächsten Morgen die frisch gesammelten Haselkätzchen, Hainbuchenknospen und Haselnusskerne im Blitzhacker fein vermahlen.

 Hinweis. die Mengen der Blüten und Knospen können nach Geschmack etwas angepasst werden. Gegebenenfalls muss dann eventuell die Wassermenge auch etwas angepasst werden.


Winterbrot, ein frisches Sauerteigbrot mit wilden Zutaten vom Hobbybäcker Dirk Schwerdts

Hauptteig & Backen

Vom Teig zum Brot

Zutaten Hauptteig

  • 350 g Weizen- oder Dinkelmehl (hell)
  • 170 g Wasser (warm, aus der Leitung, max. 50 °C)
  • 10 g Salz


Zuerst den reifen Sauerteig mit dem warmen Wasser vermischen. Anschließend Mehl, Salz und die gemahlenen Wildpflanzen zugeben und den Teig etwa 8 Minuten in der Maschine zu einem leicht klebrigen Teig verarbeiten.

Den Teig zugedeckt 90 Minuten gehen lassen. Danach auf einer gut bemehlten Arbeitsfläche zu einem Laib formen und ins Gärkörbchen legen (Schluss nach unten).

Nochmals etwa 90 Minuten zugedeckt gehen lassen, bis der Teig deutlich aufgegangen ist.
Im vorgeheizten Backofen bei ca. 220 °C mit kräftigem Dampf zu Beginn etwa 50 Minuten fertig backen.



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Der Schneeball (Viburnum): Bittere Beere mit großer Heilkraft

Schneeballfrüchte am Baum im Winter mit Schnee auf einer Kräuterwanderung von Dirks Kräuterevents

Der Schneeball – unterschätzte Wildfrucht mit Geschichte

Wenn beim Marmeladekochen ein Duft aus der Küche aufsteigt, der an alte Socken erinnert – ähm … nee, so sollte ich diesen Artikel besser nicht anfangen, sonst liest keiner weiter.
 Denn was zunächst abschreckend klingt, ist in Wahrheit der Beginn einer Reise in die faszinierende Welt einer unserer verkanntesten Wildfrüchte.

Kalina & Kalyna – der Schneeball in Liedern und Symbolik

„Kalinka“ – mehr als nur ein Volkslied
Wer kennt es nicht, das berühmte Lied „Kalinka“? Doch kaum jemand weiß: Kalinka ist die Koseform von Kalina, dem russischen Namen für den Schneeballstrauch bzw. seine Früchte.
Während das Lied in Russland ein echter Gassenhauer ist, verweist sein Name direkt auf diese besondere Pflanze.
Tscherwona Kalyna – Nationalsymbol der Ukraine
In der Ukraine ist die „Tscherwona Kalyna“ (der rote Schneeball) ein tief verwurzeltes Nationalsymbol für Heimat, Blut und Widerstandskraft.
Selten hat eine Pflanze eine derart starke kulturelle und emotionale Bedeutung über Ländergrenzen hinweg.

Schneeballwissen aus der frühen Botanik

Leonhart Fuchs und der „Wasser-Hollunder“
Ich habe dafür ein wenig in meinem Archiv gestöbert. Der große Leonhart Fuchs schrieb 1543 in seinem „New Kreüterbuch“ über den Schneeball (den er Wasser-Hollunder nannte):
„Die frucht an jm selber ist erstlich weiß / darnach rot / glantzend / weich / wirt im herbst reiff / schmeckt aber nit wol.“
Bauchfluss, Bitterkeit und frühe Heilbeobachtungen
Recht hatte er! Roh ist der Schneeball bitter und schwach giftig.
Doch die alten Meister wie Hieronymus Bock oder Tabernaemontanus erkannten bereits seine adstringierende (zusammenziehende) Wirkung gegen den sogenannten „Bauchfluss“ – also Durchfall.

Warum Schneeball-Beeren so streng riechen

Valeriansäure und die Nähe zum Baldrian
Warum duftet die Küche beim Einkochen nach altem Käse oder Baldriantee?
Schuld ist die Valeriansäure. Sie ist eng verwandt mit den Inhaltsstoffen des Baldrians und erklärt den charakteristischen Geruch – aber auch die medizinische Wirkung.
Inhaltsstoffe und ihre Heilwirkung

  • Cramp Bark: Die Rinde des Schneeballs gilt als eines der besten krampflösenden Mittel der Naturheilkunde (daher der englische Name "Krampf Rinde") und wird traditionell gerne Muskelkrämpfen und Menstruationsbeschwerden eingesetzt  
  • Gerbstoff-Power: Die enthaltenen Tannine helfen bei Entzündungen im Darm – die „Väter der Botanik“ hatten also den richtigen Riecher.
  • Vitamin-Bombe: Mit bis zu 80 mg Vitamin C pro 100 g schlägt die Beere die meisten Zitronen.


Sind Schneeball-Beeren essbar? – Kräuter-Dirks Praxistipp

Frost und Hitze – der Schlüssel zur Genießbarkeit
Damit aus dem „schmeckt-nit-wol“ eine Delikatesse wird, braucht es zwei Dinge: Frost und Hitze.

  • Frost: Er baut einen Teil der Bitterstoffe ab (also am besten ernten, wenn es draußen klirrt).
  • Hitze: Erst durch langes Kochen zerfallen die schwach giftigen Glykoside (Viburnin).

Kurz-Rezept für Kalina-Gelee

  • Die bei Frost geernteten Beeren entsaften und dabei gleich die Steine aussieben.
  • Den Saft im Verhältnis 1 : 1 mit Gelierzucker mischen.
  • Gerne mit Apfelsaft oder Birnenmus kombinieren, um die herbe Note abzumildern.
  • Heiß abfüllen und den Wintervorrat genießen!


Fazit – Bitter, streng duftend und erstaunlich wirksam

Über den Geruch beim Kochen kann man streiten – über die Wirkung nicht.
 Der Schneeball zeigt eindrucksvoll: Die wertvollsten Schätze der Natur verbergen sich oft hinter einer bitteren Schale und einem strengen Duft.



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Kalina in der traditionellen Küche der Ukraine

Wareniki mit Kalyna – ein altes Fest- und Heilgericht

Während bei uns heute meist Gelee oder Saft aus Schneeball-Beeren gekocht wird, spielte Kalyna (Viburnum opulus) in der traditionellen Küche Osteuropas eine weit größere Rolle.
In der Ukraine stehen die bitter-säuerlichen Beeren seit Jahrhunderten für Leben, Blut, Weiblichkeit und Widerstandskraft – Bedeutungen, die sich bis heute in Liedern, Ritualen und Speisen widerspiegeln.
Ein besonders traditionelles Gericht sind Wareniki mit Kalyna-Füllung (Вареники з калиною). Diese gefüllten Teigtaschen wurden früher vor allem im Herbst und Winter zubereitet: als wärmende Mahlzeit, als Stärkung bei Erkältungen und nicht zuletzt als symbolisches Essen in schwierigen Zeiten.

Kurzfassung des traditionellen Rezepts

Grundidee:
Die Bitterkeit der Kalina wird durch Frost, Hitze und Honig gezähmt – nicht beseitigt. Genau diese leichte Bitternote galt als Teil ihrer Heilkraft.
Typische Zubereitung:

  • Kalina-Beeren nach dem Frost ernten oder einfrieren
  • kurz blanchieren und entsteinen
  • mit Honig (manchmal Apfelmus) vermengen
  • als Füllung für einfache Weizen-Teigtaschen verwenden
  • die Wareniki in Wasser garen und mit Butter und Smetana servieren


Mehr als Nahrung

Wareniki mit Kalyna sind kein „süßes Dessert“, sondern ein Beispiel dafür, wie eng in der traditionellen Pflanzenküche Ernährung, Medizin und Symbolik miteinander verwoben waren.
Die Bitterkeit der Beere galt nicht als Makel, sondern als Ausdruck von Stärke – eine Eigenschaft, die dem Schneeball bis heute anhaftet.

Hinweis für Leserinnen und Leser

Dieses Gericht ist Teil der traditionellen Küche. Wie beim Gelee gilt auch hier:
Kalina ist roh ungenießbar und erst nach Frost und Erhitzung bekömmlich.


Schneeballrinde als Krampfrinde („Cramp Bark“)


Historische Zubereitung eines Rindentees

In der traditionellen Pflanzenheilkunde Nordamerikas und Osteuropas spielte nicht nur die Frucht des Schneeballs (Viburnum opulus) eine Rolle, sondern vor allem seine Rinde.
Sie war unter dem Namen „Cramp Bark“ bekannt und wurde bei krampfartigen Beschwerden eingesetzt – etwa bei Bauchkrämpfen oder schmerzhafter Menstruation.

Verwendet wurde ausschließlich die Rinde junger, etwa fingerdicker Zweige, im zeitigen Frühjahr oder im späten Herbst gesammelt und anschließend schonend getrocknet.


Überlieferte Zubereitungsweise

Die historische Zubereitung unterschied sich deutlich von einem klassischen Kräutertee:

  • Die getrocknete Schneeballrinde wurde grob zerkleinert
  • Etwa 1 Teelöffel Rinde kam auf 250 ml kaltes Wasser
  • Der Ansatz wurde langsam erhitzt und 10–15 Minuten leicht geköchelt
  • Anschließend ließ man den Sud kurz ziehen und seihte ihn ab

Der entstehende Rindenabsud war herb, leicht bitter und wurde schluckweise getrunken.


Einordnung aus heutiger Sicht

Die Wirkung wurde den enthaltenen Gerbstoffen und valeriansäureähnlichen Verbindungen zugeschrieben, die eine krampflösende und entspannende Wirkung besitzen.
Schon früh wurde dabei betont, dass es sich um eine stark wirksame Pflanzenteile handelt, die maßvoll und gezielt verwendet wurden – nicht als alltägliches Getränk.


Hinweis

Dieser Abschnitt dient der kultur- und heilkundlichen Einordnung historischer Anwendungen.
Die Schneeballrinde gehört zu den wirksamen Pflanzenteilen und war traditionell Teil einer erfahrenen Volksmedizin.



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🌿 Natürlich entgiften & entschlacken

Wildpflanzen für deinen Neustart

blühender, gelber Löwenzahn auf einer Wiese, eine typische, heimische Wildpflanze für natürliche Entgiftungskuren

Wenn das Jahr beginnt, spüren viele von uns das Bedürfnis nach einem Reset.
 Nach den Festtagen, schwerem Essen und den dunklen Tagen meldet sich der Körper oft mit einem klaren Wunsch:

„Ich will leichter werden.“

Die Zeit des Übergangs vom Winter zum Frühling ist ideal für eine Reinigung – körperlich, geistig und seelisch. Dabei unterstützen uns nicht nur bewusste Ernährung, sondern vor allem unsere heimischen Wildpflanzen.

👉 Das Erstaunliche: Manche von ihnen sind bereits jetzt zu finden – solange keine geschlossene Schneedecke liegt.


🌱 Warum Entgiften gerade jetzt so sinnvoll ist

Unser Körper ist ein Meister der Selbstreinigung.
 Leber, Nieren, Haut und das Lymphsystem arbeiten rund um die Uhr. Doch moderne Einflüsse wie:

  • hochverarbeitete Lebensmittel
  • Bewegungsmangel im Winter
  • Stress und Reizüberflutung

können diese Systeme überfordern.

Eine gezielte Unterstützung im Spätwinter hilft dabei:

  • Stoffwechsel-Altlasten sanft auszuschwemmen
  • das Immunsystem für den Frühling zu stärken
  • mentale Trägheit („Winterschlaf-Modus“) abzuschütteln


🌿 Die 5 wichtigsten Begleiter für deinen Hausputz von innen

1️⃣ Die Brennnessel – der „Motor“ für den Stoffwechsel

Die Brennnessel ist weit mehr als ein Unkraut.
 Sie ist ein echtes Kraftpaket, u.a. reich an Eisen und Magnesium.

Wirkung:

  • starnke über 3 Wochen täglich ca. 500 ml Brennnesseltee.
    Achte darauf, über den Tag verteilt zusätzlich viel stilles Wasser zu trinken, damit die gelösten Stoffe auch wirklich ausgeleitet werden.


2️⃣ Der Löwenzahn – die Kraft der Bitterstoffe

Sobald die ersten grünen Rosetten aus dem Boden schauen, ist Erntezeit.

Wirkung:

  • Bitterstoffe (Taraxacin) stärken die Leber
  • fördern den Gallefluss
  • unterstützen die Fettverdauung

Anwendung:
Schneide die jungen Blätter fein in einen Salat oder aufs Butterbrot.
👉 Der bittere Geschmack signalisiert deinem Körper sofort:
„Verdauung anwerfen!“


ℹ️ ​​Löwenzahn im Januar: Die Kraft liegt tiefer

​Während die Blätter am Wegesrand noch klein und unscheinbar sind, ist die Wurzel jetzt ein echtes Kraftpaket. Im Winter zieht der Löwenzahn seine Wirkstoffe nach unten zurück.

​Was steckt drin?

Die Wurzel ist jetzt vollgepackt mit Bitterstoffen, die unsere Leber nach der schweren Winterkost sanft „wachküssen“. Gleichzeitig speichert sie jetzt besonders viel Inulin (einen wertvollen Ballaststoff für den Darm) der bestes Futter für dein Mikrobiom ist.

​Der Geschmackstrick:

Wer die Wurzel roh probiert, erntet vor allem Bitterkeit. Doch mein Tipp für Mutige: Grabe bei frostfreiem Boden eine Wurzel aus, putze sie gründlich und schneide sie in feine Scheiben. Wenn man sie in der Pfanne sanft anröstet, wandeln sich die Speicherstoffe um – es entstehen Röstaromen, die fast an Nüsse oder Getreide erinnern, während die Bitterstoffe im Hintergrund ihre gesunde Wirkung entfalten. Ein völlig neues Geschmackserlebnis direkt aus dem Winterschlaf der Natur für einen leckeren Aufguss. 


3️⃣ Die Schafgarbe – die „Bauchwehpflanze“ & Harmonisiererin

Gerade bei einer Ernährungsumstellung reagiert das Verdauungssystem manchmal sensibel.

Wirkung:

  • krampflösend
  • entzündungshemmend
  • bringt die Körpersäfte wieder ins Gleichgewicht

Anwendung:
Eine Schafgarben-Rollkur  ist eine echte Wohltat für die Leber.


4️⃣ Die Wegwarte – für seelische Klarheit

Die Wegwarte ist die wilde Urahnin unseres Chicorées.

Wirkung:

  • unterstützt Milz und Bauchspeicheldrüse
  • hilft besonders bei innerem Stillstand

Besonderheit:
Die Wegwarte ist die Pflanze für Menschen, die nicht nur körperlich, sondern auch emotional Ballast abwerfen möchten. Blätter, die du im Januar finden kannst (kleine Blattrosetten an Boden) sind wirklich bitter, noch deutlich mehr als vom Löwenzahn, die Wurzel kannst du auch fettfrei geröstet als kraftvollen Aufguss nutzen.


5️⃣ Das Birkenblatt – das „Lymphe-Elixier“

Birkenblätter gehören zu den sanftesten Entwässerern der Natur.

Wirkung:

  • regen die Nieren mild zur Filtration an
  • ideal bei Wassereinlagerungen
  • keine Reizung wie bei chemischen Entwässerungsmitteln

Anwendung:
Auch getrocknete Blätter vom Vorjahr eignen sich wunderbar als Tee-Basis für eine Frühlingskur. Da das Birkenlaub noch nicht da ist, kannst Du alternativ für die Lymphe aber auch nach den kleinen, hellgrünen Quirlen des Klettenlabkrauts Ausschau halten. Das Klettenlabkraut ist sogar richtig lecker, erinnert ein wenig an junge Erbsen.


💡 Praxis-Tipps für deinen Kräuter-Reset

Damit die Entschlackung gelingt, beachte diese 3 goldenen Regeln:

1. Langsam starten
Beginne mit einer Tasse Tee am Tag und steigere dich behutsam.

2. Die Mischung macht’s
Kombiniere intensive Wildkräuter (z. B. Brennnessel oder Löwenzahn) im Salat oder Smoothie mit Früchten wie Äpfeln – das erleichtert den Einstieg.

3. Bewusstes Sammeln
Sammle nur dort, wo

  • keine Hunde laufen
  • nicht gedüngt wird

👉 Bei meinen Kräuterführungen zeige ich dir genau, worauf es ankommt.


🫖 Hinweis für alle, die nicht selbst sammeln können oder möchten

Nicht jeder hat die Möglichkeit oder fühlt sich sicher dabei, Wildpflanzen selbst zu sammeln – und das ist völlig in Ordnung.

 

Wer dennoch von der Kraft der Pflanzen profitieren möchte, kann auf hochwertige Kräutertees oder Heilpflanzen-Presssäfte aus dem Fachhandel zurückgreifen.

 

Besonders empfehlenswert sind Produkte aus:

·       Reformhäusern

·       Apotheken

·       gut sortierten Naturkost- oder Kräuterfachgeschäften

 

Gerade im Fachhandel bekommst du nicht nur gute Produkte, sondern auch fachlich fundierte Beratung. Dafür gebe ich persönlich gern einmal einen Euro mehr aus – um Fachausbildung, Qualität und Geschäfte vor Ort zu unterstützen.

 

⚠️ Achtung bei Online-Angeboten:

Im Internet finden sich neben sehr guten Produkten leider auch viele minderwertige Angebote, die vor allem auf hohe Preise und große Versprechen setzen – ohne die entsprechende Qualität zu liefern.

 

Meine Empfehlung:

Achte auf transparente Herkunft, klare Inhaltsangaben und eine möglichst schonende Verarbeitung.

👉 Qualität zeigt sich nicht im Marketing, sondern in der Pflanze selbst.


💚 Fazit: Leichter werden – innen wie außen

Entgiften bedeutet nicht Verzicht, sondern Raum schaffen:
Raum für neue Energie, Klarheit und die kommende warme Jahreszeit.

Unsere heimischen Wildpflanzen sind dabei wie gute Mentoren:
 still, stark und absolut verlässlich.

Der Körper weiß, wie Heilung geht –
 die Pflanzen erinnern ihn nur daran.


🌿 Möchtest du die Kräuter live erleben?

Schau doch mal bei meinen nächsten Terminen vorbei –
wir gehen gemeinsam auf Entdeckungstour direkt vor unserer Haustür.

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​💡 Ein kurzer Sicherheits-Check bevor Du loslegst mit deiner kleinen Frühjahrskur:

​Wildkräuter sind kraftvolle Begleiter, aber keine „One-Size-Fits-All“-Lösung. Bitte beachte:
​Bei Gallensteinen: Sei vorsichtig mit starken Bitterstoffen (Löwenzahn, Wegwarte). Sie regen den Gallefluss an, was bei bestehenden Steinen Probleme verursachen kann.
​Bei Herz- oder Nierenschwäche: Wenn deine Wassereinlagerungen organische Ursachen haben, darf keine durchspülende Kur (Brennnessel, Birke) ohne ärztliche Absprache erfolgen.
Allgemein: Meine Tipps dienen der Gesundheitsförderung und ersetzen keinen Besuch beim Heilpraktiker oder Arzt. Wenn du chronisch krank bist oder Medikamente einnimmst, halte bitte kurz Rücksprache mit deinem behandelnden Therapeuten und informiere Dich zu möglichen Nebenwirkungen und Risiken, die es auch bei der Anwendung von Wildkräutern gibt.

Dirks Bärlauchevent 2026 - ein Blick in die Zukunft und ein kulinarisches Highlight aus dem Vorjahr

Kräuterwanderung, Wildkräuter kochen, Bärlauch genießen

Dichter Teppich aus frischem, grünem Bärlauch im Frühlingswald – Inspiration für das Bärlauchevent von Dirks Kräuterevents.

Das neue Jahr hat gerade erst begonnen, die Natur ruht noch, aber bei mir beginnt die Planung für das diesjährige Bärlauchbuffet. Ich sichte meine Rezepte der vergangenen Jahre und suche nach Inspirationen mit denen ich euch dieses Jahr bei der Veranstaltung überraschen kann.
​Um die Wartezeit zu überbrücken und schon mal Appetit auf die kommende Saison zu machen, habe ich heute ein ganz besonderes Schmankerl für euch. Es ist ein Rückblick auf mein Event aus dem Jahr 2025: Das Pollo Fino mit Bärlauch-Gorgonzola-Füllung.
​Dieses Rezept war im letzten Jahr der absolute Favorit meiner Gäste. Während ich im Hintergrund schon nach völlig neuen Inspirationen für unser diesjähriges Treffen suche, könnt ihr euch dieses Rezept schon mal abspeichern. Sobald die ersten grünen Spitzen aus dem Boden schauen, seid ihr bereit!
​Lest euch in Ruhe ein, besorgt euch bei Gelegenheit schon mal einen guten Gorgonzola – und dann warten wir gemeinsam auf den Startschuss der Natur.

Serviertes Pollo Fino mit Bärlauch-Gorgonzola-Füllung in kräftiger Sauce, auf einem Teller  bei Dirks Bärlauchevent

 

🌿 Pollo Fino mit Bärlauch–Gorgonzola–Füllung

Saftig geschmort, aromatisch gefüllt, mit feiner Zitronennote 


Zutaten
​4 Pollo Fino (entbeinte Hähnchenoberkeulen mit Haut)
​Salz & frisch gemahlener Pfeffer
​50 g frischer Bärlauch, sehr fein gehackt
​50 g Gorgonzola dolce (der milde, cremige)
​ca. 20 g gemahlene Mandeln
​1 EL Zitronensaft + etwas frisch geriebene Zitronenschale
​Butterschmalz und Olivenöl zum Anbraten
​1 Schalotte, fein gewürfelt
​½ Knoblauchzehe, fein gehackt (optional)
​100 ml Flüssigkeit (Hühnerbrühe oder eine Mischung aus Brühe und Weißwein)
​Optional für die Sauce: Etwas Sahne und ein extra Stückchen Gorgonzola

​Zubereitung

1. Die Füllung vorbereiten

​Den Bärlauch sehr fein hacken und mit dem Gorgonzola sowie den gemahlenen Mandeln vermengen. Zitronensaft und -schale einarbeiten und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
​Tipp: Die Masse sollte schön formbaraber nicht zu weich.

​2. Pollo Fino füllen
​In jede entbeinte Keule etwa einen gehäuften Esslöffel der Füllung geben. Die Keulen zusammenrollen und mit einem Zahnstocher sicher verschließen.

​3. Goldbraun anbraten

​Butterschmalz und Olivenöl in einer schweren Pfanne oder einem Schmortopf erhitzen. Die gefüllten Keulen rundum kräftig anbraten, bis die Haut goldbraun und knusprig ist. Kurz vor Ende der Bratzeit Schalotten und Knoblauch zugeben und glasig dünsten.

​4. schmoren
​Mit der Brühe (oder dem Wein-Mix) ablöschen. Die Hitze reduzieren, den Deckel aufsetzen und alles bei mittlerer bis niedriger Hitze ca. 25–30 Minuten langsam schmoren lassen, bis das Fleisch zart ist.

​5. Das Finish
​Nach Belieben die Sauce mit etwas Sahne und zusätzlichem Gorgonzola verfeinern und kurz einkochen lassen, bis sie die gewünschte Konsistenz erreicht hat. 

Wir haben beim Bärlauchevent 2025 beides weggelassen.  Durch ausgetretenen Saft und die Verbindung mit dem Gorgonzola und dem Mandelmehl war die Sauce mega und brauchte keine zusätzliche Behandlung.

​Du möchtest wissen, was ich mir für dieses Jahr Neues ausgedacht habe?

Dann komm am 04.04.2026 zu meinem Bärlauchevent! Alle Infos zur Veranstaltung findest du direkt hier auf der Terminseite und bei Facebook.

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​Urlaub für die Sinne: Naturerlebnis und Land-Idylle an der Wurster Nordseeküste

Kräuterexperte Dirk untersucht ein Wildkraut am See bei Cappel an der Wurster Nordseeküste

 Ein Moment der Ruhe: Wildkräuter entdecken am See bei Cappel – Naturerlebnis mit Dirks Kräuterevents an der Wurster Nordseeküste.

Wer aktuell nach Schwerdts Hofladen in Cappel, meinem Schwager Jörg Schwerdts oder „Bauer sucht Frau“ sucht, entdeckt schnell: Die Wurster Nordseeküste rund um Cappel ist mehr als nur Fernsehkulisse. Sie ist ein Ort für echte Naturerlebnisse, regionale Küche und entschleunigten Urlaub.

Mit Dirks Kräuterevents biete ich genau hier besondere Naturerfahrungen an – für alle, die die Nordsee nicht nur sehen, sondern auch schmecken, riechen und fühlen möchten.


Ein Tag wie bei „Bauer sucht Frau“ – aber ganz real

Viele kennen Jörg Schwerdts aus der 21. Staffel von „Bauer sucht Frau“. Was im Fernsehen begeistert hat, lässt sich hier vor Ort authentisch erleben: ländliche Ruhe, ehrliche Landwirtschaft und regionale Produkte.

Für deinen Aufenthalt empfehle ich einen Start mit einer geführten Kräuterwanderung an der Wurster Nordseeküste. Gemeinsam entdecken wir Wildkräuter, Heilpflanzen und essbare Blüten, die direkt vor unserer Haustür wachsen. Die Natur rund um Cappel zeigt sich dabei überraschend vielfältig – still, kraftvoll und voller kleiner Wunder.


Schwerdts Hofladen – regional, ehrlich, norddeutsch

Im Anschluss lohnt sich ein Besuch bei Schwerdts Hofladen. Hier finden Sie regionale Spezialitäten, saisonale Produkte und echte norddeutsche Qualität. Mit etwas Glück treffen Sie dort auch Jörg Schwerdts persönlich, der vielen Besuchern bereits aus dem Fernsehen bekannt ist.

Der Hofladen ist ein beliebter Treffpunkt für Urlauber und Einheimische – und ein idealer Ort, um die Region kulinarisch kennenzulernen.


Die Wurster Nordseeküste entdecken – meine persönlichen Empfehlungen

Wer seinen Aufenthalt abrunden möchte, findet rund um Cappel viele besondere Orte:

  • Der Kutterhafen in Dorum-Neufeld lädt zu einem Spaziergang direkt an der Nordsee ein – mit frischer Seeluft, Krabbenkuttern und weitem Blick über das Watt.
  • 🌊 Der „Kleine Preuße“ in Wremen ist ein bekannter Leuchtturm am Kutterhafen, direkt am Deich gelegen. Ein charmanter Ort, perfekt für einen kurzen Stopp mit echtem Nordseefeeling und Blick auf das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer.
  •  Wenn Du Glück hast, bekommst Du in Wremen noch einen Tisch im Restaurant „Zur Börse“ und kannst regionale Spezialitäten wie Röhrkohl probieren  - eine echte norddeutsche Besonderheit.
  • 🎶 Die St.-Peter-und-Paul-Kirche in Cappel beherbergt eine der berühmtesten historischen Orgeln Norddeutschlands: die Arp-Schnitger-Orgel. Ein Besuch lohnt sich nicht nur für Musikliebhaber – dieser Ort strahlt eine ganz besondere Ruhe aus.


Diese Ausflugsziele lassen sich wunderbar mit einem Kräuterevent oder einem Besuch beim Hofladen Schwerdts verbinden.


Übernachten & Entschleunigen bei Schwerdts

Wer länger bleiben möchte, findet in den Ferienhäusern von Jörg Schwerdts eine gemütliche Unterkunft mitten im Grünen. Die beiden Ferienhäuser liegen idyllisch an einem kleinen privaten See und sind in der Regel monatelang im Voraus ausgebucht – hier gilt also tatsächlich: Der frühe Vogel fängt den Wurm.

Die Kombination aus Natur, regionaler Landwirtschaft, einem Besuch im Hofladen und einer Kräuterwanderung macht den Aufenthalt zu einem echten Erlebnis – fernab vom Massentourismus.

Auch bei längeren Aufenthalten bestens gelegen 

Wer etwas länger an der Wurster Nordseeküste bleibt, profitiert von der guten Lage zwischen Bremerhaven und Cuxhaven. Beide Städte sind von Cappel aus gut erreichbar und bieten zahlreiche Ausflugsziele für jedes Wetter – von Museen und Hafenwelten über Einkaufsmöglichkeiten bis hin zu maritimen Erlebnissen an der Nordsee. Und hier verrate ich warum auch eine Kräuterwanderung bei echt norddeutschem Wetter ein tolles Erlebnis sein kann.

So lässt sich ein naturverbundener Aufenthalt mit abwechslungsreichen Tagesausflügen ideal verbinden. 

Kräuterevents an der Nordsee – Ihr besonderes Urlaubserlebnis

Meine Kräuterevents richten sich an:

  • Urlauber an der Wurster Nordseeküste
  • Gäste der Ferienhäuser Schwerdts
  • Familien, Paare und kleine Gruppen
  • Fans von Bauer sucht Frau, die das echte Landleben erleben möchten

👉 Aktuelle Termine und weitere Informationen findest du hier.


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Gemeiner Beifuß (Artemisia vulgaris) in der Natur – Heilkraut für die Verdauung nach fettigem Essen

​Gans zu fett? Wein zu viel? Beifuß rettet Deine Feiertage!

​Hand aufs Herz: Wer hat „zwischen den Jahren“ nicht ein bisschen zu tief in den Bräter oder ins Glas geschaut? Wenn der Hosenbund spannt und das „Food-Koma“ gnadenlos zuschlägt, ist die gute Laune schnell dahin.

​Aber keine Sorge: Die Natur hat vorgesorgt, auch dafür ist ein Kraut gewachsen – und es wartet vielleicht sogar schon in Deinem Küchenschrank auf seinen Einsatz.

​Der Held der Stunde: Gemeiner Beifuß (Artemisia vulgaris)

​In Frankreich verehrt man ihn als „Herbe aux cent goûts“ (Kraut der hundert Geschmäcker). Bei uns im Norden kennen wir ihn eher als den treuen Begleiter des Gänsebratens. Das hat einen guten Grund: Beifuß ist das ultimative Verdauungskraut.

​Er macht schwere, fettige Speisen nicht nur aromatischer, sondern vor allem bekömmlicher. Doch der Beifuß kann noch viel mehr, als nur die Weihnachtsgans zu würzen. Er ist Dein Retter, wenn der Magen rebelliert oder der Kopf nach der Silvesternacht schwer wie Blei ist.

​Bloß nicht im Schrank verstauben lassen!

​Bevor die angebrochene Packung Beifuß jetzt für ein ganzes Jahr im Gewürzregal verschwindet (und dort alt und grau wird), gönn Dir lieber eine kleine „Aufräum-Kur“. Frischer Beifuß für die nächste Gans schmeckt nächstes Jahr sowieso besser – also nutzen wir die Kraft der Bitterstoffe genau jetzt, wenn wir sie am dringendsten brauchen!

​Dirks Schnelle Hilfe: Der Beifuß-Tee

​Wenn Galle und Leber nach Hilfe rufen, ist dieser Tee Dein bester Freund.

So geht’s:

  • Dosierung: 1 TL getrockneten Beifuß in eine Tasse geben.
  • Aufgießen: Mit heißem Wasser übergießen.
  • Geduld: 5 Minuten ziehen lassen, dann abseihen.

Dirks Tipp: Ja, er schmeckt bitter. Aber genau das ist der Clou! Diese Bitterstoffe kurbeln Deine Verdauungsorgane so richtig an. Wer es gar nicht ohne Süße aushält, darf einen Klecks Honig dazugeben – aber denk dran: Je bitterer, desto fitter!


​Alter Rat ist guter Rat: Hilfe für den gereizten Magen

​Manchmal reicht ein Tee allein nicht aus, wenn das Festessen richtig Spuren hinterlassen hat. Wenn der Magen grummelt und zwickt, habe ich zwei bewährte Hausmittel für Dich:

​1. Die Rollkur

​Diese Methode beruhigt die Schleimhäute nachhaltig – entweder mit Kamillentee oder mit einem einfachen Leinsamenschleim.

👉 [Hier geht es direkt zur Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Rollkur]

​2. Der sanfte Magen-Schmeichler: Haferschleim

​Auch ein Teller Haferschleim (neudeutsch: Porridge) wirkt Wunder. Er legt sich wie ein Schutzfilm über die Magenwand.

  • Zubereitung: Feine Haferflocken mit etwas kochendem Wasser übergießen, 5 Minuten quellen lassen und dann lauwarm und ganz langsam essen.


​Genießt die restliche Zeit der Rauhnächte und kommt gut und gesund ins neue Jahr!

Und vielleicht sehen wir uns ja mal bei eine meiner Kräuterwanderungen.

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​Die Rollkur: Sanfte Hilfe für den Magen 

Wichtiger Hinweis: Bei starken, langanhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an heilkundliche Fachkräfte

​Wann hilft eine Rollkur? 

​Die Rollkur ist ein bewährtes Hausmittel bei Sodbrennen, allgemeinen Magenbeschwerden und leichter Magenschleimhautentzündung. 

Anwendungstipp: Führen Sie die Kur am besten auf nüchternen Magen durch – idealerweise morgens direkt nach dem Aufstehen oder wenn die letzte Mahlzeit mindestens 3 Stunden zurückliegt. 

​Schritt-für-Schritt-Anleitung 

  1. Vorbereiten & Trinken: Trinken Sie den warmen Aufguss langsam in kleinen Schlucken.
  2. Rückenlage: Legen Sie sich für 5 bis 10 Minuten auf den Rücken.
  3. Linke Seite: Drehen Sie sich auf die linke Seite (5 bis 10 Minuten).
  4. Bauchlage: Rollen Sie sich auf den Bauch (5 bis 10 Minuten).
  5. Rechte Seite: Verweilen Sie zum Abschluss auf der rechten Seite (5 bis 10 Minuten).

Tipp: Trinken Sie nach Bedarf vor jeder Drehung noch einmal 2–3 Schlucke des Aufgusses, um die Magenwände erneut zu benetzen. 

​Zutaten in Arzneiqualität 

​Verwenden Sie Kräuter aus der Reformhaus oder dem Fachhandel, um einen hohen Wirkstoffgehalt sicherzustellen: 

  • Leinsamen: Die enthaltenen Schleimstoffe bilden einen schützenden Film auf der Magenwand.
  • Kamille: Wirkt beruhigend und entzündungshemmend.
  • Süßholz: Unterstützt die Regeneration der Schleimhäute. (nicht bei hohem Blutdruck verwenden!)

​Zubereitung: Leinsamenschleim 

  1. 1 gehäuften Esslöffel Leinsamen mit 250 ml Wasser zum Köcheln bringen.
  2. ​Bei schwacher Hitze ca. 15–30 Minuten sanft köcheln lassen, bis die Konsistenz schleimig wird.
  3. ​Den Sud durch ein Sieb abgießen und lauwarm trinken.

Dauer der Anwendung: Führen Sie die Kur nach dem Abklingen der Symptome am besten noch ca. 7 Tage lang fort.


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Wildkräuter am Nordseedeich - Naturerlebnis und Entschleunigung bei Dirks Kräuterblog

Kräuterwanderung an der Nordsee - Natur erleben im Urlaub mit allen Sinnen

Ein Urlaub an der Nordsee bedeutet für viele Menschen Erholung, frische Luft und weite Landschaften. Doch abseits von Strandspaziergängen und Wattwanderungen gibt es eine besondere Möglichkeit, die Region hinter dem Deich intensiver kennenzulernen: eine Kräuterwanderung im Nordseeurlaub.

Geführte Natur- und Kräuterwanderungen verbinden Wissen, Entschleunigung und genussvolle Momente. Sie eröffnen einen neuen Blick auf die Küstenlandschaft – achtsam, regional und mit allen Sinnen erlebbar. Auch für Familien, Anfänger und neugierige Urlaubsgäste bietet diese Form der Naturführung einen sanften Einstieg in die Welt der Wildkräuter an der Nordsee.

Dirk beim entspannten Kamillenbad inmitten wilder Kamille auf der Insel Neuwerk im Wattenmeer

Bild: die schönste Art in Kamillen zu baden - hier auf der Insel Neuwerk vor Cuxhaven

Die Stars am Wegesrand – essbare Küstenpflanzen der Nordsee entdecken 


Eine Kräuterwanderung ist weit mehr als ein gewöhnlicher Spaziergang. Gemeinsam entdecken wir die Pflanzenwelt der Küstenregion, die sich durch Wind, Salz und sandige Böden ganz besondere Eigenschaften bewahrt hat. Viele dieser Arten zählen zu den essbaren Küstenpflanzen der Nordsee und sind perfekt an das raue Klima angepasst.

Ein Beispiel ist die Pfeilkresse – ein echter Geheimtipp. Mit ihrer feinen, kresseartigen Schärfe bereichert sie die Wildkräuterküche und verwandelt sich im Sommer mit ihren weißen Blütenmeeren zudem in ein beeindruckendes Fotomotiv. Daneben begegnen wir Klassikern wie dem honigsüß duftenden Mädesüß, der Kamille, dem Wiesenkümmel oder dem vielseitigen Spitzwegerich.

Während der Wanderung vermittle ich nicht nur Pflanzenwissen, sondern gebe auch alltagstaugliche, gut umsetzbare Tipps: Wie lassen sich Wildkräuter in der Küche verwenden? Welche Anwendungen sind einfach und sicher? So wird aus Naturbeobachtung praktisches Wissen.

Deichlandschaft an der Wurster Nordseeküste bei einer Kräuterwanderung von Dirk Schwerdts

Wildkräuterwanderung an der Wurster Nordseeküste – Genuss und Entschleunigung in Cappel

Bei mir in Cappel, im Landkreis Cuxhaven, biete ich eine Wildkräuterwanderung an an, die Naturerlebnis und Genuss miteinander verbindet.

Diese Kräuterwanderung an der Nordsee mit Verkostung ist ideal für alle, die im Nordseeurlaub etwas Besonderes erleben möchten. Auch wenn Cappel nicht direkt in der Stadt Cuxhaven liegt, ist der Ort gut erreichbar und landschaftlich eng mit der Küstenregion verbunden – perfekt für alle, die nach einer Kräuterwanderung rund um Cuxhaven mit Verkostung suchen.

Vor Ort probieren wir ausgewählte Wildkräuter und sprechen über ihre Verwendung. Die Wanderung eignet sich sowohl für Anfänger als auch für Menschen, die ihr Wissen vertiefen möchten, und bietet einen wohltuenden Gegenpol zum klassischen Strandprogramm.

Wildkräuterwanderung mit Kochkurs an der Nordsee – vom Sammeln zum Genießen 

Essbare Blüten und Früchte auf Brot, kulinarische Ergebnisse der Wildkräuter - Kochkurse an der Nordsee

Sommerlicher Blütengenuss

Heilpflanze Spitzwegerich erkennen und verwenden - Wissen  aus der Kräuterführung an der Küste

Nützlich und lecker - der Spitzwegerich

gemeinsames Essen nach einer Wildkräutertour im Landkreis Cuxhaven

gemeinsam schmeckt's am Besten!

 

Für alle, die noch tiefer eintauchen möchten, biete ich bei Dirks Kräuterevents besondere Formate an. Eine Wildkräuterwanderung mit Kochkurs an der Nordsee verbindet das Sammeln von Pflanzen mit ihrer gemeinsamen Verarbeitung. 

Ob beim Bärlauchevent im Frühjahr oder bei sommerlichen Blütenküchen – hier entstehen einfache, regionale Köstlichkeiten. Für Urlauber ist diese Form der Kräuterwanderung eine intensive Möglichkeit, die Region auch kulinarisch kennenzulernen. 

Naturführung für Familien am Erikasee in Bremerhaven Leherheide - Kräuterwissen auch für Kinder

Bild: Blick auf den Erikasee im Bremerhavener Stadtteil Leherheide.

Naturführung in Bremerhaven – Kräuterwanderung am Erikasee

Auch in Bremerhaven lässt sich Natur intensiv erleben. Ein persönliches Highlight sind meine Führungen im Stadtteil Leherheide rund um den Erikasee. Das renaturierte Gelände bietet auf kleiner Fläche eine erstaunliche Vielfalt an Pflanzen und Lebensräumen.

Diese Naturführung in Bremerhaven ist etwas kürzer und bewusst so gestaltet, dass auch Familien mit Kindern gut teilnehmen können. Auf leicht verständliche Weise vermittle ich hier Kräuterwissen für Kinder in Niedersachsen, aber ebenso für Erwachsene – mit viel Raum zum Entdecken, Fragenstellen und Staunen.

Gerade für Familien ist diese Kräuterwanderung an der Nordsee eine schöne Möglichkeit, Natur gemeinsam zu erleben und neues Wissen mit nach Hause zu nehmen. Kein passender Termin dabei? Kein Problem: Bei meiner Familientour bestimmen Sie das Datum exklusiv – passend zum Urlaub oder zum Wochenendtrip an die Nordsee.

Bärlauchsammeln an der Nordsee - Frühlingskräuterwanderung für Einsteiger und Familien

Bild: Bärlauch an der Wurster Nordseeküste - gesunder Genuss im Frühling
 

Frühlingskräuterwanderung an der Nordsee – ideal für Einsteiger und Familien 

Besonders reizvoll ist eine Frühlingskräuterwanderung an der Nordsee. Junge Wildkräuter sind jetzt besonders zart, aromatisch und leicht zu bestimmen. Diese Jahreszeit eignet sich hervorragend für Anfänger, Familien und alle, die ihre ersten Schritte in die Welt der Wildpflanzen machen möchten. 

Ein Beispiel ist mein „wildes Frühlingsbuffet“. Diese Veranstaltung bietet jedes Jahr im Frühjahr die Gelegenheit, Wildkräuter draußen kennenzulernen und sie anschließend gemeinsam zu verarbeiten. Darüber hinaus gibt es regelmäßig Touren mit und ohne Verkostung, die sich auch für Familien mit Kindern eignen. 

Kräutererlebnispädagoge Dirk Schwerdts im herbstlichen Cappel - Fazit zur Kräuterwanderung im Nordseeurlaub

Bild: Herbst in Cappel - auch wunderschön

Fazit: Kräuterwanderungen als besonderes Erlebnis im Nordseeurlaub

Ob bei einer Kräuterwanderung mit Verkostung im Landkreis Cuxhaven, einer entspannten Naturführung in Bremerhaven oder einer Wildkräuterwanderung mit Kochkurs – eine geführte Kräuterwanderung bereichert jeden Nordseeurlaub.

Wer seinen Urlaub bewusst gestalten und die Küstenlandschaft jenseits bekannter Wege erleben möchte, findet hier eine nachhaltige, entschleunigende und genussvolle Alternative zu klassischen Freizeitangeboten.


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Rosen-Doppelkekse mit Hagebutten-Weißdornmarmelade 

von Herzen für's Herz - ein Winterrezept


Wenn draußen die Winterluft klar und kalt ist und die Natur zur Ruhe kommt, darf es in der Küche umso duftender und herzerwärmender zugehen. Genau für diese Zeit liebe ich Gebäck, das mehr kann, als nur süß zu schmecken – Plätzchen, die Geschichten erzählen und heilkräftige Pflanzen in sich tragen.

Die Kombination aus Rose, Hagebutte und Weißdorn ist wie ein kleiner Spaziergang durchs Cuxland: die fruchtige, vitaminreiche Hagebutte, wilde Rosen am Strand und an Ackersäumen, und der Weißdorn, der seit Jahrhunderten als „Hüter des Herzens“ gilt – ein häufiger und hochgeschätzter Heckenstrauch. Zusammen ergeben sie ein Gebäck, das nicht nur gut schmeckt, sondern auch guttut.

Diese Rosen-Doppelkekse sind zart, aromatisch und ein wenig verwunschen – perfekt für eine Auszeit, für liebe Menschen oder für einen winterlichen Nachmittag bei Kerzenschein.


Einfach und doch besonders

 Zartes Mürbeteiggebäck mit feinem Rosenaroma, gefüllt mit fruchtiger Hagebutten-Weißdornmarmelade und bestreut mit duftendem Rosenblütenzucker. Eine winterliche Köstlichkeit, die von Herzen kommt – und dank Hagebutte und Weißdorn sogar „gut fürs Herz“, sowohl im übertragenen als auch im wörtlichen Sinne. 

Rosen-Doppelkekse mit Hagebutten-Weißdornmarmelade und Rosenblütenzucker – aromatisches Kräuterplätzchen Rezept

Rosenblütenzucker - ganz einfach selbst gemacht

Den Rosenblütenzucker stelle ich selbst aus getrockneten Rosenblüten her. Ich verwende, was ich hier im Landkreis Cuxhaven oder im eigenen Garten finden kann: Blüten der Kartoffelrose, Apothekerrose, Konditorrose und andere Sorten. Diese werden getrocknet und im Verhältnis 1:10 mit Zucker vermahlen.

Bevor ihr die Blüten sammelt, empfehle ich eine kleine Kostprobe – alle Rosenblüten sind essbar, aber ihr Geschmack kann sehr unterschiedlich sein.

Wer sich den Aufwand sparen möchte, kann auch fertigen Rosenblütenzucker kaufen. Eventuell muss das Rezept dann etwas angepasst werden, da Herstellungsweise und Aroma stark variieren können.


Ausrollen von Rosen-Mürbeteig mit Ausstecher – Vorbereitung für aromatische Doppelkekse mit Wildfruchtfüllung

Zutaten (für ca. 25 Doppelkekse)

  • 270 g Mehl
  • 30 g Speisestärke
  • 200 g kalte Butter (in Stückchen)
  • 100 g feiner Rosenblütenzucker
  • 50 g Zucker
  • 1 Ei
  • 1 EL Rosenwasser (optional)
  • Mark einer Vanilleschote
  • Hagebutten-Weißdornmarmelade zum Füllen
  • zusätzlicher Rosenblütenzucker zum Bestreuen
Ungebackene Rosen-Doppelkekse auf Backpapier – Vorbereitung für gefüllte Plätzchen mit Heckenfrüchten

Zubereitung

  1. Mehl und Speisestärke mischen. Die Butter in Stückchen zugeben und mit der Hand oder einem Teigmischer gründlich verkneten.
  2. Rosenblütenzucker, Zucker, Ei, Rosenwasser (nach Wunsch) und das Vanillemark hinzufügen und alles rasch zu einem glatten Teig verkneten.
  3. Den Teig in Frischhaltefolie wickeln und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.
  4. Auf leicht bemehlter Fläche oder zwischen Backpapier ca. 3–4 mm dick ausrollen und Plätzchen ausstechen.
     Für die Hälfte der Plätzchen kleine Motive wie Herzen, Sterne oder Blüten aus der Mitte ausstechen, damit später die Marmelade sichtbar wird.
  5. Die Plätzchen auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und im vorgeheizten Ofen bei 180 °C (Ober-/Unterhitze) etwa 9 Minuten backen.
     Sie sollen hell bleiben und nur leicht am Rand Farbe annehmen. Danach vollständig auskühlen lassen.
  6. Direkt nach dem Backen die Plätzchen mit „Fenster“ mit etwas Rosenblütenzucker bestreuen – so haftet er am besten.
  7. Die Marmelade glatt rühren, einen Klecks auf die Unterseite der ganzen Plätzchen setzen und ein Fensterplätzchen daraufsetzen. Leicht andrücken.


Rosen-Doppelkekse mit Herzfenster und Marmeladefüllung – festliches Kräutergebäck mit Rosenblütenzucker

Und dann …

… gemütlich machen und den tiefen, nuancenreichen Geschmack genießen: wie die Erinnerung an eine vergangene Liebe – süß, mit kaum wahrnehmbarer herber Note, zartem Rosenduft, mürbem Biss und feiner Frucht. Eine kleine Kostbarkeit für Herz und Seele.



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Herz-Doppelkeks mit Hagebutten-Rosen-Marmelade – stimmungsvolles Kräutergebäck im herbstlichen Naturambiente
Hofladenfest beim durch Bauer sucht Frau bekannten Landwirt Jörg Schwerdts

Herbsthighligt in Cappel: Rückblick auf das Hofladenfest bei Jörg Schwerdts

Ein fester Bestandteil meines Kalenders ist das jährlich am ersten Septemberwochende stattfindende Hofladenfest bei meinem Schwager Jörg Schwerdts, das dieses Jahr besonders viel Aufmerksamkeit erhielt da er bei der RTL -Sendung "Bauer sucht Frau" dabei war. Wie wir im Finale der 21. Staffel sehen konnten, hat es zwar mit der großen Liebe bisher nicht geklappt, aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt.

Wilder Naturgenuss: mein Wildkräuterraclette mit Kick

Das kulinarische Herzstück an meinem Stand auf dem Hofladenfest war in diesem Jahr wieder meine ganz besondere Kreation. Die Basis bildet frisches Sauerteigbrot mit Vollkornroggen und hellem Weizenmehr aus dem Hofladen von Jörg Schwerdts. Für den besonderen Geschmack und eine extra Portion Vitalität backe ich selbst gesammelte Brennnesselsamen direkt in den Teig ein - ein wahrer Kick für die Sinne!
Frisch vom Käsegrill wird dann würziger Raclettkäse direkt auf das Brot geschabt. Das krönende Finish bildet mein hausgemachtes Waldconfit: Eine raffinierte Komposition aus eigenem Hagebuttenketchup, saft geschmorten Zwiebeln und Schinkenwürfeln. Eine Prise meiner speziellen Gewürzmischung und ein farbenfrohes Topping aus getrockneten Wildblüten und Wildkräutern runden dieses Genuss ab.

Lust auf wilde Kräuter oder einen Besuch beim Hofladen von Jörg Schwerdts? 

Dann verbinde das doch mit einer Kräuter-Erlebnistour bei Dirks Kräuterevents.

Ein Rezept aus der Natur für die Hausapotheke

Kapuzinerkresse-Tinktur ein Naturantibiotikum

Frische Kapuzinerkresseblüte mit intensivem Orange - essbare Heilpflanze mit antibiotischer Wirkung aus dem Naturgarten

Oktober - höchste Zeit die Kapuzinerkresse zu ernten

Der Herbst ist da – und mit ihm die letzten Tage der Kapuzinerkresse die immer noch fröhlich blüht und die immer kürzeren Tage und kühleren Temperaturen bisher noch glatt ignoriert. 

Im Garten macht sie eine gute Figur, und die Blüten sowie Blätter sind als essbare, pikante Deko nicht nur bei mir sehr geschätzt. 

Die Kapuzinerkresse, die ihren Namen daher hat, dass ihre Blüten an die Form einer Kapuze der Kapuziner‑Mönche erinnern, ist bei uns nicht heimisch und auch nicht winterhart. Daher wird es jetzt, Ende Oktober, höchste Zeit, alles Brauchbare zu ernten und haltbar zu machen. Die leuchtenden Blätter und Blüten dieser Pflanze sind nicht nur ein Blickfang im Garten, sondern auch ein bewährtes Hausmittel. 

Erntefrische Kapuzinerkresse - dekorative, scharfe Zutat für Küche und Hausapotheke. Regional verarbeitet in Norddeutschland

Die besonderen Senföle der Kapuzinerkresse

 

In der Literatur finden sich Erläuterungen zu den wirkenden Inhaltsstoffe – genauer gesagt für die Senföle, die jedoch nicht direkt in der intakten Pflanze vorliegen. Sie entstehen erst, wenn Pflanzengewebe verletzt wird, zum Beispiel durch Schneiden, Kauen oder Mixen. Für alle, die es genau wissen wollen: Das Enzym Myrosinase verwandelt die enthaltenen Senfölglykoside in ihre wirksame Form, die die geschätzen Wirkungen erzielen können, als natürlich antibiotisch wirkende Substanzen.

Diese Senföle sind allerdings leicht flüchtig und nur bedingt alkohollöslich, was das Einfangen und Haltbarmachen erschwert. Deshalb habe ich für meine Hausapotheke ein Verfahren ausgetüftelt, das diese Besonderheiten berücksichtigt und dennoch ein wirksames, mildes Extrakt ergibt, das in vielen Hausapotheken seinen verdienten Platz hat.

Selbstgemachte Kapuzinerkresse-Tinktur - natürliches Antibiotikum von Dirk Schwerdts, Dirks Kräuterevents

Mein Rezept für eine Kapuzinerkressetinktur

Kapuzinerkresse‑Tinktur

Zutaten:

•   50 g frische Kapuzinerkresse (Blätter + Blüten)

•   1 EL regionalen Honig (alternat. Manukahonig)

•   20 ml Wasser + kleine Reserve 

•   ca. 75 ml Weingeist 96 % 

 

1.  Kapuzinerkresse fein hacken und mit 20 ml kaltem Wasser kurz mixen, 2–3 Minuten stehen lassen, damit das Enzym Myrosinase die Senföle bildet.

2. Durch ein feines Sieb oder ein Baumwolltuch pressen. Den Honig zugeben und dann Reservewasser zugeben bis 125ml erreicht sind. 

3. Langsam 75 ml Weingeist mit 96 % Vol unterrühren, gut mischen und dann abfüllen. Kühl und Lichtgeschützt gelagert ca. 12 Monate haltbar.

Die Tinktur hat ca. 35% Vol und ist damit relativ gut haltbar.

Wie bei allen Rezepten aus der Naturapotheke gilt: Wer krank ist, gehört in die Hände eines Heilpraktikers oder Arztes. Meine Rezepte können und sollen keine fachliche Behandlung ersetzen, sondern inspirieren und auf die Schätze der heimischen Natur aufmerksam machen.


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Aktivitäten an der Wurster Nordseeküste: Warum Kräuterwandern bei „Schietwetter“ am meisten Spaß macht

Einleitung: Die 15 Friesennerze und eine wichtige Lektion

Kräuterwanderung an der Wurster Nordseeküste bei Regen mit Dirk Schwerdts

​Ich weiß noch genau, wie ich bei einer meiner ersten Touren morgens aus dem Fenster schaute: Der Wind pfiff um die Deichkante, graue Wolken hingen tief über Cappel und der Regen trommelte gegen die Scheibe. Mein erster Gedanke war: „Dirk, das war's. Bei diesem Küstenwetter kommt heute garantiert keiner zur Kräuterwanderung.“

​Ich fuhr trotzdem zum Treffpunkt, fest entschlossen, mich nicht zu ärgern. Doch was ich dort sah, hat meine Sicht auf das Nordsee-Wetter für immer verändert: Da standen sie. Alle 15 Teilnehmer. Pünktlich, hochmotiviert und perfekt ausgerüstet mit Friesennerz, Gummistiefeln und Regenhüten. Einer rief mir lachend entgegen: „Moin Dirk, wir sind bereit – wo wachsen die Kräuter?“

​An diesem Tag haben wir nicht nur viel gelernt, sondern auch so viel gelacht wie selten zuvor. Heute weiß ich: Bei Schmuddelwetter erlebst du oft die besten Abenteuer.

​Warum du den Friesennerz im Nordseeurlaub unbedingt einpacken solltest

​Wenn du gerade deinen Urlaub an der Wurster Nordseeküste planst oder schon in deiner Unterkunft in Dorum, Wremen oder Cuxhaven sitzt und auf den Regen schaust, habe ich eine gute Nachricht für dich: Die Natur macht keine Pause!

​Hier sind drei Gründe, warum eine Kräuterführung bei „Schietwetter“ ein echtes Highlight ist:

​1. Den Kopf freipusten und die Küste spüren

​Kräuterwandern bei Wind und Wetter ist „Outdoor-Wellness“ auf norddeutsche Art. Während andere in der Ferienwohnung warten, dass die Sonne rauskommt, spürst du die Küste hautnah. Der Kopf wird frei, die Lungen füllen sich mit frischer Salzluft und man nimmt die Pflanzen in ihrer rauen Umgebung viel bewusster wahr. Es hat etwas unglaublich Befreiendes, sich wetterfest einzupacken und der Natur zu trotzen.

​2. Die „harten“ Küstenkräuter kennenlernen

​Unsere Wildkräuter sind echte Überlebenskünstler. Sie trotzen Salz, Wind und Kälte seit Jahrhunderten. Wenn du sie bei echtem „Küstenwetter“ erlebst, verstehst du ihre Kraft viel besser als bei 30 Grad im Schatten. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Natur auch unter rauen Bedingungen gedeiht.

​3. Das unvergleichliche Gefühl danach

Das Beste an einer Tour im Regen ist das Gefühl, wenn man danach ins Warme kommt. Wenn wir im Anschluss gemeinsam im Trockenen sitzen, vielleicht ein leckeres, noch ofenwarmes Brennnesselbrot mit Leckereien aus Wildkräutern und Wildfrüchten probieren oder die gesammelten Schätze verarbeiten, spürt man die wohlige Wärme doppelt so intensiv. Man hat etwas erlebt, statt nur Zeit abzusitzen.

Mein Fazit: Es gibt kein schlechtes Wetter für Entdecker

Lass dich vom grauen Himmel nicht bremsen! Schnapp dir deine wetterfeste Kleidung und komm mit mir nach draußen. Ob als Familie, Alleinreisender oder Gruppe – die Natur an der Nordseeküste ist immer eine Reise wert, egal ob die Sonne lacht oder der Wind weht. Und ich verspreche dir: Eine Kräuterwanderung mit „echt norddeutschem Wetter“ ist ein Highlight, an das du dich immer gerne zurückerinnern wirst.


Lust auf dein eigenes „Friesennerz-Abenteuer“?

Schau gleich in meine aktuellen Termine und sichere dir deinen Platz für die nächste Kräuterwanderung – wir sehen uns draußen!


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Wegwohl - Wildkräutersirup bei Reiseübelkeit aus der heimischen Naturapotheke

 Wenn der Magen auf kurvigen Landstraßen oder schaukelnden Fähren rebelliert, hilft oft kein technisches Hilfsmittel, aber manchmal ein bisschen Natur im Glas. 

Der „Wegwohl“-Sirup verbindet heimische Wildkräuter mit einer einfachen, haltbaren Zuckerlösung. So entsteht ein konzentriertes, handliches und mild wirkendes Hausmittel, das sich unterwegs leicht mitnehmen lässt – ob auf Reisen oder immer dann, wenn leichte Übelkeit oder stressbedingtes Magenunwohlsein spürbar wird. 

Mein Denkansatz dabei: Aus ökologischer und nachhaltiger Sicht war es mir wichtig, ausschließlich mit heimischen Wildpflanzen zu arbeiten – mit Kräutern, die bei uns wachsen, die unsere Vorfahren kannten und die heute oft in Vergessenheit geraten sind. 

Deshalb habe ich bewusst auf Zutaten wie Ingwer verzichtet, auch wenn sie in vielen Rezepten gegen Übelkeit beliebt sind. Ich wollte zeigen, dass unsere heimische Pflanzenwelt ebenso wirksam und dabei ökologisch sinnvoll nutzbar ist. 


Eine persönliche Erinnerung 

Als Kind war ich am Wochenende oft bei meiner Oma in Müggelheim. 

Wir wohnten mitten in Berlin, und auf der rund 50-minütigen Busfahrt wurde mir regelmäßig übel. 

Oft musste ich die Fahrt unterbrechen und eine länge Pause einlegen bevor es weiter ging, es war immer eine rechte Quälerei und so gerne ich auch bei Oma war, habe ich den Weg dahin doch wirklich gehasst. 

Diese Erinnerung hat mich nicht losgelassen. Und irgendwann entstand daraus die Idee, ein mildes, natürliches Mittel das bei Reiseübelkeit eine Unterstützung sein kann zu entwickeln – etwas, das gut schmeckt und ausschließlich aus heimischen Kräutern besteht. 

Bestandteile meiner Rezeptur bei Reiseübelkeit: 

• Wasserminze (Mentha aquatica)

Diese feuchtigkeitsliebende Minzeart bringt eine sanfte, kühle Frische in die Mischung. In der Volksheilkunde wurde sie häufig in Phasen flauen Magens oder bei krampfartigen Momenten verwendet und gilt als angenehm mild – ohne die Schärfe der klassischen Pfefferminze.

 

• Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) 

Eine alte Wiesenpflanze, die in der traditionellen Kräuterkunde wegen ihres Bezugs zu krampfartigen Beschwerden geschätzt wurde. Viele nutzten sie früher als begleitendes Kraut in nervösen oder unruhigen Magenmomenten. 

 

• Kamille (Matricaria chamomilla) 

Die klassische Begleiterin für Bauch und Gemüt: Kamille gehört zu den Kräutern, die seit Jahrhunderten in Situationen von Magenunruhe genutzt wurden. Auch bei innerer Anspannung wurde sie traditionell gerne zur Unterstützung herangezogen. 

• Schafgarbe (Achillea millefolium)

Eine vielseitige und robuste Pflanze, die in der Volksheilkunde eine lange Rolle spielt. Sie wurde häufig bei Themen rund um Verdauung und Bauchwohlbefinden eingesetzt und gilt als ausgleichendes Kraut, das dem Körper Harmonie schenken soll.

• Baldrianwurzel (Valeriana officinalis) 

Baldrian ist seit Jahrhunderten ein bekanntes Beruhigungskraut. Historisch wurde er vor allem in Phasen innerer Unruhe genutzt, besonders wenn Anspannung oder Stress auf den Magen schlugen – in kleinen Mengen als sanfter Begleiter. 

• Hagebuttenschalen (Rosa canina) 

Die fruchtige Komponente des Sirups: Hagebutte ist für ihren natürlichen Vitamin-C-Gehalt bekannt und wurde traditionell wegen ihrer leicht herben, aromatischen Note geschätzt. Sie rundet die Mischung geschmacklich mit einer milden Säure ab. 

Zubereitung des Sirups bei Reiseübelkeit

Zutaten:

• 2 EL getrocknete Wasserminze
 • 2 EL getrocknetes Gänsefingerkraut
 • 1 EL getrocknete Kamille
 • 1 EL getrocknete Schafgarbe
 • ½ TL getrocknete, fein gemahlene Baldrianwurzel
 • 1 EL Hagebuttenschalen
 • 150 ml Wasser
 • Zucker im Verhältnis 2:1 zum abgeseihten Kräuterextrakt
 • Beispiel: Auf 150 ml Kräuterextrakt kommen 300 g Zucker.

So geht’s:

  1.  Kräuter und Hagebuttenschalen mit kochendem Wasser übergießen. 
  2.  Sofort abdecken und mindestens 20 Minuten ziehen lassen. 
  3.  Abseihen, die Kräuter gut ausdrücken und den Kräuterextrakt abmessen. 
  4.  Nun die doppelte Menge Zucker dazugeben. Also: 2 Teile Zucker auf 1 Teil Kräuterextrakt. 
  5.  Den Kräuterextrakt mit dem Zucker kurz aufkochen und rühren, bis sich alles vollständig gelöst hat. 
  6.  Noch heiß in saubere, am besten zuvor ausgekochte Flaschen füllen und sofort verschließen. 


Sauber gearbeitet, heiß abgefüllt und dunkel gelagert ist er bei mir erfahrungsgemäß mindestens ein Jahr haltbar.

Vor Gebrauch gut schütteln.

Falls sich Geruch, Farbe, Konsistenz oder Geschmack deutlich verändern oder sich Schimmel zeigt, gehört der Sirup natürlich entsorgt.


So nutze ich den Sirup bei Reiseübelkeit 

1–2 Teelöffel pur oder in etwas Wasser gelöst, etwa eine halbe Stunde vor Reisebeginn. 

🌼 Fazit 

Der „Wegwohl“-Sirup ist ein Stück Wildkräuterwissen zum Mitnehmen – beruhigend, vertraut und handgemacht. 

Er ersetzt keine Medikamente, aber er kann eine sanfte Begleitung sein, wenn der Magen unterwegs mal wieder sein eigenes Abenteuer beginnt. 

 

Hinweis: 

Dieser Sirup ist ein Hausmittel das auf traditionell verwendeten Kräutern beruht und ersetzt keine heilpraktische oder ärztliche Behandlung. 

Da Baldrian enthalten ist sollte er nicht für Kinder unter 6 Jahren oder von Schwangeren verwendet werden.




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Herbstzeit ist Kräuterzeit – Meine liebsten Teemischungen für die Erkältungszeit

Wenn die Tage kürzer werden, die Luft feuchter und die Jacken dicker, beginnt nicht nur die goldene Jahreszeit – sondern auch die Zeit der lauernden Erkältungen. Der Herbst bringt Nebel, Wind und Wetter, aber auch eine Fülle an kraftvollen Wildkräutern, die uns in dieser Übergangszeit begleiten können.

Ich persönlich greife in dieser Zeit besonders gerne zu Teemischungen, die ich über das Jahr hinweg aus heimischen Kräutern zusammenstelle.
 Sie sind kein Ersatz für ärztlichen Rat oder Medikamente, sondern einfach meine Art, den Körper zu unterstützen, Wärme zu tanken und ein Stück Natur in die Tasse zu holen.

 

Eine kleine Anekdote

 Die Mischung beruht auf meinen ganz persönlichen Erfahrungen. Ich stamme ursprünglich aus Berlin und hatte früher mehrmals im Jahr mit schweren Atemwegsinfektionen zu tun. Also mischte ich mir meinen Tee nicht nur für Zuhause, sondern nahm die Dose auch mit ins Büro – entweder vorbeugend oder sobald ich merkte, dass sich etwas anbahnte. 

Nach einiger Zeit wunderte ich mich allerdings, wie schnell meine Vorräte schwanden. Die Dose wurde auffällig rasch leerer, und irgendwann stellte sich heraus: Meine Kolleginnen und Kollegen hatten den Tee für sich entdeckt. Sie liebten den Geschmack so sehr, dass sie sich heimlich mitbedienten. Ich wusste im ersten Moment gar nicht, ob ich lachen oder schimpfen sollte. Am Ende überwog aber die Freude – auch wenn ich meine Mischung eigentlich selbst dringend brauchte, war es ein gutes Gefühl zu sehen, wie sehr sie allen schmeckte. 


Heimische Wildkräuter statt exotischer Superfoods

Viele Menschen setzen auf Ingwer, Kurkuma oder exotische Pflanzen. Ich bleibe lieber bei dem, was direkt vor meiner Haustür wächst. Im Cuxland, wo die Nordseeluft täglich die Nase kitzelt, finde ich Gundelrebe, Quendel, Spitzwegerich oder Holunder – Pflanzen, die sich mit Wind, Regen und salziger Luft behaupten und ihre Kraft direkt in unsere Tassen bringen.

Die meisten Bestandteile meiner Teemischungen sammele ich übers Jahr selbst – achtsam, nachhaltig und zur richtigen Erntezeit. Was nicht im eigenen Garten wächst, finde ich auf Wiesen, an Waldrändern oder zwischen windgebeugten Ackerrändern. Für mich steckt in diesen Kräutern ein Stück Heimat, und jedes Mal, wenn ich eine Tasse aufgieße, hole ich mir ein bisschen davon zurück.

✨ Zwei meiner liebsten Mischungen möchte ich hier vorstellen – Rezepte findest Du am Ende des Artikels:

  • Einen Husten- und Fiebertee, der mich schon oft an trüben Tagen begleitet hat.
  • Und meinen Immun- und Vitamintee, den ich besonders in der kalten Jahreszeit schätze.

Vielleicht probierst Du das eine oder andere Rezept für Dich selbst aus – oder nimmst einfach ein bisschen Inspiration mit in Deine eigene Kräuterküche.

Wirkungen der Kräuter im Überblick

Hinweis: Die folgende Übersicht beschreibt traditionelle Anwendungen und Erfahrungen mit den Pflanzen. Sie ersetzt keine medizinische Beratung und dient lediglich zur Orientierung.

 

Quendel (Thymus serpyllum): aromatisch-scharfes Kraut, traditionell in Tees bei Husten genutzt.

Spitzwegerich: milde, traditionelle Pflanze, oft in Teemischungen bei Reizungen der Atemwege verwendet.

Gundelrebe: würziges Kraut, das in Hausmitteln der Volkskunde eine Rolle bei Atemwegstees spielt.

Königskerzenblüten: mildes, wohltuendes Kraut, seit jeher in Tees bei Heiserkeit verwendet.

Lindenblüten: duftend, aromatisch, traditionell in Tees zur Herbstzeit beliebt.

Holunderblüten: aromatische Blüten, lange in Volksmedizin und Hausmitteln eingesetzt.

Kamille: klassisches, aromatisches Kraut für Tee, seit jeher geschätzt.

Hagebuttenschalen: fruchtig-herb, reich an Vitamin C, traditionell in Tee- und Getränkemischungen verwendet.

Brennnesselblätter: nährstoffreiches Kraut, seit Generationen für Hausmittel und Tees genutzt.

Zitronenmelisse: mild, zitronig-frisch, traditionell in Herbst- und Wintertees.

Ringelblumenblüten: hübsch, aromatisch, als Tee oder Dekoration in Kräutermischungen beliebt.

Bibernelle: aromatisch, historisch in Tees gegen Husten und Heiserkeit verwendet. 

Dirks Wintertee für Atemwege

 Diese Teemischung ist eine aromatische Kombination traditioneller Kräuter, wie sie seit Generationen in Herbst- und Wintertees genutzt wird. Sie schmeckt wohltuend und kann helfen, sich in der kalten Jahreszeit eine warme Tasse Natur zu gönnen. 

Zutaten:

  • 2 Teil Quendel
  • 2 Teil Spitzwegerichblätter
  • 2 Teil Gundelrebe
  • 1 Teil Königskerzenblüten
  • 1 Teil Lindenblüten
  • 1 Teil Holunderblüten
  • 1 Teil Kamille

Zubereitung:
2 gehäufte TL für einen Becher (ca. 250ml) mit kochendem Wasser übergießen 8–10 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abseihen und warm trinken, 2–3 Tassen täglich.

Dirks Immuntee 

 Diese Teemischung stärkt das Immunsystem, liefert wertvolle Vitamine und schenkt wohltuende Wärme in der kalten Jahreszeit.
Zutaten:

  • 2 Teile Hagebuttenschalen
  • 1 Teil Holunderblüten
  • 1 Teil Lindenblüten
  • 1 Teil Gundelrebe
  • 1 Teil Brennnesselblätter
  • 1 Teil Zitronenmelisse
  • ½ Teil Ringelblumenblüten

Zubereitung:
Pro Becher (ca. 250 ml) 2 TL der Mischung mit sprudelnd kochendem Wasser übergießen. Abgedeckt 8–10 Minuten ziehen lassen, abseihen und warm genießen. Mit einem Löffel Honig vom Imker um die Ecke verfeinert ein wohltuender Begleiter für kalte Tage. 


Zusatztipp: Wärmendes Fußbad mit Senfmehl

Ein Senfmehl-Fußbad ist ein altes Hausmittel, das wohltuend wärmt und die Durchblutung anregt. Ein extra Tipp für alle die besonders mit eiskalten Füssen zu tun haben.

Zutaten:

·        2–3 EL Senfmehl (Reformhaus und Apotheke haben größere Abpackungen parat bzw. können welche besorgen)

·        ca. 5 Liter angenehm warmes Wasser

Zubereitung & Anwendung:
Das Senfmehl in warmem Wasser gut verrühren, bis es gleichmäßig verteilt ist. Die Füße 10–15 Minuten darin baden, anschließend gründlich abtrocknen und in warme Socken schlüpfen. Besonders angenehm am Abend vor dem Schlafengehen.

Zusatztipp: Spitzwegerich-Sirup 

Ein klassisches Rezept, das ich selbst sehr schätze, ist Spitzwegerich-Sirup. Er lässt sich einfach herstellen und hält sich gut. Das Aucubin im Spitzwegerich wirkt so gut, dass „Spitzwegerichsaft“ in weiten Teilen Deutschlands zu einem Synonym für Hustensaft geworden ist.

Zutaten:

·        frische Spitzwegerichblätter

·        brauner Zucker oder Honig

Zubereitung:
Ein Schraubglas schichtweise mit fein geschnittenen Spitzwegerichblättern und Zucker (oder Honig) füllen, bis es voll ist. Gut verschließen und 2–3 Wochen dunkel und kühl stehen lassen. Die Mischung zieht Saft, der anschließend durch ein Tuch abgeseiht wird. Den fertigen Sirup in dunkle Flaschen abfüllen.

Anwendung:
Mehrmals täglich 1 Teelöffel pur oder in warmem Tee – wohltuende Pflege für die Atemwege.



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Mädesüß

 In Niedersachsens feuchten Wiesen und an der Nordseeküste begegnet man dem Mädesüß – einer Heilpflanze voller Tradition, die Naturerlebnisse und Kräuterwissen auf einzigartige Weise verbindet. Auf jeder Kräuterwanderung wo wir es sehen ist es ein besonderes Highlight.

Mädesüß in voller Blüte – typisches Wildkraut in NIedersachsen

 Mädesüß – Duftende Wiesenpflanze zwischen Heilkunde und Kulturgeschichte 

Wer im Sommer an der Nordseeküste oder in den Mooren und Niederungen Niedersachsens unterwegs ist, begegnet ihr fast zwangsläufig: dem Mädesüß (Filipendula ulmaria). Zwischen Gräben, Wiesen und Deichen steigt in der Blütezeit um den Monat Juli ein süß-mandelartiger Duft auf, der ganze Landschaften prägt und Kräuterwanderungen zu einem besonderen Sinneserlebnis macht. Die duftenden Blüten, die wie kleine weiße oder cremefarbene Wolken an den Grabenrändern zu erspähen sind, betören nicht nur uns Menschen seit Alters her. Auch über 70 Insektenarten schätzen ihn besonders – was das Mädesüß zu einem echten ökologischen Schatz macht. 

Das Mädesüß gehört zur Familie der Rosengewächse und ist eine hoch aufragende Staude, die bis zu 1,50 Meter groß werden kann. Eine Verwechslung mit anderen Feuchtwiesenpflanzen ist möglich – doch die Kombination aus Blattform, silbriger Unterseite und intensivem Duft macht das Mädesüß unverwechselbar. 

Mädesüß liebt feuchte Standorte: Bachufer, Gräben, Moor- und Bruchwälder. Besonders häufig begegnet man ihm zwischen Cuxhaven, Bremerhaven und der Wurster Nordseeküste. Es wächst gerne an den Gräben, die zur Entwässerung des Landes angelegt wurden, und ist hier eine sehr typische und markante Landschaftspflanze. 

Mädesüss sammeln auf Kräutertour mit Dirks Kräuterevents in Niedersachsen

Duft, Inhaltsstoffe und Wirkung

Das intensive Aroma stammt aus salicylathaltigen Verbindungen wie Salicylaldehyd und Methylsalicylat. Besonders die Blüten sind reich daran – weshalb sie bei warmem, feuchtem Wetter noch stärker duften. Dies machte man sich früher zunutze, indem man ein Sträußchen getrocknetes Mädesüß in der Nähe von Fenstern oder Türen aufhing – wenn der Duft besonders intensiv wurde, stand Regenwetter bevor. Ein Duftbarometer – ist das nicht herrlich?

In der traditionellen Naturheilkunde wurde Mädesüß unterstützend bei Erkältungen und leichten Schmerzen eingesetzt. Dabei nutzt man vor allem die Blüten und das Kraut.

Der Name „Mädesüß“ geht wohl auf „Met-süß“ zurück – denn die Pflanze wurde seit Jahrhunderten genutzt, um Honigwein zu aromatisieren. Auch als duftender Bestandteil von Haus- und Kräutersträußen und für Räucherungen in Haus und Hof fand sie Verwendung.

Schon in der Antike war Mädesüß kein Unbekannter: Die Druiden der Kelten sollen die Pflanze als eine ihrer „heiligen drei Kräuter“ verehrt haben, zusammen mit Mistel und Wasser-Minze. Später im Mittelalter fand sie ihren festen Platz in den Kräuterbüchern – als Mittel gegen Fieber, Schmerzen und allerlei „Unpässlichkeiten“. Besonders spannend wird es im 19. Jahrhundert: Damals isolierten Chemiker aus Mädesüß die Salicylsäure – eine Substanz, die später zur Entwicklung von Aspirin führte. Damit schlägt das zarte Wiesenkräutlein eine Brücke von alten Volksbräuchen bis hin zur modernen Pharmazie.

Es ist durchaus möglich, dass das Aspirin seinen Namen dem Mädesüß verdankt. Wenn man vom botanischen Namen das „A“ von Spiraea nach vorn stellt (eine gängige Praxis damals), entsteht „Aspire“. Mit einer griffigen Endung wurde daraus schließlich der weltbekannte Produktname.

Verwendung in Küche und Naturheilkunde

Mädesüß verbindet auf besondere Weise Aroma und Wirkung. In der Naturheilkunde wird es traditionell zur Unterstützung bei Erkältungen, leichten Schmerzen oder Magenbeschwerden genutzt. In der Küche gilt es als aromatisches Wildkraut, das Süßspeisen, Getränke und Essige verfeinert.

Die Blüten sind dabei die wertvollsten Pflanzenteile: Sie enthalten die meisten Duft- und Wirkstoffe und bringen das typische süß-mandelartige Aroma in Tees, Sirupe oder Cremes.

Ich selbst mag besonders gerne Mädesüß-Eis oder aromatisierte Schlagsahne – für beides passt das süß-mandelartige Aroma ganz wunderbar. Nur nicht übertreiben: Ich nehme zwei Zweige vom Blütenstand auf 200 ml Sahne.

Mädesüß mit gefiederten Blättern und rötlichem Stängel – botanische Merkmale

Sammeln mit Verantwortung

Wenn du jetzt sagst: „Mädesüß muss ich haben!“, dann hol es dir am besten in den Garten – es gibt einige Händler, stationär oder auch online, die sich auf heimische Wildpflanzen spezialisiert haben. Ernten in der freien Natur bitte wie immer mit Maß und Rücksichtnahme. Auch wenn es stellenweise noch recht üppig wächst, gehen die Bestände zurück. Und wie bereits erwähnt: jede Menge Insekten sind auf diese Pflanze angewiesen.

Denke auch daran, dass an Ackerrändern, wo es oft am Graben wächst, häufig gedüngt und gespritzt wird. Informiere dich also gut, ob es wirklich ratsam ist, dort zu ernten.

Mädesüß als aromatische Zutat – Wildkräuter in der grünen Küche

Mädesüß in der Küche

Mädesüß-Sirup für Getränke

  •  Zutaten: 25 frische Mädesüßblütendolden, 
  • 1 Liter Wasser, 
  • 2 kg Zucker, 
  • Saft von 3 Zitronen

Zubereitung:
Blüten im Wasser 24 Stunden ziehen lassen. Danach abseihen, mit Zucker und Zitronensaft aufkochen, heiß in Flaschen füllen.
 Verwendung: Zum Süßen von Mineralwasser, Sekt oder Desserts – ähnlich wie Holundersirup, nur mit feiner Mandel-Note.


Mädesüß-Essig
Zutaten: 
1 Handvoll frische Mädesüßblüten, 500 ml Apfelessig oder Weißweinessig
Zubereitung: Blüten in eine Flasche geben, mit Essig auffüllen und 2–3 Wochen ziehen lassen. Abseihen und kühl lagern.
Verwendung: Für fruchtige Salatdressings oder als feines Küchenaroma.

Mädesüß-Milch oder Sahne für Desserts
Zutaten: 1 Handvoll frische Blüten, 500 ml Milch oder Sahne
Zubereitung: Blüten in die Milch/Sahne geben, vorsichtig erwärmen (nicht kochen!) und 1 Stunde ziehen lassen. Abseihen.
Verwendung: Basis für Pudding, Crème brûlée oder Eiscreme mit feinem Mandel-Vanille-Aroma.

Detailaufnahme der cremeweißen Blüten des Mädesüß (Filipendula ulmaria)

Mädesüß in der Naturheilkunde

Mädesüß-Tinktur (klassischer Heilauszug in Alkohol) 

Zutaten: 

  • 1 gute Handvoll frische oder getrocknete Mädesüßblüten
  • 200 ml Korn oder Wodka (mind. 40 % vol.)

Zubereitung:
Blüten in ein Schraubglas geben und mit Alkohol übergießen, bis alles gut bedeckt ist. 2–3 Wochen an einem warmen, dunklen Ort ziehen lassen, gelegentlich schütteln. Danach abseihen und in dunkle Tropfflaschen füllen. 

Anwendung:
Einige Tropfen in Wasser geben. Traditionell wird eine Tinktur zur unterstützenden Linderung bei Kopfschmerzen, Gelenkbeschwerden oder leichten fieberhaften Infekten verwendet.

Mädesüß-Tee zur Erkältungsbegleitung
Zutaten:
1–2 TL getrocknete Mädesüßblüten, 250 ml heißes (nicht kochendes) Wasser
Zubereitung: Blüten mit heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und abseihen.
Anwendung: Tasseweise warm trinken – ideal bei leichten Erkältungssymptomen oder einfach zum Wohlfühlen an feuchtkalten Tagen.

Bei Kindern ist Vorsicht geboten: Weidenrinde oder Mädesüß dürfen nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Heilpraktiker und auf keinen Fall bei fiebrigen Erkrankungen eingesetzt werden – warum das so wichtig ist, erfahrt ihr hier.

Bitte beachten: die Rezepte dienen nur zur allgemeinen Information. Im Krankheitsfall immer erst zum heilkundlich ausgebildeten Fachpersonal. Auch natürliche Mittel können Neben- und Wechselwirkungen haben. Beratung dazu gibts vom Fachpersonal in der Apotheke.


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über Weißdorn

Weißdorn,  Kräuterwanderung Nordseeküste, Kräuterevents Niedersachsen,  Landkreis Cuxhaven

Bitte immer daran denken: wer bereits ein "Thema" mit seinem Herz hat gehört zum Arzt!

Weißdorn Blätter und Blüten,  Dirk Schwerdts,  Landkreis Cuxhaven,  Nordseeküste,  Bremerhaven,  Cuxhaven

Auch als Tinktur entfaltet er regelmäßig eingenommen seine herzstärkende Wirkung.

blühender Weißdorn, Dirk's Kräuterevents, Kräuterwanderungen in Niedersachsen

Weißdorn ist ein Segen für Ältere, Leistungssportler und alle die mehr Stress haben als ihnen gut tut.

Weißdorn Blätter und Blüten, Kräuterevents an der Nordseeküste

Die Ende Mai gesammelten Blüten und Blätter können frisch oder getrocknet als Tee aufgegossen werden. Wer etwas für sein Herz tun will sollte frühzeit anfangen und dann dabei bleiben. Bei der Einnahme von Weißdorn müssen keine "Pausen" eingelegt werden, die Wirkung ist sanft, nachhaltig und er ist bestens verträglich.

Weißdorntintur, Dirk's Kräuterevents, Dirk Schwerdts

Weißdorn lässt das Herz "aufatmen", die Sauerstoffversorgung und die Durchblutung wird verbessert, das Herz wird gestärkt.
Um sicher zu gehen eine hohe und gleichmäßige Versorgung mit den wertvollen Inhaltsstoffen zu haben tut sich mit dem naturreinen Heilpflanzenpresssaft (z.B. aus dem Reformhaus) etwas richtig Gutes!

 

 Petersilie: Geschichte, Wirkung und Tipps für Küche & Garten ​ 

Wildkräuter- und Gifttour mit Dirks Kräuterevents

Die Petersilie machte ordentlich Schlagzeilen als Giftpflanze des Jahres 2023. Wenn man so etwas liest, könnte man meinen, es hätte einem die „Petersilie verhagelt“ – eine Redensart, die ausdrückt, dass einem etwas wirklich Ärgerliches zugestoßen ist. Früher war es eine kleine Katastrophe, wenn die Ernte durch Hagel vernichtet wurde – und das aus vielerlei Gründen. Und ich liebe Petersilie!

Dabei muss sich bei den typischen Mengen in unserer Küche niemand Sorgen um eine Vergiftung machen. Die kleinen Prisen, die wir ans Essen geben, sind nicht der Rede wert.


 Petersilie richtig verwenden: Mehr als nur Deko 

Es ist fast schon gruselig, wie die Petersilie in vielen Küchen fristet: ein einsames Bündchen im Suppengrün oder – noch schlimmer – als traurige Deko auf einer kalten Platte.

Eigentlich sind nur die Samen bzw. das Kraut im 2. Jahr heikel, wenn die Petersilie „ins Kraut schießt“ und blüht. Der Stoff, um den es geht, ist das Apiol, Bestandteil des ätherischen Öls und gleichzeitig der arzneilich wirksame Bestandteil.

Mein Tipp für die Suppe:

  • In ein gutes Suppengrün gehört die Petersilienwurzel. Das Kraut selbst sollte frisch dazugegeben werden:
    • Beim Kochen: 2–3 Stängel von Anfang an mitkochen – das gibt mehr „Tiefe“.
    • Beim Servieren: Das frische Kraut großzügig über den Teller geben. Es erfreut das Auge und duftet herrlich aromatisch.


 Die Geschichte der Petersilie: Vom Heilkraut zur „Giftpflanze“ 

So wie wir heute oft mit der Petersilie umgehen, könnte man meinen, sie müsse immer noch für ihre „sündige“ Vergangenheit büßen. Dass die Samen schon in überschaubarer Menge zum Abtreiben geeignet sind, ist seit Jahrhunderten bekannt. In dieser Menge sind sie jedoch brandgefährlich und können nicht nur werdenden Müttern zum Verhängnis werden.

Daher wundert es niemanden, dass die Petersilie besonders häufig in den Straßen verwendet und gehandelt wurde, in denen das älteste Gewerbe der Welt ausgeübt wurde. Noch heute gibt es in vielen Städten eine Petersilienstraße – ein Hinweis darauf, dass dort früher jene Gewerbetreibenden zu Hause waren, die das Kraut für diese Zwecke massenhaft benötigten.

Nicht von ungefähr kommt das alte Sprichwort:

„Petersilie hilft dem Mann aufs Pferd und der Frau unter die Erd‘.“

Auch der alte Reim:

„Petersilie, Suppenkraut… unsere Anni ist die Braut, konnt' nicht länger warten“
 hat hier seinen ernsten Hintergrund.


 Petersilie aussäen: Tipps für Garten & Keimdauer 

Wegen ihres „sündigen“ Lebens soll die Petersilie auch heute noch schwer im Garten zu händeln sein. Man sagt, man müsse beim Aussäen entweder kräftig fluchen oder lauthals lachen. Es dauert ewig, bis sie keimt – wenn überhaupt.

Früher wusste man warum: Jedes Samenkorn musste erst nach Rom pilgern und beim Papst um Erlaubnis bitten. Danach kam der lange Weg zurück ins Beet, und den zehnten Teil der Saat holte sich auch noch der Teufel für sein sündiges Treiben.

Da Petersilie oft Zutat für Hexensalben war und bestimmte Zubereitungen psychedelische Wirkungen haben, versteht man sein Interesse – aber was kann die Petersilie dafür?


 Petersilie als gesundes Küchenkraut: Vitamine, Aroma & Nutzen 

Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen verzweifelte Frauen zu lebensgefährlichen Mitteln greifen mussten. Die Petersilie könnte endlich ein unschuldiges Leben als gesundes Küchenkraut führen.

Sie ist ein wahres Kraftpaket voller Vitamin C, K, Provitamin A und Folsäure. Trotz ihrer langen Geschichte als Heilpflanze rücken sie die Schlagzeilen heute nur wegen ihrer Samen ins negative Licht.

Also mir tut die Petersilie leid – denn ich liebe dieses Kraut wirklich! 🌿


Möchtet Ihr  Möchtet ihr noch tiefer in die Welt der Gift- und Heilpflanzen eintauchen? Hier findet ihr die aktuellen Termine für meine Wildkräuter- und Giftkräutertouren – ein Erlebnis für alle Kräuterfreunde!


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Spohrentrieb Ackerschachtelhalm, #UnkrautInMir, Kräuterwanderung,

Welches Unkraut steckt in Dir?

​🌿 Ackerschachtelhalm – Der geduldige Architekt des Lebens

​Unter dem Motto „Welches Unkraut steckt in Dir?“ lade ich oft zur Selbsterkenntnis mit einem Augenzwinkern ein. Eines der faszinierendsten (Un-)Kräuter, das man dabei in sich entdecken kann, ist der Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense). Er ist kein Gast, der schnell kommt und geht – er ist ein Bleiber.

​Der Bodenflüsterer: Botschaften aus der Tiefe

​Seit 400 Millionen Jahren steht er fest im Leben – ohne Eile, ohne Hast. Mit seinen tiefen Rhizomen, die bis in verborgene Schichten reichen, lockert er nach und nach verdichtete Böden auf. Er holt mit seinen Wurzeln wertvolle Mineralstoffe aus der Tiefe und gibt sie oben langsam wieder frei. So korrigiert er den pH-Wert und sorgt für eine lebensnotwendige Durchlüftung.

​Der Schachtelhalm ist nicht „effektiv“ im modernen Sinne, und das will er auch gar nicht sein. Er arbeitet ganz, ganz langsam. Wer ihn im Garten hat, sollte hinhören: Er erzählt von verdichtetem Boden und saurem Milieu. Er fordert uns auf, seine Arbeit selbst zu übernehmen – den Boden tiefgründig zu lockern. Erst dann zieht er weiter. Er hat alle Zeit der Welt.

​Die Weisheit der Väter der Botanik

​Schon die berühmten Kräuterkundigen vergangener Jahrhunderte erkannten in der rauen Struktur der Pflanze ein besonderes Prinzip. Hieronymus Bock beschrieb ihn im 16. Jahrhundert sehr treffend:

​„Die Stengel sind hohl / wie das Schilff / rauch und scharpff / wie ein Feile / damit man das Silber und Holtz glat feilet.“

​Diese historische Beobachtung der „Schärfe“ ist der Schlüssel zu seiner Wirkung. In den Werken der Väter der Botanik wird er als unersetzlich für die Festigkeit des Körpers beschrieben. Er gibt uns das, was wir heute „Struktur“ nennen.

​Die klassischen Säulen: Festigkeit, Fluss und Atem

​Bevor die Wissenschaft die Details entschlüsselte, vertrauten wir auf das, was der Schachtelhalm sichtbar bewirkt. Der Hintergrund ist stets die Kieselsäure (Silizium) – der „biologische Zement“, der unsere Strukturen vernetzt:

  • ​Struktur für Haut, Haare und Nägel: Als Schönheitselixier von innen sorgt er für elastische Haut, glänzendes Haar und feste Fingernägel. Er stärkt das Bindegewebe dort, wo es im Laufe der Zeit an Halt verliert.
  • ​Schutz für die Atemwege: In der traditionellen Kräuterkunde wird er geschätzt, um das elastische Gewebe der Lunge zu festigen und die Widerstandskraft der Schleimhäute zu stärken – ein wahrer „Halt“ für unsere Atmung.
  • ​Natürlicher Fluss (Entwässerung): Er ist einer der besten Begleiter für die Nieren. Seine sanft entwässernde Wirkung hilft, den Körper durchzuspülen und Wasseransammlungen zu lösen, ohne den wertvollen Mineralstoffhaushalt aus dem Gleichgewicht zu bringen.

​Die moderne Forschung: High-Tech in der Urpflanze

​Heute wissen wir, dass der Schachtelhalm weit mehr ist als ein simpler Silizium-Lieferant. Er ist ein hochintelligenter Regulator auf Zellebene:

  • ​Aktiver Nierenschutz: Er regt die Produktion des Proteins Uromodulin an. Dieses wirkt wie ein biologischer Schutzschild in den Harnwegen, wehrt Infektionen ab und verhindert aktiv die Bildung von Nierensteinen.
  • ​Intelligente Knochenregulation: Er greift steuernd in den Zellzyklus ein, stimuliert die knochenaufbauenden Zellen (Osteoblasten) und bremst gleichzeitig die abbauenden Zellen (Osteoklasten).
  • ​Natürliche Aluminium-Ausleitung: Die gelöste Kieselsäure bindet im Körper gespeichertes Aluminium zu stabilen Verbindungen, die sicher über die Nieren ausgeschieden werden können – ein Segen in unserer modernen Umwelt.
  • ​Stärkung der Gefäß-Barrieren: Inhaltsstoffe des Schachtelhalms festigen die „Tight Junctions“ (die Kittsubstanz zwischen den Gefäßzellen). Das schützt unsere Adern vor Entzündungen und unerwünschten Ablagerungen.

​Praktische Anwendung: Die Kraft nutzen

​1. Nahrungsergänzung: Tee oder Kaltauszug

​Der Kaltauszug: 2-3 TL Kraut mit 250 ml kaltem Wasser ansetzen und 12–24 Stunden ziehen lassen.

​Die Abkochtung: Für maximale Kieselsäure-Löslichkeit das Kraut mit Wasser ansetzen, zum Kochen bringen und 20 Minuten sanft köcheln lassen.

​2. Der Küchen-Hack: Das „Struktur-Pulver“

​Für die langfristige Stärkung von Knochen, Lunge und Haaren ist das Pulverisieren am effektivsten:

​Zermahle das getrocknete Kraut zu feinstem Staub.

​Mische täglich eine Prise oder einen halben Teelöffel in Smoothies, Joghurt oder den Brotteig. So wird die Urzeit-Kraft zum festen Bestandteil deines Alltags.

​3. Der Garten-Schutz: Schachtelhalm-Brühe

​Was uns festigt, schützt auch Rosen und Tomaten:

​1 kg frischen Schachtelhalm in 10 Litern Wasser 24h einweichen, dann kurz aufkochen.

​1:5 verdünnt spritzen. Die Kieselsäure macht die Blätter für Pilzsporen „undurchdringlich“.

​Ein Ausblick in die Ewigkeit

​Der Schachtelhalm ist ein Meister der Beständigkeit. Er war schon ein Fossil, bevor wir Menschen die Erde betraten, und er wird vermutlich noch hier sein, wenn wir längst Geschichte sind. Er hat die Gabe zu überdauern. Wer weiß, welche intelligenten Wirkweisen wir in den nächsten Millionen Jahren noch in ihm entdecken werden – wenn wir nur die gleiche Geduld aufbringen, die er uns seit Äonen vorlebt.



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Weidenbaum entlang der Kräuterwanderung in Niedersachsen – Naturerlebnis mit Wildpflanzen
Weidenbaum in der Küstenlandschaft – Symbol für Anpassung und regionale Pflanzenvielfalt

Weidenrinde am Deich: Heilpflanze gegen Sumpffieber, Rheuma und Erkältungen an der Nordseeküste 


 

Wer heute durch das Marschland der Wurster Nordseeküste spaziert, entdeckt sie überall: die knorrigen Kopfweiden, die sich wie stille Wachen an den Gräben aufreihen – vom Deich bis weit ins Land hinein. Sie prägen das Landschaftsbild im Landkreis Cuxhaven und erzählen Geschichten aus vergangenen Zeiten, in denen Heilpflanzen nicht nur hilfreiche Begleiter, sondern überlebenswichtig waren. 

Hier, zwischen Nordsee, Marsch und Geest, litten die Menschen bis ins 19. Jahrhundert unter dem gefürchteten „Sumpffieber“ – einer einheimischen Form der Malaria, die in den feuchten Marschlandschaften grassierte. Erst durch massive Landschaftsumgestaltungen wie die großflächige Trockenlegung von Sümpfen verlor die übertragende Anopheles-Mücke ihren Lebensraum. Seit Ende der 1940er-Jahre gilt das Wechselfieber, wie die Krankheit im Volksmund genannt wurde, an der Nordseeküste und in ganz Deutschland als ausgestorben. 

Doch bevor die moderne Medizin Einzug hielt, vertraute man auf das, was die Natur selbst bot. So wurde die Rinde der Weidenbäume zu einem der wichtigsten Heilmittel – nicht nur gegen Malaria, sondern auch gegen die typischen Beschwerden des rauen Küstenklimas: Fieber, Erkältungen und rheumatische Leiden. 

 

Weidenrinde als Heilmittel der Küstenbewohner 

Die Heilkraft der Weidenrinde ist seit der Antike bekannt, doch an der Nordseeküste hatte sie eine ganz besondere Bedeutung: 

  • Wirkstoff: Die Rinde enthält Salicin, das im Körper zu Salicylsäure umgewandelt wird – dem natürlichen Vorläufer des weltbekannten Medikaments Aspirin.
  • Volksmedizin im Norden
  • Als fiebersenkendes Mittel gegen Sumpffieber in den Marschen.
  • Zur Linderung von Fieber und Kopfschmerzen bei Erkältungen im windgepeitschten Küstenklima.
  • Gegen Rheuma und Gliederschmerzen, die durch die feuchte Kälte im Landkreis Cuxhaven besonders verbreitet waren.
  • Praktische Logik: Die Weiden wuchsen direkt an den Gräben und Entwässerungskanälen, wo auch die Mücken brüteten. Krankheit und Heilmittel standen also buchstäblich nebeneinander – ein faszinierendes Zusammenspiel von Natur und Notwendigkeit.
  • Die Silber-Weide (Salix alba) gilt als die stärkste Heilpflanze unter den Kopfweiden der Wurster Nordseeküste. Aber auch Bruch- und Purpur-Weiden enthalten wirksame Inhaltsstoffe und wurden traditionell gegen Fieber und rheumatische Beschwerden genutzt.


Bei Kindern ist Vorsicht geboten: Weidenrinde oder Mädesüß dürfen nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Heilpraktiker und auf keinen Fall bei fiebrigen Erkrankungen eingesetzt werden – warum das so wichtig ist, erfahrt ihr hier.

Kopfweiden am Deich – Kultur, Medizin und Mythos
Die Kopfweide ist eine regelmäßig zurückgeschnittene Weidenform, deren Triebe aus dem „Kopf“ der gekappten Stammspitze sprießen – typisch unter anderem für die Wurster Nordseeküste aber in vielen anderen Regionen auch.

Kopfweiden sind nicht nur medizinisch interessant, sondern auch ein Stück Kulturlandschaft:

  • Nutzung: Sie wurden entlang der Gräben gesetzt, um deren Ufer zu befestigen, und lieferten wertvolles Material: biegsame Triebe für Flechtwerk, Brennholz oder Zaunpfähle. Gleichzeitig stabilisierten sie die Entwässerungsgräben – ein perfektes Zusammenspiel von Mensch und Natur.
  • Ökologie: Kopfweiden sind wertvolle Biotope. In ihren Höhlungen leben Vögel, Insekten und Fledermäuse – ein kleines Universum voller Artenvielfalt.
  • Symbolik: In Sagen und Mythen galten sie als geheimnisvolle Bäume, verbunden mit Mond, Lebenskraft, Tod und Trauer. In der griechischen Mythologie soll Persephone in einem Hain aus Weiden verweilt haben – dort, wo die Grenze zur Anderswelt besonders durchlässig war. Die Weide steht auch für Krankheit, Leid und Tod. Schon wenige Jahre alte Exemplare beginnen im Inneren zu verfaulen und zu verfallen – und doch sind sie ein Symbol für Leidensfähigkeit und Kraft. Trotz Bruch, Fäulnis und Zerfall leben sie weiter und treiben immer wieder neu aus. Abgebrochene Triebe schlagen Wurzeln, sobald sie die kleinste Chance bekommen. Es heißt sogar, man müsse befürchten, dass ein Splitter vom Weidenholz, den man sich zuzieht, austreiben könnte, wenn er nicht schnell entfernt wird.
  • Auch im Volksglauben ranken sich Knotenzauber um die Weidenzweige – kleine Rituale, mit denen man Heil oder Schaden bewirken wollte. Die Krone der Hexenkönigin soll aus Weiden geflochten sein, Zauberstäbe wurden zuweilen aus Weidenholz gefertigt. Krankheiten glaubte man auf Weiden übertragen zu können, etwa indem man Haare, die man sich ausriss, in eine hohle Weide legte.

So stehen die Kopfweiden heute nicht nur als lebendige Apotheke, sondern auch als kulturelles Erbe und Naturdenkmal am Deich. 


Ernte der Weidenrinde 

Wer selbst einmal die Kraft der Weidenrinde nutzen möchte, sollte behutsam und nachhaltig vorgehen: 

  • Beste Zeit: Frühling (März–April), wenn die Säfte steigen.
  • Material: Junge Zweige (1–2 Jahre alt) verschiedener Weidenarten wie Silber- oder Bruchweide. Auch die Kopfweide, die aus diesen und weiteren Arten hervorgeht, eignet sich.
  • Ernte: Rinde vorsichtig abziehen oder abschälen, trocknen und dunkel lagern.

Nachhaltigkeit: Nur kleine Mengen für den Eigenbedarf sammeln – denn die Weiden sind nicht nur Heilpflanzen, sondern auch wertvolle Lebensräume im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. 


Fazit: Die lebendige Apotheke am Deich
Die Kopfweiden der Wurster Nordseeküste sind mehr als nur Landschaftselemente – sie sind Teil der Heilpflanzengeschichte im Landkreis Cuxhaven, zugleich Kulturgeschichte und Naturraum. Ihre Rinde hat über Jahrhunderte hinweg den Menschen an der Küste geholfen, Krankheiten und Beschwerden zu lindern. Heute erinnern sie uns daran, dass Natur und Gesundheit untrennbar miteinander verbunden sind. Ein Spaziergang durch die Küstenregion wird so nicht nur zum Naturerlebnis, sondern auch zu einer kleinen Reise in die Welt der alten Heilkunst. 

Schmerzmittel Weidenrinde

Die Rezepte sind wie alles auf meiner Seite nur rein informativ gezeigt. Wer krank ist gehört zum Heilpraktiker oder Arzt.

Alte Weiden als Biotop und Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten in Niedersachsen

Weidenrindentee

Rezept: Weidenrindentee

Zutaten:

  • 1–2 TL getrocknete Weidenrinde
  • 250 ml Wasser

Zubereitung:

  1. Rinde mit kaltem Wasser ansetzen.
  2. Aufkochen und 5–10 Minuten köcheln lassen.
  3. Abseihen und warm trinken.

Anwendung: 2–3 Tassen täglich bei Fieber, Erkältungen oder rheumatischen Beschwerden – genau den typischen Leiden des Nordseeklimas.

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Weidenrindentinktur

 Rezept: Weidenrinden-Tinktur 

Zutaten: 

  • 40 g getrocknete Weidenrinde
  • 200 ml hochprozentiger Alkohol (mind. 40–60 %, z. B. Doppelkorn oder ein neutraler Bio-Weingeist). 
  • Hinweis: Achte bei der Wahl deines Alkohols unbedingt auf einen Gehalt von mindestens 40 %, damit die Tinktur lange stabil bleibt und die Wirkstoffe perfekt gelöst werden.

Zubereitung: 

  1. Rinde klein schneiden und in ein Schraubglas füllen.
  2. Mit Alkohol übergießen, bis alles bedeckt ist.
  3. 2–3 Wochen dunkel ziehen lassen, täglich schütteln.
  4. Abseihen und in eine dunkle Flasche abfüllen. Haltbarkeit: bis zu 2 Jahre.

Anwendung: 2–3× täglich 20–40 Tropfen in Wasser verdünnt einnehmen. 

Silberweide - in Niedersachsen

Mehr über Weiden?

 

alls du noch nicht genug von der Weide hast, habe ich zwei Tipps für dich: 

  1.  Schau dir gerne meine ausführliche Tiefenbetrachtung über die Weide auf meiner Seite „Wildpflanzen verstehen“ an. Dort geht es um Botanik, alte Kräuterbücher, traditionelle Anwendung, moderne Pflanzenheilkunde und die Rolle der Weide in unserer Landschaft. 
  2. Das Weidenzentrum Wurster Nordseeküste e.V. in Padingbüttel ist ein lebendiger Ort für Flechthandwerk, Naturpädagogik und kulturelle Begegnung. Seit über zehn Jahren entstehen dort aus Weiden kreative Objekte, lebendige Bauwerke und inspirierende Lernräume. Ob Körbe, Lichtobjekte oder Nisthilfen – in Kursen und Workshops wird altes Handwerk mit frischer Neugier vermittelt. Der angrenzende Weidenpark lädt mit Labyrinth und Naturkunst zum Entdecken ein. Singkreise, Feste und mythologisch geprägte Veranstaltungen wie das Zauberweidenfest verbinden Gemeinschaft mit Naturerleben. Das Zentrum arbeitet eng mit Schulen, dem Nationalparkhaus und WWOOF zusammen und steht für nachhaltige Bildung und regionale Verwurzelung. Ein echter Geheimtipp für alle, die die Weide nicht nur als Pflanze, sondern als kulturelles Medium erleben möchten. Mehr auf www.weidenzentrum.de



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Gundermann-Blütengelee - eine dufte Idee!

Gundermann, Gundelrebe, Glechoma hederacea

Vom frisch gesammelten Gundermann...

Gundermannblüten, Gundelrebenblüten

... fleißig die Blüten (ca. 50g) auszupfen....

Auszug aus Gundermannblüten, Gundelrebenblüten

... und diese über Nacht mit ein paar Blättern Zitronenmelisse, Zitronensaft und ein ein paar Scheiben Zitrone in 500ml Wasser ansetzen...

Gundermannblütengelee, Gundelrebenblütengelee

... abseihen, mit Zucker und Geliermittel aufkochen, abfüllen und nochmal etwas Geduld zeigen...

Gundermannblütengelee, Gundelrebenblütengelee

.... und fertig! Ein köstliches Gundermannblütengelee.

Bücher die ich gerne hab...

Da ich auch häufiger nach dem einen oder anderen Buchtipp gefragt werde, habe ich an dieser Stelle angefangen eine Liste zu erstellen, die  nach und nach ergänzt wird. Alle Bücher die hier stehen sind schätze ich aus dem einen oder anderen Grund sehr - trotzdem bitte darauf achten worin für mich der Wert liegt damit Ihr Euch beim Kauf Enttäuschungen erspart.
Für Tipps welches Buch hier unbedingt noch dazu gehört bin ich immer dankbar.

Heilpflanzen - erkennen, sammeln, anwenden

ein BLV-Naturführer von Elfrune Wendelberger 

ISB N 3-405-13813-2
Dieses kleine Büchlein war das erste Kräuterbüchlein das ich mir selbst gekauft habe. Es werden über 100 Heilpflanzen vorgestellt, jeweils mit Foto und teilweise noch einer kleinen Detailzeichnung. Ich empfand es trotz des relativ geringen Umfangs als echte eine Fundgrube. Ich dachte ich weiß nun "alles" über Heilpflanzen. Heute, ca. 100 Kräuterbücher weiter, denke ich das es alles in allem noch immer recht überschaubar ist was ich weiß.
Die Bestimmungstexte sind gut geschrieben und es gibt jeweils Anwendungstipps und verschiedene Rezepte für Salben, Tinkturen oder Aufgüsse.  Als Bestimmungsbuch trotzdem weniger geeignet aber für mich immer noch ein kleiner Schatz im Bücherschrank. 
Für Einsteiger gut geeignet.

Delikatessen am Wegesrand

von Brigitte Klemme und Dirk Holtermann aus dem Walter Rau Verlag
ISB N 3-7919-0616-X

Ein schmales Büchlein das mich auf die Wildkräuterküche stieß bevor diese Hip wurde. Viele der Rezepte sind zu Standartrezepten oder zur Grundlage meiner Standartrezepte geworden. Außerdem ist dies eines der Bücher die man tatsächlich "lesen" kann, also keine Nachschlagewerk sondern leichte Lektüre und ein gutes Einsteigerbuch für die Wildkräuterküche. Abgehandelt werden 15 sehr häufig zu findende Wildpflanzen mit über 100 einfachen Rezepten.
Für Einsteiger gut geeignet.

Das Heitere Herbarium

​Autor & Illustrator: Karl Heinrich Waggerl

​Verlag: Otto Müller Verlag

​ISBN (aktuelle Ausgabe): 978-3701301539


​In meiner Kräuterecke finden sich viele schwere Fachbücher, dieses ist ein kleines Büchlein und ein ganz besonderer Schatz: „Das Heitere Herbarium“ von Karl Heinrich Waggerl. Es ist kein Buch über Heilwirkung – es ist ein Buch mit bezaubernden Versen über Pflanzen, erzählt mit feinem, hintergründigem Humor und einer Prise Weisheit.

​Ein kleines Gesamtkunstwerk aus Feder und Stift

​Was viele nicht wissen: Waggerl war nicht nur ein Meister des Wortes, sondern auch ein äußerst talentierter Zeichner. Die wunderschönen, filigranen Pflanzenabbildungen im Buch stammen von ihm selbst. Man spürt bei jedem Strich, dass er die Pflanzen nicht nur betrachtet, sondern förmlich studiert hat. Seine Zeichnungen haben die gleiche Leichtigkeit und den gleichen Humor wie seine Verse.

​Warum dieses Buch in keinem Regal fehlen darf


Waggerl gibt unseren grünen Wegbegleitern eine Seele. Er beobachtet sie so genau, dass er ihren Charakter in Verse fassen kann, die mal zart und mal herrlich direkt sind.

​Zwei Beispiele aus dem Buch haben es mir besonders angetan:

​1. Die Poesie des Kleinen: Noli me tangere

​Über das Rühremichnichtan schreibt er mit schmunzeln, dass man die Scheu der Pflanze förmlich spüren kann:

​„...daß dieses Wesen sich bis heute / schlechthin zu existieren scheute.“

​2. Ein Augenzwinkern für uns Kräuterkundige: Seidelbast

​Es erinnert uns daran, dass die Natur nicht nur zum Konsumieren da ist, sondern auch zum Bewundern:

​„Wie lieblich duftet uns im März / der Seidelbast! Doch innerwärts / ist er voll Gift und Galle...“

​Und endent mit dem entscheidenden Satz für alle Neugierigen:

„Man muß nicht alles kauen wollen!“

Mein Fazit

​Waggerls „Heiteres Herbarium“ lehrt uns, dass wir die Natur nicht nur studieren, sondern sie auch belächeln und bewundern dürfen. Ein zeitloses Werk, das durch die Symbiose aus seinen Versen und seinen eigenen Zeichnungen besticht.

​Wer dieses Büchlein einmal aufgeschlagen hat, geht mit einem Schmunzeln durch die Wiesen – und lässt nicht nur den Seidelbast - vielleicht lieber einfach nur duften.

Conrad Gessner: Die Historia Plantarum - Ein Monumentales Erbe

Conrad Gessner, Historia Plantanum, Kräuterblog Dirk Schwerdts

Nach den handlichen Begleitern für den Rucksack und den heiteren Versen fürs Gemüt wird es Zeit für einen echten Riesensprung. 

Wer mich kennt, weiß: Ich liebe das Praktische im Hier und Jetzt, aber mein Herz brennt genauso für die tiefen Wurzeln unseres Wissens. Deshalb machen wir jetzt einen bewussten Schritt – weg von den modernen Naturführern, hin zu einem der gewaltigsten Werke der Botanik-Historie.
​Ich möchte euch in die Welt der „Kräuterkundigen vergangener Zeiten“ entführen und euch eines meiner absoluten Lieblingsstücke meiner Bibliothek vorstellen: Die Historia Plantarum von Konrad Gessner. Das Bild oben zeigt seinen Blick auf eine Pflanze dich ich für das dunkle Lungenkraut halte – eine wunderschöne und sehr detaillreiche Zeichnung mit vielen, zum teil leider unleserlichen Randnotizen. 

Gessner war ein Universalgelehrter von unglaublicher Intelligenz. Als Zürcher Stadtarzt stellte er sich im 16. Jahrhundert mutig der Pest, wohl wissend, dass ihn dieser Einsatz das Leben kosten würde. Als das Ende 1565 nahte, ließ er sich ein letztes Mal in seine Bibliothek tragen, um inmitten seiner Forschung und seiner botanischen Schätze zu sterben.

Das Erbe des Caspar Wolf und die späte Erlösung

Conrad Gessner, Historia Plantanum, Elsbeere, Kräuterblog von Dirk Schwerdts

Dass wir heute hier an der Nordsee in diesen Folianten blättern können, verdanken wir einer unglaublichen Geschichte der Treue. Nach Gessners Tod übernahm sein enger Freund Caspar Wolf die über 1.500 detaillierten Zeichnungen. Oben seht ihr seine Studie zur Elsbeere (Sorbus torminalis) – die spitzen Lappen der Blätter und die Struktur der Früchte sind so exakt, dass man sie fast vom Papier pflücken möchte.

​Wolf wollte das Werk unbedingt veröffentlichen, doch die immensen Druckkosten für die vielen präzisen Holzschnitte waren damals ein wahres Vermögen, das er schlicht nicht aufbringen konnte. So blieb das Lebenswerk fast 200 Jahre lang ein verborgener Schatz in den Archiven. Erst der Nürnberger Arzt Casimir Christoph Schmiedel erkannte viel später den Wert und veröffentlichte das Werk schließlich zwischen 1751 und 1771

Warum ich dieses Werk so lieben?

Conrad Gessner Historia Plantarum  diverse  Pflanzen, Kräuterblog von Dirk Schwerdts

Was mich an der Historia Plantarum am allermeisten berührt, ist diese unglaubliche Detailverliebtheit in jeder einzelnen Pflanzenstudie. Wenn man das Buch aufschlägt, hat man nicht das Gefühl, ein starres Lehrwerk vor sich zu haben. Durch die vielen persönlichen Randnotizen und die akribischen Skizzen wirkt es vielmehr wie Gessners ganz persönliches Notizbuch. Es ist, als hätte er es gerade erst offen liegen gelassen und wäre nur mal eben kurz weggegangen – man spürt förmlich seine Anwesenheit und seine tiefe Leidenschaft in jeder Zeile.

​Diese vielen Anmerkungen laden geradezu dazu ein, sich in seine Gedankenwelt hineinzudenken. Anfangs fand ich es zugegeben sehr mühsam, dass dieses monumentale Werk keinerlei Register, Inhaltsverzeichnis oder eine erkennbare Struktur besitzt. Doch genau das hat sich für mich mittlerweile als der größte Schatz herausgestellt: Man kann sich in diesem Buch nicht einfach „orientieren“. Man muss sich darin verlieren.

​Jedes Aufschlagen ist wie ein Streifzug durch das Unterholz der Geschichte, bei dem man nie weiß, welches botanische Wunder auf der nächsten Seite wartet. Man stolpert über Entdeckungen, die man nie gesucht hätte.
 Genau dieses erzwungenen sich-treiben-lassen und darin Verlieren hat dazu geführt,  dass dieser massive Foliant einen festen Platz in meiner Bibliothek, und einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen gefunden.


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